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RabattschlachtBeim Essen werden Schweizer immer geiziger

Bei Lebensmitteln und Elektronikprodukten achten Konsumenten stark auf Aktionen. Der Handel züchte Schnäppchenjäger heran, so ein Experte.

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pam
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Die Aktionsschilder wirken: Schweizer Konsumenten achten laut einer Studie bei Lebensmitteln stark auf Rabatte.

Die Aktionsschilder wirken: Schweizer Konsumenten achten laut einer Studie bei Lebensmitteln stark auf Rabatte.

Keystone/Christian Beutler
Bei Lebensmitteln geben 58 Prozent der Befragten an, Aktionen zu berücksichtigen. Das sind 11 Prozentpunkte mehr als noch 2017.

Bei Lebensmitteln geben 58 Prozent der Befragten an, Aktionen zu berücksichtigen. Das sind 11 Prozentpunkte mehr als noch 2017.

Keystone/Gaetan Bally
Ebenfalls scharf auf Aktionen sind die Konsumenten laut der Studie bei Elektronik- sowie bei Mode- und Sportartikeln.

Ebenfalls scharf auf Aktionen sind die Konsumenten laut der Studie bei Elektronik- sowie bei Mode- und Sportartikeln.

Leser-Reporter

Geiz ist geil: Nach diesem Motto kaufen auch zunehmend Schweizer Konsumenten ein. 58 Prozent achten bei Lebensmitteln stark auf Sonderangebote, wie eine repräsentative Studie des Beratungsunternehmens «Fuhrer&Hotz» zeigt, aus der die «Schweiz am Wochenende» zitiert. 2017 lag der Wert noch um 11 Prozentpunkte tiefer.

Ebenfalls scharf auf Aktionen sind die Konsumenten laut der Studie bei Elektronik- sowie Mode- und Sportartikeln. Am wenigsten spielen Rabatte bei Büchern, CDs, Uhren und Schmuck eine Rolle.

«Black-Friday» befeuert den Trend

Die Händler selbst befeuern den Trend zu Sonderangeboten. Hatten 2017 erst 20 Prozent angegeben, beim amerikanischen «Black Friday» mitzumachen, sind es heute bereits über 40 Prozent.

«Alle Händler haben Angst, auf Rabatte zu verzichten, sie befürchten, Kunden zu verlieren», sagt Marco Fuhrer von «Fuhrer&Hotz». Er spricht von einem Teufelskreis. Denn die Kunden würden immer mehr Aktionen erwarten und zu Schnäppchenjägern herangezüchtet.

Etwas Blöderes als Aktionen wie beim «Black Friday» gebe es nicht, sagt Ferdinand Hirsig, langjähriger Chef bei Volg, zur Zeitung. Kurz vor Weihnachten Rabatte zu gewähren, sei fatal. «Zudem können wir uns bei Volg derart grosse Abschläge gar nicht leisten, dafür sind unsere Margen viel zu dünn.» Volg habe nach wie vor die gleiche Strategie mit wöchentlichen Aktionen auf gewissen Artikeln mit maximal 33 Prozent Rabatt.

Leidet die Glaubwürdigkeit?

Für Marco Fuhrer kratzen die Aktionen der Händler auch an der Glaubwürdigkeit. «Der Kunde fragt sich dann, ob er durchs Jahr hindurch abgezockt wird, wenn plötzlich derart grosse Rabatte möglich sind an einzelnen Tagen.»

In Frankreich hat die Politik bereits auf Rabatte bei Lebensmitteln reagiert. Laut einem Gesetz, das seit Anfang Jahr in Kraft ist, dürfen Detailhändler beim Essen höchstens 34 Prozent Rabatt gewähren. Auch dürfen sie maximal 25 Prozent ihres Angebots als Aktionen bewerben. Ziel der Massnahme ist es, die Produzentenpreise für die Bauern zu verbessern.

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