Aktualisiert 13.02.2015 04:56

Ablenkung am Steuer

Beim Fahren gesimst – droht bald Handy-Entzug?

Ein Handy-Entzug könnte Handy-Sünder am Steuer zur Vernunft bringen, glaubt EVP-Nationalrätin Maja Ingold.

von
Ph. Flück
Stefan Krähenbühl: «Das Handy am Steuer zu benutzen ist wie alkoholisiert zu fahren.»

Stefan Krähenbühl: «Das Handy am Steuer zu benutzen ist wie alkoholisiert zu fahren.»

Kaum sitzen sie im Auto und fahren los, nehmen sie das Handy hervor, telefonieren oder tippen SMS. Dann plötzlich knallt es. Ablenkung am Steuer ist die häufigste Ursache für Verkehrsunfälle auf Schweizer Strassen. Laut der Website «Lenken statt ablenken» ist jeder fünfte Unfall auf Unaufmerksamkeit oder Ablenkung zurückzuführen.

Solche Handy-Sünder sollen in Deutschland nun härter drankommen. Besteht der Verdacht auf Gespräche oder SMS am Steuer, wird die Polizei in Nordrhein-Westfalen nach Unfällen das Handy beschlagnahmen. So könne ausgewertet werden, ob zum Zeitpunkt des Crashs telefoniert wurde oder nicht. Das liess SPD-Innenminister Ralf Jäger verlauten. Denn Telefonieren am Steuer sei lebensgefährlich.

EVP-Nationalrätin Maja Ingold findet die Idee des Handy-Entzugs auch für die Schweiz prüfenswert, da sie abschreckend wirken dürfte: «Die Angst, eine gewisse Zeit lang ohne Handy zu leben, könnte bei vielen Personen zu mehr Verantwortung am Steuer führen.» Denn das Handy sei für viele ein zentraler Gegenstand – sowohl im Job als auch privat. Die nachhaltigste Lösung wäre aber die Erhöhung der Bussen auf über 500 Franken, findet Ingold. Bislang drohen telefonierenden Autofahrern in der Schweiz Bussen von 100 Franken. «Telefonierende Lenker werden im Vergleich zu alkoholisierten Fahrern nachlässig bestraft», sagt Ingold.

Auch Evi Allemann, SP-Nationalrätin und Präsidentin des Verkehrs-Clubs Schweiz (VCS), könnte sich einen Handyentzug vorstellen, «etwa wenn erwiesen ist, dass das Handy die Unfallursache war». Präventionskampagnen aber hätten Priorität. Kampagnen der Polizei wie «Lenken statt ablenken» seien dabei lobenswerte Unterfangen. Auch mehr Kontrollen könnten nützlich sein.

«Eine Beschlagnahmung des Handys zur Unfallabklärung macht dann Sinn, wenn der Verdacht gross ist, dass das Handy bei der Fahrt auch benutzt wurde», sagt Valesca Zaugg, Geschäftsführerin der Stiftung RoadCross Schweiz. Leider würden viele Fahrzeuglenker die Gefahr von Ablenkung am Steuer völlig falsch einschätzen. «Deshalb ist es wichtig, dass wir nicht nur nach einem Unfall handeln, sondern die Öffentlichkeit mittels Präventionsarbeit über die Gefahren aufklären.»

«Das ist ein Witz»

SVP-Nationalrat Walter Wobmann ist gegen die Beschlagnahmung des Handys: «Dieser Vorschlag gehört ganz klar in die Kategorie Witz und ist absolut nicht machbar.» Er sei auch gegen den Fahrzeugentzug, wenn man zu schnell fahre, solche Massnahmen seien einfach nicht der richtige Weg. Er sehe das Problem schon, dass durch die Technik viele Menschen stärker abgelenkt würden als früher, doch deswegen das Gesetz zu verschärfen finde er nicht in Ordnung. «Dann müsste man es auf alle anderen Gadgets wie zum Beispiel Navigationsgeräte ausdehnen und das Ganze hätte kein Ende mehr.»

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