Aktualisiert

KnatschBeim FC Luzern rumort es gewaltig

Der Zentralschweizer Super-League-Verein befindet sich in einer Krise. Personalentscheide in der Teppichetage sorgen auch für Diskussionen.

von
Eva Tedesco
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Philipp Studhalter, Präsident des FC Luzern, sieht sich vermehrt Kritik ausgesetzt.

Philipp Studhalter, Präsident des FC Luzern, sieht sich vermehrt Kritik ausgesetzt.

Keystone/Alexandra wey
Die Verpflichtung von Remo Meyer als Sportkoordinator stösst nicht überall auf Gegenliebe.

Die Verpflichtung von Remo Meyer als Sportkoordinator stösst nicht überall auf Gegenliebe.

FreshFocus/Martin Meienberger
Trainer Markus Babbel war dagegen, steht aber voll und ganz hinter der Mannschaft.

Trainer Markus Babbel war dagegen, steht aber voll und ganz hinter der Mannschaft.

Keystone/Thomas Hodel

«Ich bin der grösste Fan meiner Mannschaft», sagt Trainer Markus Babbel. Mag sein, aber wie lange noch?

Ruhe und Kontinuität sind im Umfeld des FC Luzern ein Fremdwort. In den letzten Tagen ist es wieder einmal so weit. Es brodelt und rumort in der Zentralschweiz. Der Auslöser waren Aussagen von Markus Babbel nach der Niederlage in Thun (1:3). Der FCL-Trainer: «Schon seit dem ersten Tag der Vorbereitung für die Rückrunde präsentiert sich die Mannschaft mental tot. Die Spieler suchen immer ein Alibi. Dahinter verstecken sie sich jetzt.»

Kritik an der Vereinsführung

Die Mannschaft mag in den letzten Spielen versagt und sich hinter Alibis versteckt haben. Das Problem beim FCL ist aber primär nicht in der Spielerkabine zu suchen. Es liegt weiter oben. Dort, wo die Angestellten statt Rasen einen Teppich unter den Füssen haben. Seit Jahren geben sich bei den Luzernern die Vereinsverantwortlichen die Klinke in die Hand und wechseln in der Regelmässigkeit wie Sion-Boss Christian Constantin seine Trainer.

Derzeit sind Präsident Philipp Studhalter, CEO Marcel Kälin und Verwaltungsrat Marco Sieber am Ruder – Männer aus der Wirtschaft, die vom Fussballgeschäft kaum Ahnung haben. Kälin und Sieber schlägt eine Welle der Ablehnung entgegen, intern wie extern. «Seit Kälin vor sieben Monaten als Geschäftsführer kam, herrscht Unruhe im Club», schrieb zum Beispiel der «Blick». Diverse Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle könnten mit Kälin nichts anfangen, werfen ihm mangelnde Fachkompetenz und Empathie vor – aus Angst um ihre Jobs natürlich anonym.

Personalentscheide geben zu reden

Für viel Unmut sorgte das Duo, indem es Sport-Koordinator Remo Meyer gegen den Willen von Trainer Markus Babbel, der ebenfalls der technischen Kommission angehört, verpflichtet hat. Den grössten Wirbel aber verursachten sie mit den Vertragsverhandlungen mit Marco und Christian Schneuwly. Die um 40 Prozent reduzierte Offerte ab 2018 ist vor allem für den aktuellen Goalgetter der Luzerner ein Affront und zeugt von wenig Wertschätzung.

Präsident Studhalter, Anwalt und in Verteidigungsreden geübt, verteidigt Kälin, der das Budget einhalten und sparen muss. Babbel war aber gar nicht glücklich, dass man ihm zuletzt wichtige Spieler wegtransferiert hat, genauso wenig kann ihm passen, wenn Kälin und Sieber Alleingänge proben, die Auswirkungen auf den sportlichen Bereich haben.

Vertragsverhandlungen stehen bevor

Wie sich der ehemalige Bayern- und Liverpool-Profi sowie Europameister Babbel vorkommt, wenn er sich mit Fussballanfängern herumschlagen muss, kann man nur erahnen. Aber wie lange macht der FCL-Trainer diese Provinzposse noch mit? Sein Vertrag läuft bis Sommer 2018. In naher Zukunft stehen Gespräche mit dem Trainer an. Hat er wirklich weiter Bock drauf? Das habe er, sagt Babbel. Aber die Frage sei dennoch erlaubt: wie lange noch?

Zu seinen Sätzen nach dem Thun-Spiel steht er immer noch. Der Deutsche: «Man denkt sich ja etwas dabei, wenn man so etwas sagt. Ich wollte die Mannschaft ganz bewusst verärgern und reizen. Es war auch für mich ungewöhnlich – aber ich habe mich ganz bewusst für diesen Weg entschieden, um zu versuchen, die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen.» Ob er das damit geschafft hat, wird sich am Sontag gegen YB weisen.

Babbel ist aber zuversichtlich: «Ich bin der grösste Fan meiner Mannschaft. Ich weiss, dass sie es draufhat.»

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