Aktualisiert 19.03.2013 13:36

Badran vs. Türsteher

«Beim Gehen beschimpfte sie mich erneut»

Er hat Jacqueline Badran aus dem Club geworfen: Der Türsteher Merlin Tchamba erzählt, wie er seine Begegnung mit der Zürcher SP-Nationalrätin erlebte.

von
Marco Lüssi

Merlin Tchamba (39) arbeitet seit neun Jahren als Türsteher in der Schweiz. Vor seinem Job beim Event-Lokal Aura am Paradeplatz in Zürich war der 1.90 Meter grosse und 110 Kilogramm schwere Hüne im Zürcher Nobelclub Indochine und in einer türkischen Disco in Regensdorf tätig.

Am Freitag hatte er eine unschöne Begegnung mit SP-Nationalrätin Jacqueline Badran (51). Tchamba spedierte sie aus dem Aura, weil sie drinnen geraucht hatte. Danach warf Badran dem Türsteher vor, er habe sie rausgeschleift und vor dem Lokal auf den Boden geworfen. Gegen diese Darstellung wehrt sich Tchamba: «Frau Badran ist nicht gestürzt.»

«Sie nannte mich Arschloch»

Die Politikerin, von der er vor diesem Abend noch nie gehört hatte, sei als «sehr unangenehmer» Gast aufgefallen. Als er sie freundlich gebeten habe, das Rauchen am geöffneten Fenster im Foyer zu lassen und sich dafür in die nebenan liegende Raucherlounge zu begeben, habe sie einfach weitergequalmt, während ihr Begleiter dieser Bitte sofort widerspruchslos entsprochen habe. «Sie aber sagte mir, sie sei Nationalrätin, sie dürfe das.»

Daraufhin habe er - wie es im Türsteher-Alltag in solchen Situationen üblich sei - sie mit beiden Armen von hinten umfasst und nach draussen geführt. «Dabei nannte sie mich Arschloch und stiess weitere Schimpfwörter aus, die ich nicht verstand, weil ich nicht so gut Schweizerdeutsch kann.» Zudem habe sie ständig mit den Ellbogen nach ihm gestossen. «Wenn sie blaue Flecken hatte, dann davon.» Sie habe auch ihm Schmerzen zugefügt.

Tchamba ist auch als Staatsbürger enttäuscht von Badran

Nach dem Vorfall habe man Badran erlaubt, ins Aura zurückzukehren. Dort habe sie noch etwa eine Stunde weitergefeiert. «Als sie dann ging, beschimpfte sie mich zum Abschied erneut.» Nach diesem Arbeitstag habe er schlecht geschlafen.

Der gebürtige Kameruner mit Schweizer Pass ist auch als Staatsbürger enttäuscht von Badran: «Die Schweiz ist ein Hort der Demokratie. Ich hätte nie gedacht, dass Politiker sich hier aufführen wie in Afrika und sich nicht um Gesetze scheren.» Er wähle sozialistisch. «Aber diese Frau wird meine Stimme nicht bekommen.»

Badran bestreitet Tchambas Version komplett

Dass sie ihm vorwerfe, er habe seinen Job schlecht gemacht, wurme ihn, sagt der Familienvater mit drei Kindern: «Ich bin sehr gerne Türsteher und bemühe mich, immer höflich zu sein und richtig und korrekt zu handeln.»

Badran ihrerseits widerspricht der Darstellung von Merlin Tchamba vollends: Sie sagt, sie habe nicht auf ihr Amt verwiesen und den Türsteher nicht beschimpft. Und die Nationalrätin stellte gegenüber 20 Minuten klar: «Ich lüge nie.»

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