28.02.2018 11:11

Wichtige Entscheidungen

Beim Kauf eines Hauses hat die Frau das Sagen

Geht es ums Wohneigentum, hat laut einer Studie die Frau meist das letzte Wort. Grund ist die Rollenteilung in der Familie.

von
Dominic Benz
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Viele Paare wollen sich eines Tages ein Haus kaufen.

Viele Paare wollen sich eines Tages ein Haus kaufen.

Keystone/urs Flueeler
Dabei bestimmt oft die Frau, welches Wohnobjekt letztlich gekauft wird. Das ist das Ergebnis einer Studie der Grossbank Credit Suisse.

Dabei bestimmt oft die Frau, welches Wohnobjekt letztlich gekauft wird. Das ist das Ergebnis einer Studie der Grossbank Credit Suisse.

Keystone/urs Flueeler
Grund ist laut Studie die Rollenteilung zwischen Mann und Frau.

Grund ist laut Studie die Rollenteilung zwischen Mann und Frau.

Keystone/urs Flueeler

Es gehört zum Wunsch vieler Paare und Familien: ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung zu besitzen. Wird es dann konkret, hat meist die Frau das letzte Wort: Sie entscheidet darüber, welches Haus gekauft wird. Grund ist die klare Rollenteilung zwischen Mann und Frau. Zu diesem Schluss kommt die Credit Suisse in einer aktuellen Immobilien-Studie.

Die Frau ist es denn auch, die häufig zuerst den Wunsch nach einem eigenen Haus äussert. Das ist vor allem bei jungen Familien mit Kindern der Fall.

Vorlieben der Frau zählen mehr

So sind es auch in mehr als der Hälfte der Fälle die Frauen, die sich aktiv auf die Suche nach einem geeigneten Wohnobjekt machen. Besichtigen sie das Haus zuerst allein, dann kommt ein Kauf häufiger vor, als wenn der Mann die Erstbesichtigung gemacht hat – auch wenn ihm das Objekt gefallen hat.

Die Vorlieben der Frau haben beim Entscheid offenbar mehr Gewicht. Laut Studie könnte das mit den funktionalen Ansprüchen derjenigen Person zu tun haben, die die Kinder betreut. «Dies ist typischerweise noch immer die Frau», schreibt die Credit Suisse.

Studie bestätigt Klischees

Die Studie bestätigt auch andere gängige Geschlechter-Klischees: Männer entscheiden sich für ein Haus etwa wegen der Garage, den Heizungen oder dem Internetanschluss. Auch der Preis oder die Bauqualität des Hauses spielt für Männer eine grosse Rolle. Die Frau hingegen interessiert sich kaum für technische Belange: Entscheidende Punkte sind Küche, Bad oder soziale Faktoren wie Nachbarn sowie die Nähe zum Kindergarten oder zur Schule. Bei den Männern sind Themen wie Kinder oder Nachbarn kaum relevant.

«Aufgrund der klaren Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern erstaunt es letztlich nicht, dass mehrheitlich die Frau massgebend ist beim Entscheid für oder gegen ein Wohnobjekt», kommt die Studie zum Schluss. Konkret: Bei mehr als jeder zweiten Wahl für ein bestimmtes Haus sind die Frauen die Entscheidungsträgerinnen. Die Männer geben nur bei rund jeder vierten Wahl den Ton an.

Kaufentscheid liegt bei der Frau

Das Bild bestätigt sich auch, wenn es schliesslich um den Kauf selber geht. So treffen die Frauen bei rund einem Drittel der Fälle die letzte Entscheidung und geben ihrem Finanzberater grünes Licht. Die Männer sind für ein Viertel der Kaufentscheide verantwortlich.

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Frau Sander*, warum sind es die Frauen, die beim Hauskauf entscheiden?

In der Schweiz gibt es nach wie vor eine sehr verbreitete Rollenteilung: Der Mann ist mehrheitlich für das Einkommen zuständig, während die Frau Teilzeit arbeitet, den Haushalt macht und sich um die Kinder kümmert. Daher liegen viele Entscheidungen im Alltag bei den Frauen. Allgemein treffen zu rund 80 Prozent die Frauen beim Konsum die Entscheidungen.

Ein Hauskauf ist aber keine Alltagsentscheidung.

Beim Hauskauf dürften auch praktische Gründe ausschlaggebend sein. Da die Frau häufig mehr Zeit mit den Kindern zu Hause verbringt und das Familienleben organisiert, weiss sie darüber Bescheid, was daheim gebraucht wird und was nicht. Es ist daher plausibel, dass die Frau beim Wohneigentum Entscheidungsgewalt hat.

Was bedeutet das für die Wirtschaft?

Viele Unternehmen sind sich zu wenig bewusst, dass Frauen mehrheitlich die Kaufentscheidungen treffen. Die Ansprechperson ist für sie noch immer vorwiegend der Mann. Doch selbst beim Kauf eines Autos entscheidet oft die Frau. Die Firmen nutzen dieses Potenzial nicht. Dieser Irrtum kostet die Wirtschaft viel Geld.

*Gudrun Sander ist Titularprofessorin für Betriebswirtschaftslehre an der Uni St. Gallen

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