Ärger nach Abdankung: «Beim Leichenmahl sprach man nur über Parkbussen»
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Ärger nach Abdankung«Beim Leichenmahl sprach man nur über Parkbussen»

Bei der Beerdigung eines verdienten Getränkehändlers in Herisau AR letzten Freitag wurden zahlreiche Trauergäste gebüsst. Sie hatten die Parkscheibe vergessen.

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taw
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Die Beerdigung fand am Freitag in der Kreuzkapelle in Herisau AR statt.

Die Beerdigung fand am Freitag in der Kreuzkapelle in Herisau AR statt.

Google Street View
Die Trauergäste haben ihre Autos korrekt auf den Parkplätzen abgestellt.

Die Trauergäste haben ihre Autos korrekt auf den Parkplätzen abgestellt.

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Allerdings haben einige das Anbringen der Parkscheibe vergessen.

Allerdings haben einige das Anbringen der Parkscheibe vergessen.

Gemeinde Herisau

«Wie unanständig herzlos muss man sein, indem man leidgeplagten Trauergästen aus nah und fern in einer solch eh schon schwie­rigen Situation noch 40 Franken abknöpft», heisst es am Dienstag in einem Leserbrief in der «Appenzeller Zeitung».

Am Freitag fand in der Kreuzkapelle in Herisau die Abdankung eines Herisauer Getränkehändlers statt. Eine böse Überraschung gab es nach der Beerdigung, als bei zahlreichen Autos eine Busse hing. «Beim anschliessenden Leichenmahl waren die Bussen das Hauptthema und nicht der Verstorbene», so der Leserbriefschreiber gegenüber 20 Minuten. Das könne es doch nicht sein.

«Als ich die Busse sah, dachte ich, ich spinne», so der Mann. Er sei sich aber von den Bussenverteilern in Herisau eigentlich nichts anderes gewohnt. «Ich weiss, dass das Recht nicht auf meiner Seite ist. Aber muss man denn wirklich so kleinlich sein?» Für ihn ist klar: «Das ist doch eine pietätlose Abzocke.» Immerhin seien die Autos nicht kreuz und quer parkiert worden, es wurde lediglich das Anbringen der Parkscheibe vergessen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Herisau in Zusammenhang mit Bussen in den Fokus gerät. Als im April 2017 bekannt wurde, dass in Herisau 2016 stolze 9087 Parkbussen ausgestellt wurden, 2000 mehr als im Vorjahr, äusserte Anick Volger, Präsident der SVP Appenzell Ausserrhoden, bereits den Verdacht der gezielten Abzocke.

Gemeinde hält an Vorgehen fest

Bei der Gemeinde verteidigt man das Vorgehen der Verkehrsangestellten, die die insgesamt elf Bussen zu je 40 Franken ausgestellt haben. «Die Parkplätze wurden in der Vergangenheit jeweils von Dauerparkierenden missbraucht. Deshalb hat der Gemeinderat vor rund einem Jahr eine Höchstparkdauer von drei Stunden festgelegt», so Benno Keel, Abteilungsleiter Volkswirtschaft. Auf die Erhebung einer Gebühr wurde verzichtet und eine Zone «Parkieren mit Parkscheibe» geschaffen.

«Wer die Parkscheibe vergisst, bekommt eine Busse», so Keel. Die rechtlichen Vorgaben erlauben keine Ausnahmen, auch während einer Beerdigung nicht. Da müsse man konsequent sein. «Wenn wir gar nichts machen, wird auch wieder reklamiert und wenn wir bei der einen Beerdigung Bussen ausstellen und bei der anderen nicht, wirft man uns vor, wir seien parteiisch.»

Wie ein Blick auf die Website der Gemeinde Herisau zeigt, sind die Bussen kein Einzelfall: «Leider übersahen seit der Einführung im Juli 2016 einige Friedhofsbesucher die entsprechende Signalisation, stellten die Parkscheibe nicht ein und erhielten deshalb Bussen», heisst es da. Es tue der Gemeinde leid und es sei auch nicht in ihrem Sinne, Friedhofsbesucher zu büssen. Dennoch tut man es.

Auch Polizei wäre nicht kulant

Nachsicht hätten die Trauergäste auch von der Polizei nicht erwarten können. «Wir müssen alle gleich behandeln», sagt Hanspeter Saxer, Mediensprecher der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden. Es gebe eben Vorschriften, daran ändere auch eine Beerdigung nichts. Und man könne ja auch nicht erwarten, dass derjenige, der die Bussen ausstellt, immer nachsehen geht, ob denn gerade eine Abdankung stattfindet.

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