05.04.2020 07:48

Corona-Pandemie

Beim Maskenkauf ist sich jeder selbst der Nächste

Kürzlich sollen für Deutschland und Frankreich bestimmte Schutzmasken in die USA umgeleitet worden sein. Doch auch in der Schweiz schnappt sich jeder, was er kriegen kann.

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Wegen der Corona-Pandemie schiesst die Nachfrage nach Hygiene- und Schutzmasken in die Höhe.

Wegen der Corona-Pandemie schiesst die Nachfrage nach Hygiene- und Schutzmasken in die Höhe.

AP/Ariana Cubillos
Das Material ist so heiss begehrt, dass jeder sich schnappt, was er kriegen kann.

Das Material ist so heiss begehrt, dass jeder sich schnappt, was er kriegen kann.

Keystone/Christian Beutler
Die USA sollen gar Grosslieferungen für Deutschland und Frankreich zu sich umgeleitet haben. Das Weisse Haus dementiert die Vorwürfe.

Die USA sollen gar Grosslieferungen für Deutschland und Frankreich zu sich umgeleitet haben. Das Weisse Haus dementiert die Vorwürfe.

AP/Patrick Semansky

Lieferungen von Schutzmasken aus China kamen nie an ihren Bestimmungsorten in Deutschland und Frankreich an. Stattdessen landeten sie in den USA. Berlins Innensenator Andreas Geisel bezeichnete es als «Akt der modernen Piraterie», das Weisse Haus dementiert die Vorwürfe. Doch wie sieht die Lage in der Schweiz aus?

Die «NZZ am Sonntag» zitiert eine Person aus dem Spitalwesen, die sagt, Spitäler und Kantone kauften «alles, was sie kaufen können». Ein Sprecher der Gesundheitsdirektorenkonferenz sagt gegenüber der Zeitung: «Beim Schutzmaterial setzen die Behörden seit Tagen alles daran, grösstmögliche Mengen zu beschaffen und die Produktion in der Schweiz auszubauen.»

Material ist nach wie vor knapp

Gemäss der «NZZ» hat die Armeeapotheke, die beim Bund für die Beschaffung von Masken zuständig ist, seit Ausbruch der Corona-Krise rund 17,5 Millionen Hygiene- und Atemschutzmasken an die Kantone herausgegeben. Der Bedarf ist jedoch «deutlich grösser», schätzt die Zeitung. Dies zeigten Massenbestellungen, unter anderem aus den Kantonen Zürich und Bern sowie der Handelskammer Schweiz.

Für eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit reicht der Vorrat zudem nicht. Die «NZZ» bezieht sich auf eine Studie der ETH, laut der dafür drei bis vier Millionen Masken pro Tag gebraucht würden. Bei den 13 Millionen Stück, die der Bund in Reserve halte, sei der Vorrat in fünf Tagen aufgebraucht.

Bundesrat will Bemühungen zentralisieren

Gleichzeitig versuchten zwielichtige Anbieter sich die Not zunutze zu machen, wie es weiter heisst. «Ich erhalte jeden Tag zehn bis zwanzig Angebote für Masken», sagt Ingrid Möll, Kantonsapothekerin von Appenzell Ausserrhoden der Zeitung. Die meisten seien aber bezüglich ihrer Qualität schwierig einzuschätzen oder nicht seriös.

Um diesem Alle-gegen-alle Einhalt zu gebieten, will der Bundesrat der Bundesverwaltung mehr Kompetenzen in der Versorgung mit wichtigen medizinischen Gütern geben. So wurde für das Material bereits eine Meldepflicht eingeführt.

Bringt Meldepflicht Beatmungsgeräte zum Vorschein?

Während es an Masken mangelt, könnten hunderte Beatmungsgeräte in der Schweiz ungenutzt herumstehen. Dies berichtet die «Sonntagszeitung». Wie viele es sind, wisse derzeit niemand. Mit der Meldepflicht könnte sich das aber ändern.

Bisher seien nur Beatmungsplätze jener Spitäler erfasst worden, die Covid-19-Patienten behandeln, sowie Geräte, die im Extremfall sämtliche Lungenfunktionen übernehmen. Nicht registriert seien Geräte im Besitz von Veterinär- und Schönheitskliniken oder von Anästhesie-Organisationen. Ein Unispital-Chirurg und ein Hersteller schätzen laut der Zeitung, dass sich die Anzahl der nicht eingesetzten Geräte auf etwa 300 beläuft.

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