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Doktor Sex«Beim Oralsex wird er aggressiv und dominant!»

Seit der Geburt des gemeinsamen Kindes zeigt sich Ruths Mann beim Sex egoistisch und im Alltag gereizt. Langsam hat sie genug von seinem Verhalten.

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Orale Spielformen finden manche Menschen beim Sex sehr erregend. (Symbolbild: Colourbox.de)

Orale Spielformen finden manche Menschen beim Sex sehr erregend. (Symbolbild: Colourbox.de)

Frage von Ruth (26) an Doktor Sex: Mein Mann und ich haben uns vor vier Jahren kennengelernt, vor zehn Monaten geheiratet und kurz danach ist unser Wunschkind zur Welt gekommen. Bis zum Zeitpunkt, als ich schwanger wurde, war unser Sexleben extrem erfüllend und abenteuerlich. Die sexuelle Anziehungskraft war enorm und wir waren sozusagen seelenverwandt. In der Schwangerschaft hatten wir dann kaum Sex, jedoch habe ich ihn fast täglich oral befriedigt. Seit der Geburt unseres Kindes will er immer noch orale Befriedigung. Er scheint diese Praktik sogar dem Geschlechtsverkehr vorzuziehen. Aber wenn ich ihm eins blase, ist er dabei ziemlich aggressiv. Er scheint diese Dominanz sogar zu geniessen. Ich fühle mich mehr benutzt als geliebt. Er kuschelt nicht mehr mit mir. Ich kriege auch keine Berührungen mehr. Er scheint mich nicht mehr zu «sehen» und auch nicht mehr zu lieben. Im Alltag reagiert er oft genervt und widerspricht mir in allem, was ich sage. Ich fühle mich nicht respektiert und weiss nicht mehr, wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll. Wenn ich ihn darauf anspreche, erwidert er, ich solle nicht solchen Unsinn fragen. Was soll ich tun?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Ruth

Der Übergang von der Zweierbeziehung zur Familie ist mit Herausforderungen verbunden. Eine davon ist, die Sexualität den sich laufend verändernden Umständen anzupassen. Für viele Paare ist dies nicht einfach. Während die Frauen meist intensiv mit den Umstellungen ihres Körpers und den damit zusammenhängenden psychischen Auswirkungen beschäftigt sind, bleibt für die Männer lange Zeit alles beim Alten. Zwar machen sie sich häufig viele Gedanken über die Zukunft, auf der körperlichen Ebene sind sie davon aber nicht betroffen. Umso schwieriger ist es für sie deshalb, sich in die Situation der Partnerin zu versetzen.

Was sich in der festgefahrenen Vorliebe deines Partners für Oralsex ausdrückt, ist in meinen Augen nicht primär ein sexuelles Problem. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass sich dein Mann noch nicht wirklich in der neuen Situation zurechtfindet. Sein Verhalten, seine Gereiztheit und auch die von dir beschriebenen Aggressionen, aber auch seine Tendenz, sich von dir zu isolieren, wecken bei mir die Vermutung, dass es in ihm drin brodelt. Jedoch scheint er sich dessen kaum bewusst zu sein. Oder dann ist er nicht in der Lage, sich seine Verunsicherung einzugestehen und mit dir darüber zu sprechen.

Manche Männer und Frauen haben ein ziemlich starres, mit Vorurteilen behaftetes und auf Halbwahrheiten basierendes Bild von Familie und von den Rollen, die ein Vater oder eine Mutter darin spielen. Meist orientieren sie sich einfach an dem, was sie diesbezüglich in ihrer Kindheit erlebt haben oder was sie von Menschen in ihrem Umfeld gehört oder in den Medien gelesen haben. Dabei geht aber vergessen, dass sie letztlich die Freiheit haben, diese Rollen weitgehend selber zu bestimmen.

Ich finde, du solltest dich von deinem Partner nicht länger auf Distanz halten lassen, sondern genau das aussprechen, was du in deiner Frage an mich formuliert hast. Sag deinem Mann, was du dir wünschst und lasse ihn wissen, dass du nicht länger bereit bist, in diesem für dich gereizten und lieblosen Klima zu leben. Zeige ihm aber auch, dass du Verständnis hast für ihn und dass du bereit bist, dich mit ihm und seinen Unsicherheiten und Ängsten in Bezug auf die noch junge Familie auseinanderzusetzen.

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