Winterthur: «Beim Projekt ist der Wurm drin - und es bleibt so»

Aktualisiert

Winterthur«Beim Projekt ist der Wurm drin - und es bleibt so»

Die Stadt Wil steigt beim umstrittenen Vergärwerk Biorender aus. Die Winterthurer, die erst am Sonntag an der Urne Ja zur Rettung des Projekts sagten, fühlen sich verschaukelt.

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sda/rom
Das Vergärwerk Biorender im thurgauischen Münchwilen.

Das Vergärwerk Biorender im thurgauischen Münchwilen.

Die Schlagzeilen rund um die Biorender AG, die in Münchwilen TG als Pionierin Fleischabfälle vergärt, reissen nicht ab. Nachdem Winterthur am Sonntag mit fast 57 Prozent Ja-Stimmen zwar weitere Subventionen zur Rettung genehmigt hat, kam am Montag aus Wil SG der Dämpfer: Der Stadtrat will seine Aktien verkaufen und aus dem Projekt aussteigen. Er hatte dies bereits am 6. November entschieden – gab es aber erst gestern bekannt, um die Winterthurer Abstimmung nicht zu beeinflussen.

Das ärgert Winterthurer Biorender-Gegner: «Im Projekt ist der Wurm drin – und leider geht es weiter so», sagt FDP-Fraktionspräsident Markus Wenger. «Schade, wäre der Wiler Entscheid vorher bekannt geworden, hätten wohl einige Stimmbürger anders entschieden.»

Dies sieht Markus Sägesser, VR-Präsident der Biorender AG und Stadtwerk-Winterthur-Chef, anders: «Es hätte vermutlich trotzdem ein Ja gegeben.» Er sei über den Wiler Ausstieg enttäuscht. «Überrascht sind wir aber nicht, denn es zeichnete sich ja seit Längerem ab.»

Betrieb noch zwei Jahre gesichert

Unverständnis löst der Rückzug derweil in St. Gallen aus: «Man kann nicht einfach davonlaufen, wenn es schwierig wird», so Stadtrat Fredy Brunner. Vertraglich ist Wil ohnehin noch an Biorender gebunden. Zudem steht laut Sägesser niemand für die Aktien Schlange: «Für die nächsten zwei Jahre ist der Betrieb von Biorender jedenfalls gesichert.»

Die Vergärungsanlage hat seit ihrer Inbetriebnahme 2011 technische Probleme und erzeugt zu wenig Biogas. Deswegen geriet die Firma in finanzielle Schieflage. An dieser sind Winterthur, Wil und St. Gallen mit je 24,59 Prozent beteiligt. Kleinere Anteile halten Schaffhausen, Flawil SG, Uzwil SG sowie Private.

«Kein Kommentar»

Der zuständige Winterthurer Stadtrat Matthias Gfeller (Grüne) wollte den Wiler Rückzieher am Montag auf Anfrage nicht kommentieren. Man werde sich an der nächsten Stadtratssitzung am Mittwoch damit befassen.

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