Beim Schweizer Erzrivalen gibt eine Frau auf der Spielerbank den Ton an
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Trainerin Jessica CampbellBeim Schweizer Erzrivalen gibt eine Frau auf der Spielerbank den Ton an

Jessica Campbell ist Assistenz-Trainerin beim deutschen Eishockey-Nationalteam. Die 29-jährige Kanadierin ist an der Hockey-WM für den Feinschliff beim Schlittschuhlaufen zuständig. 

von
Adrian Hunziker
(aus Helsinki)
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Die kanadische Assistenz-Trainerin Jessica Campbell gibt auf der deutschen Spielerbank Anweisungen. 

Die kanadische Assistenz-Trainerin Jessica Campbell gibt auf der deutschen Spielerbank Anweisungen. 

AFP
Die 29-Jährige ist «Skills Development Coach». Das bedeutet, sie spezialisiert sich aufs Schlittschuhlaufen und auf Special Teams.

Die 29-Jährige ist «Skills Development Coach». Das bedeutet, sie spezialisiert sich aufs Schlittschuhlaufen und auf Special Teams.

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Cheftrainer Toni Söderholm (l.) lobt seine Assistentin und sagt: «Sie arbeitet akribisch, schaut auf Details, kommuniziert gut.»

Cheftrainer Toni Söderholm (l.) lobt seine Assistentin und sagt: «Sie arbeitet akribisch, schaut auf Details, kommuniziert gut.»

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Darum gehts

Erstmals in der Geschichte der Eishockey-WM der Männer steht eine Frau an der Bande eines Nationalteams. Die ehemalige kanadische Nationalspielerin Jessica Campbell unterstützt den deutschen Trainer Toni Söderholm. Der Finne sagt über seine Assistentin: «Sie arbeitet akribisch, schaut auf Details, kommuniziert gut. Wir haben beide das Interesse, dass das Team möglichst gut spielt.» Und Campbell erhält sogleich weiteres Lob vom 44-Jährigen: «Sie ist direkter als ich, bringt die Dinge auf den Punkt – etwas besser als ich.»

Doch was ist denn genau die Aufgabe von Campbell? Offiziell ist sie «Skills Development Coach». Das bedeutet, sie spezialisiert sich aufs Schlittschuhlaufen und auf Special Teams (also das Spiel in Über- respektive Unterzahl). «Ich bin die Unterstützung des Coaching Teams, ich gebe andere Perspektiven, Ideen, Wissen weiter», erklärt es Campbell selber. Sie hat eine andere Ansicht des Spiels, ihr Fokus liegt auf Puck-Besitz. «Ich versuche, andere Wege als Toni vorzuschlagen, um dieselben Ziele zu erreichen.»

Von den Spielern mit offenen Armen empfangen

Um Campbell herrscht in Helsinki grosse Aufregung. Sie sagt: «Es ist gut für das Spiel, dass es so viel Rummel gibt um mich. Aber ich bin hier um zu coachen.» Dass sie fast ausschliesslich darauf angesprochen wird, dass sie als Frau eine Ausnahme in der Männerdomäne Eishockey darstellt, macht Campbell nichts aus. Sie gibt folgende Erklärung dazu ab: «Mein Ziel war es immer, auf höchster Stufe zu coachen. Es ging nicht darum, ob bei Frauen und Männern, ich wollte einfach mit den Profis arbeiten. Bei den Männern einzusteigen, hat mich gereizt, nicht wegen der Challenge, sondern weil ich eine einzigartige Perspektive mitbringe.»

Sie will vor allem ihren Job richtig gut machen, so gut, wie sie es kann. Als sie gefragt wird, ob sie mit ihrer Aufgabe Grenzen sprengen wolle, entgegnet sie: «Mein Fokus liegt nicht darauf, dass ich eine Vorreiterrolle einnehme. Wenn ich anderen aber dabei helfe, weiterzukommen, ist das grossartig. Ich bin stolz, hier zu sein und zu zeigen, dass egal wie oder wer man ist, man die Möglichkeit bekommt, zu zeigen, wie man erfolgreich sein kann.» Ausserdem sei sie von allen Spielern mit offenen Armen empfangen worden, sie sehe keine Barrieren zwischen sich, so Campbell weiter. 

Spezielles Duell gegen Kanada

Mit dem deutschen Team traf Campbell an dieser WM gleich im ersten Spiel auf Kanada, ihr Heimatland – die Ahornblätter setzten sich 5:3 durch. Das sei ein spezielles Gefühl gewesen, sagt sie. «Ich wurde richtig nostalgisch, auf der anderen Seite zu stehen. Ich habe mit einigen kanadischen Spielern in der Off-Season gearbeitet. Für sie war es auch speziell, mich auf der anderen Seite zu sehen.» Die kanadischen Spieler und Offiziellen haben sie aber stets unterstützt und haben auch Kontakt zu ihr aufgenommen, das habe ihr viel bedeutet. 

Für Campbell gestaltete sich der Weg von der Spielerin zum Coach schnell, sehr schnell. «Ich wurde gleich nach meiner Aktivkarriere Trainer. Ich liebte es, die Jungen zu trainieren. Ich dachte aber nie, dass ich ein Full-Time-Coach werde», gibt sie zu. Sie sei Söderholm sehr dankbar für die Möglichkeit, an der WM zu sein. Bisher scheint die Zusammenarbeit zwischen Campbell, Söderholm und den Spielern gut zu klappen, Deutschland steht definitiv im Viertelfinal. Im letzten Gruppenspiel treffen die Deutschen am Dienstag (ab 11.20 Uhr live bei uns im Ticker) auf die Schweizer Nati. Sollte dann Campbell nicht allzu viel Einfluss auf das Spiel haben, wären die Schweizer Fans sicher nicht unglücklich. Denn eine Niederlage gegen den Erzrivalen tut immer weh.   

Der Schweizer WM-Spielplan

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