Aktualisiert 11.02.2015 09:51

Dominique Strauss-Kahn

«Beim Sex geht es oft um Macht und Unterwerfung»

Im Prozess wegen schwerer Zuhälterei bestreitet DSK die Vorwürfe. Hätte er gewusst, dass es sich um Prostituierte handelt, hätte er «aufgehört, an diesen Veranstaltungen teilzunehmen».

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Dominique Strauss-Kahn verlässt am 16. Februar das Gerichtsgebäude.

Dominique Strauss-Kahn verlässt am 16. Februar das Gerichtsgebäude.

Keystone/AP/Michel Spingler
Gute Laune? Dominique Strauss-Kahn sagt am 12. Februar 2015 zum dritten Mal im Zuhälterei-Prozess aus.

Gute Laune? Dominique Strauss-Kahn sagt am 12. Februar 2015 zum dritten Mal im Zuhälterei-Prozess aus.

Keystone/AP/Michel Spingler
Es ging um 37 SMS, die der ehemalige IWF-Chef mit anderen Angeklagten zwischen Juni 2009 und Ende 2010 ausgetauscht hatte. Ausserdem musste er sich wegen einer «Junggesellenwohnung» in Paris rechtfertigen.

Es ging um 37 SMS, die der ehemalige IWF-Chef mit anderen Angeklagten zwischen Juni 2009 und Ende 2010 ausgetauscht hatte. Ausserdem musste er sich wegen einer «Junggesellenwohnung» in Paris rechtfertigen.

Keystone/AP/Michel Spingler

Am Dienstag sagte Dominique Strauss-Kahn erstmals vor Gericht im nordfranzösischen Lille aus. «Ich sehe mich in keinster Weise als Organisator dieser Abende», meinte er mit Blick auf die Sexpartys. Der 65-Jährige blieb auch dabei, dass er nicht wusste, dass die Frauen Prostituierte waren.

Er ging in seiner Aussage sogar noch weiter: Prostituierte seien nicht sein Geschmack und entsprächen auch nicht seiner Vorstellung von sexuellen Beziehungen, machte Strauss-Kahn deutlich. «Ich mag keine Prostituierten. Ich mag, wenn gefeiert wird.» Er sei nur «Gast» bei den Partys gewesen. Und: «Wenn ich gewusst hätte, dass meine Kollegen für die Frauen bezahlen, dann hätte ich ihnen gesagt, dass sie einen groben Fehler machen.»

«Weder Verbrechen noch Vergehen»

Der einstige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), der bis zu seinem Rücktritt wegen Vergewaltigungsvorwürfen in den USA im Mai 2011 als einer der mächtigsten Männer der Welt galt, hob nun vor Gericht hervor: «Ich hatte nicht die Zeit, irgendeinen Abend zu organisieren.» Diese Rolle habe sein Kollege Fabrice Paszkowski übernommen.

DSK wies auch den Eindruck regelrechter Sexorgien zurück: «Es hat diese zügellose Aktivität nicht gegeben.» Es sei lediglich um vier Treffen pro Jahr gegangen. Bereits vor seiner ersten ausführlichen Befragung zu den Vorwürfen in dem Prozess hatte er klargestellt: «Ich habe weder ein Verbrechen noch ein Vergehen begangen.»

Die Situation berschreibt er eher als «Abende, an denen sich Männer und Frauen treffen, um Sex zu haben».

Entlastung und schwere Vorwürfe

Eine gewisse Unterstützung erhielt Strauss-Kahn durch die Aussage einer früheren Prostituierten. Bei einem Treffen mit DSK seien Geld oder ihr Beruf als Prostituierte nicht erwähnt worden, sagte die Frau namens Mounia aus.

Sie erhob zugleich aber schwere Vorwürfe gegen Strauss-Kahn. Unter Tränen berichtete sie über einen der Abende in einem schicken Pariser Hotel mit Strauss-Kahn. Sie sei zu brutalen Sexpraktiken gezwungen worden: «Ich habe geweint, ich hatte Schmerzen.» Sie habe aber weitergemacht, weil sie das Geld gebraucht habe.

DSK widersprach Mounias Aussage: Er habe nicht bemerkt, dass die Frau geweint habe. «Beim Sex geht es oft um Macht und Unterwerfung. Aber wenn es nein heisst, dann ist es nein.»

Dann nahm Fabrice Paszkowski seinen Kollegen in Schutz. «DSK durfte nicht wissen, dass die Prostituierten für ihre Dienstleistungen bezahlt wurden. Ich habe den Frauen befohlen, das Thema vor Strauss-Kahn nicht zu erwähnen.»

Staatsanwaltschaft lässt DSK in Ruhe

Besonders auffallend während der Verhandlung: Die Anklage hat DSK keine einzige Frage zu den Sex-Treffen gestellt. Dafür zeigte sich Staatsanwalt Frédéric Fèvre hart gegen den Mitangeklagten Jean-Christophe Lagarde.

Der ehemalige stellvertretender Leiter der Polizei für das gesamte Département Nord steht im Verdacht, mit dem vorbestraften Zuhälter Dodo La Saumure kooperiert zu haben. Dass die Frauen Prostituierte waren, wollte der Polizist aber nie bemerkt haben. «Wenn Sie das nie gewundert hat, dann haben Sie auch Ihre Arbeit als Polizist falsch verstanden», meinte Fèvre.

Strauss-Kahn wird in dem Prozess gegen insgesamt 14 Angeklagte in Lille vorgeworfen, zwischen März 2008 und Oktober 2011 der Prostitution von sieben Frauen «Vorschub geleistet» zu haben, indem er ausschweifende Sexpartys unter anderem in Paris und Washington mitorganisierte.

Die gesamte Verhandlung können Sie im Live-Ticker nachlesen.

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