Aktualisiert 04.06.2015 06:31

Therapeuten freut's

Beim Sex gibt's im Silicon Valley keine Höhepunkte

Software-Entwickler, die noch nie Sex hatten. Oder Eheleute, deren Sexleben aus Quickies besteht: Sex-Therapeuten haben im Silicon Valley jede Menge zu tun.

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Die Ausnahme im unerotischen Silicon Valley? Facebook-Chef Mark Zuckerberg mit seiner Frau Priscilla Chang.

Die Ausnahme im unerotischen Silicon Valley? Facebook-Chef Mark Zuckerberg mit seiner Frau Priscilla Chang.

Der Software-Entwickler Dan* ist 40 Jahre und verdient gut. Er besitzt ein riesiges Haus unweit des kalifornischen Silicon Valley. Glücklich ist Dan trotz seines beruflichen Erfolgs aber nicht – denn er war noch nie mit einer Frau zusammen. Darum besucht Dan einmal pro Woche eine Sex-Therapeutin. Er ist kein Einzelfall.

Laut eines Berichts des Onlineportals «Vocativ» haben viele der kreativsten Köpfe im Silicon Valley ein großes Problem: Sie haben kein Sexleben oder sind damit unzufrieden. Sie leben in einer Welt von Software-Codes und Kommandozeilen. Wenn es aber darauf ankommt, mit einer Frau zu interagieren, sind sie hilflos.

Sie will nur Quickies

«Diese Männer verbringen sehr viel Zeit in einer reinen Männerwelt. Sie haben keine Ahnung, wie es ist, eine Frau zu treffen und sie zu verführen», sagt Therapeutin Celeste Hirschman.

Anderen Techies falle es schwer, nach der Arbeit abzuschalten. Psychotherapeutin Vanessa Marin: «Ob in einer Beziehung oder nicht: Männer, die den ganzen Tag Code-Zeilen schreiben, haben oft Mühe, mit Emotionen und Gefühlen umzugehen.»

Die schlimmsten – respektive sexlosesten – Fälle seien jene, in denen beide Ehepartner eine Kaderposition in einem großen Software-Unternehmen besetzen: «So ist ein Paar zu mir gekommen, dessen Sexleben nur aus Quickies besteht – weil die Frau den Sex schnell hinter sich bringen will, um weiterarbeiten zu können», so Hirschman.

Therapien mit Körperkontakt helfen

Software-Entwickler seien heutzutage mit Bankern zu vergleichen, sagt Sex-Therapeut Ian Kerner. Der Stress am Arbeitsplatz führe dazu, dass viele von ihnen keine Langzeit-Beziehung eingehen, sondern über Apps den Kontakt zu gelegentlichen Sex-Bekanntschaften suchen – und auch vorziehen.»

Zudem hätten solche Männer nicht selten Angst, dass potenzielle Partnerinnen sich nicht für sie, sondern nur für ihre millionenschweren Häuser interessierten: «Diese Männer können kaum glauben, dass eine Frau auf sie steht, denn meistens waren sie ihr Leben lang Außenseiter», erklärt Therapeutin Elizabeth McGrath.

In regelmäßigen Sitzungen versucht Sextherapeutin McGrath Dan und seinen Leidensgenossen beizubringen, sich auf Frauen einzulassen und sich mit ihnen wirklich auszutauschen. Therapeutin Celeste Hirschman tut dies auch, aber sie bevorzugt die radikalere Methode «Somatica». Dabei sollen die Kunden durch den Körperkontakt mit der Therapeutin – der Genitalbereich ist Tabu – lernen, Frauen zu berühren. «Einige Dinge können einfach nicht mit Worten erklärt werden», meint Hirschman. Hilft das nicht, dann ringt sie ihre Klienten nieder. «Sie müssen raus aus ihren Köpfen und endlich ihre Körper spüren.»

* Dan ist bei Therapeutin Elizabeth McGrath in Behandlung. Den echten Namen ihres Klienten verrät McGrath nicht.

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