Publiziert

Doktor Sex«Beim Sex herrscht ein Ungleichgewicht!»

Weil Mika und seine Freundin unterschiedlich oft Lust haben, stellen sich bei ihm sexuelle Fantasien ein. Diese machen ihm Sorgen.

von
wer
Die Bilder, die in sexuellen Fantasien auftauchen, orientieren sich nicht an moralischen Vorstellungen. (Szene aus «Teeth», Roadside Attractions)

Die Bilder, die in sexuellen Fantasien auftauchen, orientieren sich nicht an moralischen Vorstellungen. (Szene aus «Teeth», Roadside Attractions)

Frage von Mika (23) an Doktor Sex: Ich bin seit mehr als einem Jahr in einer Beziehung mit meiner Freundin. Schon von Beginn weg habe ich gemerkt, dass beim Sex ein Ungleichgewicht herrscht. Sie hat einfach nicht das gleiche Verlangen danach. Dazu muss ich noch sagen, dass sie es trotzdem jedes Mal in vollen Zügen geniesst, wenn wir Sex haben – genauso wie ich auch. Aber mittlerweile bin ich so weit, dass ich Fantasien mit anderen Frauen habe. Das macht mir echt Sorgen! Hast du Tipps für mich, wie ich damit umgehen soll?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Mika

Alle Menschen haben Fantasien – auch sexuelle. Darüber musst du dich also nicht sorgen – im Gegenteil: Du darfst die Filme in deinem Kopfkino ruhig geniessen. Erstens kosten die Veranstaltungen dort keinen Eintritt und zweitens wird durch diese Fantasien die Beziehung zu deiner Freundin nicht beeinträchtigt. Sei dir dabei einfach bewusst, dass es einen Unterschied gibt zwischen diesen inneren Bildern und der gelebten Realität. Oder anders: Nicht jede Fantasie entspricht einem Wunsch, den es umzusetzen gilt.

Wichtig scheint mir, dass du deine sexuellen Tagträume nicht so direkt mit den unterschiedlichen Bedürfnissen von dir und deiner Freundin in Verbindung bringst. Denn auch wenn ihr bezüglich Häufigkeit der sexuellen Interaktionen genau gleich ticken würdet, hättest du mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Fantasien. Einfach weil dein Geist fortlaufend irgendwelche Bilder produziert – unabhängig davon, welche moralischen Werte du oder die Gesellschaft haben.

Damit, dass deine Freundin grundsätzlich etwas weniger Lust hat als du, musst du dich wohl abfinden. Möglicherweise ist es aber auch so, dass es nicht so sehr die Lust an sich als vielmehr die ganz spezifischen Bedürfnisse bezüglich Sex sind, die euch unterscheiden. Manchmal geht in einer Beziehung vergessen, dass man auf sehr viele verschiedene Arten Sex haben kann. Mit der Zeit setzt sich so etwas wie ein Standardprogramm durch, das nicht mehr hinterfragt wird. Mit der Folge, dass einer der beteiligten Partner sich damit nicht wohl fühlt – und sich innerlich zurückzieht.

Ich weiss nicht, ob dies auch bei deiner Freundin der Fall ist. Aber fragen solltest du sie auf jeden Fall mal. Gut möglich dass sie Wünsche oder gar selber Fantasien hegt, die sie dir bisher nicht mitgeteilt hat. Eine Möglichkeit, um darüber ins Gespräch zu kommen wäre, deiner Freundin davon zu erzählen, dass in deinem Kopf manchmal sexuelle Gedanken herumgeistern. Und danach könntest du sie fragen, ob sie das auch schon erlebt hat. Mit etwas gutem Willen und Kreativität kann daraus ein Gespräch über die Sexualität in eurer Beziehung entstehen.

Ohne ein Geschlechterrollenklischee bedienen zu wollen: In meinen Beratungen mache ich immer wieder die Erfahrung, dass es für manche Frauen viel wichtiger ist, einfach zu schmusen und sich körperlich nah zu sein, als Geschlechtsverkehr und einen Orgasmus zu haben. Manche Männer hingegen denken oft schon vor dem ersten Kuss nur noch ans Bumsen. Ich vermute, dass es auch bei euch gewisse Tendenzen in die eine oder andere Richtung gibt.

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

Hast auch du eine Frage an Doktor Sex?

per Mail an doktor.sex@20minuten.ch schicken . Antworten, die auch für andere LeserInnen von Interesse sein könnten, werden dreimal wöchentlich in dieser Rubrik veröffentlicht. Aus Gründen des Datenschutzes werden die Namen und die Altersangaben von der Redaktion abgeändert. Wir bitten um Verständnis, dass nicht jede Frage beantwortet werden kann.

Deine Meinung