Made in USA: Beim Silicon Valley gibt es wieder richtige Fabriken
Aktualisiert

Made in USABeim Silicon Valley gibt es wieder richtige Fabriken

Eigentlich geht es im Silicon Valley um Virtuelles. Doch zeigt sich in Nordkalifornien ein neuer Trend: Die Rückkehr zur industriellen Produktion im eigenen Land.

von
Martha Mendoza
AP
Vor ein paar Jahren waren es zehn Leute in einem düsteren Büro und einer Produktionshalle. Heute beschäftigt Tesla 3000 Mitarbeiter und produziert 400 Elektroflitzer pro Woche, Tendenz steigend.

Vor ein paar Jahren waren es zehn Leute in einem düsteren Büro und einer Produktionshalle. Heute beschäftigt Tesla 3000 Mitarbeiter und produziert 400 Elektroflitzer pro Woche, Tendenz steigend.

Arbeiter schleppen Aluminiumteile von einer grossen Rolle durch die Hintertür einer belebten Fabrik. Aus dem Metall werden Karosserien geformt, gepresst und gebogen für elektrisch angetriebene Hightech-Autos. Für umgerechnet 46 000 Euro pro Stück suchen sie Käufer auf dem amerikanischen Markt.

Am anderen Ende der Strasse werden Solarzellen unter Glas montiert, die kistenweise nach Europa exportiert werden. Überall brummt es hier, von Industrierobotern bis zu Mikroprozessoren wird hier alles Mögliche hergestellt.

Echte Fabriken

Fremont in Kalifornien ist eine unscheinbare Vorstadt mit 217.000 Einwohnern im Grossraum von Oakland und San Francisco, nahe dem Hochtechnologiestandort Silicon Valley. Doch passiert hier etwas, was selten geworden ist in den USA: Es wird produziert. In echten Fabriken.

Tesla Motors sitzt hier, sie stellen die innovativen Elektroautos mit dem sportlichen Image her. Auch Solaria liess sich von einer fünfjährigen Gewerbesteuerbefreiung der Gemeinde anlocken und baut jetzt hier Solarpaneele. Die Verwaltung von Fremont ist schlank und effektiv, die Nähe zum Silicon Valley attraktiv, und qualifizierte Arbeitskräfte gibt es auch.

Auslagerung ging schief

Vor sieben Jahren entschied sich auch Sanjiv Malhorta, hier seine Firma Oorja Protonics anzusiedeln. Vergangenes Jahr hat er seine Belegschaft auf 35 Mitarbeiter ausgebaut, die Brennstoffzellen zusammenschrauben. Malhorta zahlt umgerechnet zwischen 10,80 und 14 Euro die Stunde und lässt jeden Arbeitsschritt in seiner Fabrik ausführen. Eine Auslagerung von Teilen der Produktion ging schief: «Wir haben eine Zeitlang in China produzieren lassen, aber das hat sich gerächt», sagt er. «Zuerst haben wir Geld gespart, aber die Qualitätsmängel haben uns doppelt Geld gekostet.»

Parminder Dhaliwal stammt aus Indien und kam vor drei Jahren nach Fremont, wo er bei Sonic Manufacturing in der Produktion von Leiterplatten arbeitet. Viele der gedruckten Schaltungen werden für Abnehmer im nahen Silicon Valley hergestellt, und die Kunden schätzen die Möglichkeit, mal vorbeizukommen und sich die Leiterplattenfabrik anzuschauen, wie er erzählt.

Multikulturell

Die multikulturelle Einwohnerstruktur ist einzigartig in Kalifornien: Die Hälfte der Einwohner Fremonts stammt aus Asien, jeder Siebte hat lateinamerikanische Wurzeln. «Die Leute kommen von überall her wegen der Jobs», sagt Dhaliwal. «Fremont ist ein Schmelztiegel aus dem Bilderbuch. Das fühlt sich hier wirklich an wie das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.»

Bei einem Besuch lobte der Kongressabgeordnete Mike Honda kürzlich Firmen wie Apple, Google und Intel für ihre weltverändernden Innovationen, kritisierte die industriellen Schwergewichte aber gleichzeitig dafür, dass sie nicht in den USA produzieren. «Wir können nicht zulassen, dass die nächste Generation von Schlüsseltechnologien nicht in unserem eigenen Land hergestellt werden», mahnte Honda.

Industrielle Tradition

Einer Umfrage zufolge produzieren gerade noch 20 Prozent der Silicon-Valley-Firmen vor Ort. Kein Wunder: Kalifornien ist einer der wenigen US-Bundesstaaten, die noch Steuern auf Produktionsmittel erheben. «Um Firmenansiedlungen und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu erleichtern, muss der Bundesstaat diese Steuerpraxis ändern», fordert Dennis Cima vom Industrieverband Silicon Valley.

In Fremont hat man die Zeichen der Zeit am Ende der Rezession erkannt: Die Stadt hat industrielle Tradition - vor 50 Jahren siedelte sich hier eine Fabrik des Autoriesen General Motors an. Die machte zwar 1982 wieder zu, aber zwei Jahre später liess Toyota hier für den US-Markt produzieren. Als die Japaner den Standort vor drei Jahren auf dem Höhepunkt der Rezession aufgaben, landeten 4600 Arbeiter auf der Strasse, hochqualifizierte Autoleute. Die haben jetzt fast alle einen Job bei Tesla, dem Elektroautofabrikanten.

Von zehn auf 3000 Mitarbeiter

Fremont liegt verkehrsgünstig zwischen zwei wichtigen Autobahnen, der Industriehafen Oakland ist nur 20 Kilometer entfernt und die Stadt investiert in eine Regionalbahn, die Fremont mit dem Grossraum San Francisco und Oakland verbinden soll.

Gilbert Passin, als Vorstand bei Tesla für die Produktion verantwortlich, erzählt von den Anfängen seiner Firma. Vor ein paar Jahren «waren es zehn Leute in einem düsteren Büro und einer Produktionshalle». Heute beschäftigt Tesla 3000 Mitarbeiter und produziert 400 Elektroflitzer pro Woche, Tendenz steigend. Passin sagt: «Das ist ein echtes Spitzenerzeugnis, und wir sind stolz darauf, es hier in Fremont herzustellen».

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