Gut zu wissen: Beim Smartphone-Notruf hilft nur die 112
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Gut zu wissenBeim Smartphone-Notruf hilft nur die 112

Kein Anschluss unter 117, 118 oder 144: Wer mit einem PIN-geschützten Handy in der Schweiz die Retter rufen will, kommt nur mit der internationalen Notrufnummer 112 durch.

Die Notruf-Funktion eines verriegelten Geräts funktioniert nicht mit der 144, der traditionellen Schweizer Notrufummer für die Sanität.

Die Notruf-Funktion eines verriegelten Geräts funktioniert nicht mit der 144, der traditionellen Schweizer Notrufummer für die Sanität.

Stellen Sie sich einen schweren Autounfall vor. Das einzige Mobiltelefon, das zur Verfügung steht, ist das iPhone eines Bewusstlosen. Selbst wenn das Apple-Gerät mit einer Code-Sperre vor fremden Zugriffen geschützt ist, sollte man damit die Retter rufen können. Um die Notruf-Funktion zu nützen, muss man lediglich die dreistellige Notrufnummer eintippen und das grüne Telefon-Symbol drücken. Daraufhin wird man innert Sekunden mit der Notrufzentrale verbunden.

So weit die Theorie. Doch in der Praxis droht eine böse Überraschung. Was vielen iPhone-Besitzern nicht bekannt sein dürfte: Die Notruf-Funktion eines gesperrten Geräts akzeptiert keine der traditionellen Schweizer Notrufnummern. Das gilt auch für die Smartphones anderer Hersteller. Weder die 117 für die Polizei, die 118 für die Feuerwehr oder die 144 für die Rettungssanität führen zum Ziel, die Verbindung wird nach dem Wählen verweigert.

Internationaler Notruf funktioniert

Dafür funktioniert die 112, das ist die international gültige Notrufnummer. Und auch die 911, bekannt aus vielen amerikanischen Fernsehserien, führt zum Ziel. Beim Probeanruf aus dem Raum Zürich werden wir mit der Zentrale der Stadtpolizei verbunden.

Verkehrsunfälle und andere Notsituationen bedeuten brutalen Stress. Ob man in einer solchen Situation die Geistesgegenwart besitzt, die 112 oder 911 zu wählen, ist fraglich. Falls man das Gerät nicht mit dem PIN-Code, respektive Passwort, entsperren kann, bleibt einem aber keine andere Wahl.

Kein neues Problem

Seit Jahren laufen in der Schweiz die Bemühungen um eine Vereinheitlichung der Notfallnummern. In einigen Kantonen gibt es noch separate Notrufzentralen für Sanität, Feuerwehr und Polizei, was eine Zusammenlegung der Telefonnummern erschwert.

Was die Smartphones betrifft, ist die Vereinheitlichung schon da. Stellvertretend für die Schweizer Mobilfunkbetreiber erklärt Swisscom-Sprecher Olaf Schulze: «Die Notrufe auf 112 (internationaler Notruf) und 911 (US-Notrufnummer) werden durch eine Gerätefunktion ausgelöst und sind auch verfügbar, wenn der Kunde den Geräte-PIN bzw. das Passwort vergessen hat.» Dazu müsse ein Vertrag mit einem Mobilfunkanbieter bestehen und eine gültige SIM-Karte im Gerät eingesetzt sein.

Die Schweizer Notrufnummern 117, 118 und 144 seien nationale Nummern und würden nicht über eine Gerätefunktion angewählt, erklärt der Swisscom-Sprecher. Es handle sich um normale Anrufe, die der Nutzer auslöse. «Der Kunde muss also nicht nur eine gültige und aktivierte SIM-Karte bzw. einen Vertrag mit einem Mobilfunkanbieter besitzen, er muss auch seinen Geräte-PIN/-Passwort kennen, wenn er diesen aktiviert hat.» Notrufe auf diese Nummern werden auch ausgelöst, wenn die SIM-Karte vom Mobilfunkanbieter gesperrt wurde, etwa aufgrund von unbezahlten Rechnungen.

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