Aktualisiert 12.03.2011 22:53

Japan

Beim Super-GAU entscheidet das Wetter

Eine allfällige radioaktive Wolke könnte weiter über Japan hinaus zur Bedrohung werden. Allerdings nicht für Europa, sagt ein Meteorologe.

von
Philipp Heinz, AP

Bei einem möglichen Super-GAU in Japan würde das Wetter eine entscheidende Rolle spielen. Der schlimmste anzunehmende Fall wäre, wenn eine radioaktive Wolke in Richtung der nur 250 Kilometer entfernten Metropole Tokio getrieben und dort niederregnen würde, sagte am Samstag Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach im dapd-Interview.

Vergleichsweise am besten wäre es noch, wenn die strahlenden Partikel aufs offene Meer getrieben würden und sich dort weiträumig verteilten. Bei der Verteilung des Staubs aus dem beschädigten Reaktor käme es sehr darauf an, wie hoch die strahlenden Stoffe steigen. Denn in unterschiedlichen Höhen weht der Wind in verschiedene Richtungen. «Das ist immer eine Frage des Details», sagt Lux.

Explosion im Atomkraftwerk

Eine Explosion könnte die Partikel in grössere Höhen schleudern, von wo aus sie viele Hundert Kilometer weit getragen werden könnten. Bei der Katastrophe von Tschernobyl habe sich zum Beispiel durch die Freisetzung von sehr viel Staub in sehr kurzer Zeit eine Wolke gebildet, die dann bis nach Skandinavien ziehen konnte.

Explosion im Atomkraftwerk

Je höher die Stoffe steigen, desto grösser aber auch sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich verteilen und verdünnt werden. Die Stärke der Strahlung würde also abnehmen, sagte Lux. Falls Stoffe kontinuierlich entwichen, etwa durch ein gezieltes Ablassen von Druck aus dem Reaktor, dann würde sich nicht so schnell eine Wolke bilden.

«Ich dachte, ich würde sterben»

Für Europa besteht laut Lux selbst im Falle eines Super-GAUs in Japan keine direkte Gefahr. «Ich kann für uns Entwarnung geben», sagt der Meteorologe. Die Partikel bräuchten Tage, um nach Europa zu gelangen, wahrscheinlich würde nicht mal ein Staubkorn nach Deutschland geweht werden.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.