Sian Green-Lord: Beinprothese von Model aus inklusiver Kampagne retuschiert

Die Beinprothese von Model Sian Green-Lord wurde aus einer Kampagne rausretuschiert.

Die Beinprothese von Model Sian Green-Lord wurde aus einer Kampagne rausretuschiert.

Instagram/sianlord_
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«Beschämend»Beinprothese von Model aus inklusiver Kampagne retuschiert

Mit einer Kampagne will Spaniens Gleichstellungsministerium den Sommer inklusiver gestalten. Doch die Bilder der Models sind ohne Erlaubnis verwendet und editiert worden. Das sorgt für Ärger. 

von
Johanna Senn

«Ich weiss nicht einmal, wie ich die Wut erklären soll, die ich im Moment empfinde … Ich zittere buchstäblich, ich bin so wütend», äussert sich das Model Sian Green-Lord auf Instagram. Die 32-Jährige ist in der neuen Kampagne von Spaniens Gleichstellungsministerium zu sehen. Allerdings ohne ihre Beinprothese. Und ohne ihr Einverständnis.

Das Bild, das eine Künstlerin im Auftrag des Gleichstellungsministeriums erstellt hat, orientiert sich an einem Urlaubsfoto von Sian Green-Lord.

Doch auf der nun kritisierten Illustration, die auf dem Ferienbild basiert, wurde ihre Beinprothese einfach mit einem Bein ersetzt.

Kampagne geht nach hinten los

Der Grundgedanke des Projekts ist Inklusion: Um Menschen allen Alters, aller sexuellen Orientierungen und aller Körperformen zum Tragen von Bademode zu ermuntern, hat Spaniens Gleichstellungsministerium bei einer Künstlerin ein Bild in Auftrag gegeben. 

Das Resultat zeigt spanische Content Creator aus dem Bereich Diversität und Body Positivity am Strand. Das Problem: Keine der darauf abgebildeten Personen hat dazu ihr Einverständnis gegeben. 

«Grossartige Idee, aber lausige Durchführung», macht das Model Nyome Nicholas ihrem Ärger auf Instagram Luft. Es sei nicht das erste Mal, dass ihr Bild ohne Erlaubnis verwendet worden sei, so die Influencerin.

«Macht mich einfach nur traurig»

Nicht nur Sian Green-Lords Beinprothese wurde entfernt. Auch das Gesicht von Autorin Juliet Fitz Patrick, die eine Mastektomie hatte, wurde auf den Körper einer anderen Person gephotoshoppt.

Sian Green-Lord meldet sich auf Instagram zu Wort: «Dieses Bild steht für mich nicht mehr für einen tollen Tag mit Freundinnen. Es macht mich einfach nur noch traurig.» Sie habe aktuell mit vielen Gefühlen zu kämpfen. «Mein Bein ist nichts, wofür ich mich schämen müsste. Es ist ein Zeichen von Stärke, Resilienz und Unabhängigkeit», schliesst sie ihren Post.

Würdest du gerne diversere Körper in Kampagnen sehen?

Auf Instagram gibt es für das Model Unterstützung: «Ich bin so schockiert und sende dir all meine Liebe», «Du bist eine Inspiration» und «Das ist echt beschämend», heisst in den Kommentaren. «Es tut mir so leid, dass du das erleben musstest. Ich schäme mich für mein Land!», äussert sich eine andere Instagram-Nutzerin. 

Ministerium und Künstlerin entschuldigen sich

Auch Spaniens Gleichstellungsministerium meldet sich zu Wort: «In Bezug auf das Poster ‹Der Sommer gehört auch uns› möchten wir klarstellen, dass wir zu keinem Zeitpunkt wussten, dass es sich um echte Models handelt. Wir werden uns mit den Models in Verbindung setzen, um die Angelegenheit zu klären und entschuldigen uns für den entstandenen Schaden», schreibt die Behörde auf Twitter.

Auch die Künstlerin, die das Bild kreiert hat, entschuldigt sich: «Meine Absicht war es nie, ihr Bild zu missbrauchen. Ich wollte vielmehr die Inspiration vermitteln, die diese Frauen für mich darstellen ... Ihre Arbeit und ihr Image müssen respektiert werden. Ich danke Ihnen für Ihre Arbeit, auch in diesem Fall.»

Die Künstlerin werde ausserdem die Gage von knapp 5000 Euro zwischen den abgebildeten Influencerinnen aufteilen. 

Was sagst du zu der misslungenen Kampagne?

Lebst du oder lebt jemand, den du kennst, mit einer Behinderung?

Hier findest du Hilfe:

Verzeichnis der Behindertenorganisationen des Bundes

Inclusion Handicap, Dachverband der Behindertenorganisationen Schweiz, Information und Rechtsberatung

EnableMe, Portal und Community von und für Menschen mit Behinderungen

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