Beirut: Grossdemo der Opposition
Aktualisiert

Beirut: Grossdemo der Opposition

Einen Monat nach der Ermordung des früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri haben in Beirut Hunderttausende für einen syrischen Rückzug aus ihrem Land demonstriert.

Die Behörden nannten keine Teilnehmerzahl; nach einer AP-Schätzung versammelten sich rund 800.000 Menschen auf dem Märtyrerplatz und den umliegenden Strassen.

In der vergangenen Woche waren etwa eine halbe Million Menschen in Beirut für die syrische Präsenz in Libanon auf die Strasse gegangen; am Sonntag waren in Nabatijeh 100.000 Demonstranten einem Aufruf der Hisbollah zu einer prosyrischen Kundgebung gefolgt.

Der syrische Militärgeheimdienst setzte unterdessen seinen in der vergangenen Woche begonnenen Abzug fort. Mitarbeiter räumten ein Büro in der nordlibanesischen Stadt Amjun, wie Einwohner berichteten. Vergangene Woche hatte sich der Geheimdienst bereits aus Städten in den Bergen östlich von Beirut zurückgezogen. Am Wochenende zog Syrien die ersten 4.000 seiner 14.000 Soldaten aus dem Libanon ab. Der Zeitplan für den endgültigen Rückzug soll demnächst bei einem Treffen von Offizieren beider Staaten beschlossen werden. Aus hohen libanesischen Militärkreisen verlautete, dieses Treffen solle am 7. April stattfinden.

Die syrische Kabinettsministerin Buthaina Schaaban sagte dem US-Fernsehsender CNN, Syrien plane einen «sehr schnellen Rückzug» aus dem Libanon. Möglicherweise seien alle syrischen Truppen bereits vor der kommenden Parlamentswahl in Libanon abgezogen. Ein Termin steht noch nicht fest, die Legislaturperiode endet aber am 31. Mai.

Seit der Ermordung Hariris am 14. Februar ist die innenpolitische Lage im Libanon bis zum äussersten gespannt: Die Opposition sieht in dem Attentat Syrien verwickelt und fordert seitdem vehement den Abzug der seit 1976 im Libanon stationierten Truppen. Sie weigert sich, einem «Kabinett der nationalen Einheit» beizutreten, die der von Staatspräsident Emile Lahud trotz Rücktritts wieder mit der Regierungsbildung beauftragte Ministerpräsident Omar Karami anstrebt. Die Opposition rechnet bei der anstehenden Parlamentswahl mit Stimmenzugewinnen; zurzeit haben die prosyrischen Kräfte eine Mehrheit. (dapd)

Deine Meinung