Beispiellose Razzia gegen Cannabis-Anpflanzer
Aktualisiert

Beispiellose Razzia gegen Cannabis-Anpflanzer

In Deutschland sind bei einer landesweiten Grossrazzia gegen Cannabis-Anbau 40 mutmassliche Plantagen-Betreiber festgenommen worden. 1600 Polizeibeamte waren in allen Bundesländern im Einsatz.

Der Polizei ist ein bundesweiter Schlag gegen den illegalen Cannabis-Anbau in Deutschland gelungen. Bei einer Grossrazzia wurden am Montag 76 Cannabis-Plantagen entdeckt und mehr als 5500 Cannabis-Pflanzen beschlagnahmt. Insgesamt sind 40 Personen festgenommen worden. Gegen mindestens vier Verdächtige will die Polizei Haftbefehl beantragen.

Eine Ernte reicht zur Finanzierung

Der Anbau von Cannabis in Kellern, Garagen und Lagerhallen hat in Deutschland in den vergangenen Jahren nach Angaben der Polizei erheblich zugenommen. Immerhin kann in den In-door-Plantagen bis zu vier Mal im Jahr geerntet werden. Und in der Regel reiche eine einzige Ernte aus, um die Einrichtungskosten zu refinanzieren, berichtete die Polizei.

Mehr als 1600 Polizeibeamte hatten am Montagmorgen insgesamt 235 Wohn- und Betriebsräume durchsucht. Auf die Spur der Hanfplantagen waren die Fahnder durch die Beobachtung eines Aachener Pflanzenladens gekommen, der sich nach Angaben der Ermittler auf den Bedarf von Cannabis-Plantagen spezialisiert haben soll und seine Produkte auch über das Internet vertrieb.

Home-Grower im Visier der Polizei

Die Ermittler erhoffen sich von dem Verfahren Signalwirkung im Kampf gegen den zunehmenden Cannabis-Anbau in Deutschland. Insgesamt werde gegen 214 Tatverdächtige ermittelt. Den Betreibern der Plantagen drohen Haftstrafen bis zu 15 Jahren. Ermittelt wird aber auch gegen die 42 und 43 Jahre alten Inhaber des Pflanzenladens. Sie stehen nach Angaben des Aachener Staatsanwalts Bernd Schulz im Verdacht, ihre Kunden beim Aufbau und Betrieb der Cannabis-Plantagen beraten zu haben.

Denn beim In-door-Anbau der Hanf-Pflanzen wird inzwischen mit allen Tricks gearbeitet. Die Pflanzen brauchen nicht nur Luft, Wasser und Spezialdünger. Ein künstlich beschleunigter Tag-Nacht-Rhythmus steigert ausserdem die Wirkstoffkonzentration in den Pflanzen. Fixfertige Aktivkohlefilter unterdrücken den verräterischen Cannabis-Geruch in der Abluft.

Ermittlungen in anderen europäischen Ländern

Insgesamt entdeckten die Fahnder bei ihrer Grossrazzia zwei Profi-Plantagen mit mehr als 1000 Pflanzen, acht Grossplantagen mit mehreren hundert Pflanzen und 66 Kleinplantagen. Neben fertig für den Verkauf abgepacktem Rauschgift wurden darüberhinaus fünf scharfe Schusswaffen und 72 500 Euro Bargeld sichergestellt.

Bei einem 17-Jährigen in Bayern entdeckten die Fahnder ausserdem Sprengstoff mit vorbereiteten Zeitzündern. Wofür der Jugendliche den Sprengstoff habe verwenden wollen, sei noch unklar, berichteten die Fahnder.

Doch beschränkte sich der Einsatz nicht nur auf Deutschland. Auch in fünf anderen europäischen Ländern wurden Durchsuchungen durchgeführt, wie Wolff berichtete. Darunter war auch Griechenland.

Von «weichen Drogen» wollen die Fahnder bei den heutigen Cannabis-Pflanzen nicht mehr sprechen. Der Wirkstoffgehalt sei in den vergangenen Jahren dramatisch gesteigert worden und erreiche heute teilweise mehr als 25 Prozent, warnten sie. Vor einigen Jahren habe er noch bei einem Prozent gelegen. Die Abhängigkeitsgefahr sei damit sehr viel höher geworden. (dapd)

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