Gastronomie - Beizen pfeifen auf das Covid-Zertifikat
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GastronomieBeizen pfeifen auf das Covid-Zertifikat

Vertreter der Gastroszene halten lieber an den Schutzmassnahmen fest, als nur Gäste mit Covid-Zertifikat zu empfangen. Ansonsten drohten Verluste.

von
Bettina Zanni
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Ab Ende Juni sollen Gastronominnen und Gastronomen aber die Möglichkeit haben, die Schutzmassnahmen herunterzufahren.

Ab Ende Juni sollen Gastronominnen und Gastronomen aber die Möglichkeit haben, die Schutzmassnahmen herunterzufahren.

20min/Simon Glauser
In der Gastroszene pfeifen viele Anbieter auf das Zertifikat.

In der Gastroszene pfeifen viele Anbieter auf das Zertifikat.

20min/Matthias Spicher
Stattdessen behalten sie lieber die Schutzkonzepte bei. 

Stattdessen behalten sie lieber die Schutzkonzepte bei.

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Darum gehts

  • In Restaurants, die nur Gäste mit Covid-Zertifikat zulassen, sollen ab Ende Juli weniger strenge Schutzkonzepte gelten.

  • Die Gastronominnen und Gastronomen ziehen die Schutzkonzepte dem Zertifikat vor.

  • «Da hat man den Laden gleich leer», sagt Michel Péclard, Inhaber der Zürcher Pumpstation GmbH.

Schutzkonzepte sind in der Pandemie in Restaurants so wichtig geworden wie Messer und Gabel. Ab Ende Juni sollen Gastronominnen und Gastronomen aber die Möglichkeit haben, die Schutzmassnahmen herunterzufahren. Voraussetzung dafür ist laut dem Bundesrat, dass sie von ihren Gästen ein Covid-Zertifikat verlangen. Bereits im Vorfeld sorgte diese Option für viel Zündstoff. SVP-Politiker etwa befürchteten eine Zweiklassengesellschaft. In der Gastroszene pfeifen viele Anbieter auf das Zertifikat.

«Ein Zertifikat von den Gästen zu verlangen, ist heavy», sagt Michel Péclard, Inhaber der Zürcher Pumpstation GmbH. Er wolle niemanden vom Restaurantbesuch ausschliessen. «Können nur noch Gäste mit einem Zertifikat rein, haben wir eine definitive Zweiklassengesellschaft.» Geimpft seien zurzeit gerade einmal rund 20 Prozent der Bevölkerung. «Da hat man den Laden gleich leer.» Péclard hält es für sinnvoller, die bisherigen Schutzkonzepte weiterzuziehen. Diese hinderten die Gäste nicht am Besuch. «Der Andrang ist gross. Die Gäste haben sich an die Maske und die Vierertische längst gewöhnt.»

«Werden mehr Gäste verlieren als gewinnen»

Auch Daniel Wiesner, Co-Geschäftsführer der Familie Wiesner Gastronomie AG, wird nicht nur Geimpfte, Getestete oder Genesene empfangen. «Wir würden mehr Gäste verlieren als gewinnen, wenn wir ein Zertifikat verlangten», sagt er.

Keine Chance hat der Beleg auch im Landgasthaus Strauss in Meierskappel LU. Nach wie vor gebe es Menschen, die sich weder impfen noch testen lassen wollten, sagt Ruedi Stöckli, Wirt und Präsident von Gastro Luzern. «Es käme dann so weit, dass wir Personen einer Gruppe, die sich bei uns zum Essen treffen, ausschliessen müssten.» Lieber behalte er die strengen Schutzkonzepte bei. «Die Mittage und Abende sind fast wieder so gut wie zu normalen Zeiten gebucht. Ich will nicht wieder von vorne anfangen.»

Zertifikat lohne sich in drei Monaten

Gastroexperte Peter Herzog von HC Hospitality Consulting versteht den Widerstand gegenüber dem Zertifikat. «Nach monatelangem Lichterlöschen geht es in der Gastronomie um Existenzen», sagt Herzog. Wer ein Covid-Zertifikat verlange, verliere automatisch einen Teil der Gäste. «Eine Beiz kann auf einem eher verhaltenen Markt nicht mit 40 oder 50 Prozent weniger Gästen überleben.» Zudem habe sich das Mittagsgeschäft kaum erholt, da viele Leute im Homeoffice arbeiteten.

Herzog rechnet mit einer dreimonatigen Übergangszeit, in der die Beizen und Restaurants mit Schutzkonzepten besser fahren als mit Covid-Zertifikaten. «Danach müssten 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sein, sodass keine finanziellen Einbussen mehr drohen, wenn eine Beiz Gäste mit Zertifikat vorzieht.»

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