Aktualisiert 27.01.2020 05:39

Coronavirus

Beizen lehnen Reisegruppen aus China ab

Einige chinesische Restaurants in der Schweiz empfangen keine Reisegruppen aus China mehr. Die Sicherheit habe Vorrang, sagen Wirte.

von
B. Zanni
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Seit dem Ausbruch des Coronavirus in China und zwei Verdachtsfällen in Zürich sind die Gäste aus Fernost bei einigen Wirten aber nicht mehr willkommen.

Seit dem Ausbruch des Coronavirus in China und zwei Verdachtsfällen in Zürich sind die Gäste aus Fernost bei einigen Wirten aber nicht mehr willkommen.

Richlegg
Chinesische Reisegruppen füllen auf ihren Reisetours durch die Schweiz jeweils halbe China-Restaurants.

Chinesische Reisegruppen füllen auf ihren Reisetours durch die Schweiz jeweils halbe China-Restaurants.

Keystone/Christof Schuerpf
Es sei traurig, was in China passiere, sagt die Wirtin eines chinesischen Resaurants im Grossraum Zürich. Aber ihr bleibe nichts anderes übrig, als den Gästen aus Sicherheitsgründen eine Absage zu erteilen. (Symbolbild)

Es sei traurig, was in China passiere, sagt die Wirtin eines chinesischen Resaurants im Grossraum Zürich. Aber ihr bleibe nichts anderes übrig, als den Gästen aus Sicherheitsgründen eine Absage zu erteilen. (Symbolbild)

Chee gin tan

Chinesische Reisegruppen füllen auf ihren Reisetours durch die Schweiz jeweils halbe China-Restaurants. Seit dem Ausbruch des Coronavirus in China und zwei Verdachtsfällen in Zürich sind die Gäste aus Fernost bei einigen Wirten aber nicht mehr willkommen. «Ich habe Angst vor dem Virus. Ich lasse in meinem Restaurant darum keine Reisegruppen aus China mehr zu», sagt die Wirtin eines chinesischen Restaurants im Grossraum Zürich.

Es sei traurig, was in China passiere, sagt sie, aber ihr bleibe nichts anderes übrig, als den Gästen aus Sicherheitsgründen eine Absage zu erteilen. «Damit will ich das Personal und die anderen Gäste schützen.» Zudem vertraue sie den Kontrollen an den Flughäfen nicht. «Ich habe das Gefühl, dass die Behörden das Virus zu wenig ernst nehmen.»

«Kontrollen sind besser für alle»

Auch Mai Le, Geschäftsführerin des Restaurants Mai in Luzern, sagt: «Würde sich eine chinesische Reisegruppe anmelden, würde ich absagen.» Zu gross sei die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus.

Bei Suan Long in Opfikon ZH machen oft Reisecars aus China halt. «Sollte eine chinesische Reisegruppe vorbeikommen, die nicht an einem Flughafen kürzlich kontrolliert wurde, würde ich sie zuerst ins Spital schicken», sagt Geschäftsführerin Liping Ma. Erst wenn sicher sei, dass sich die Gruppe nicht mit dem Virus angesteckt habe, könne sie in ihrem Restaurant essen. «Kontrollen sind besser für alle.»

«Vorrat an Mundschützen»

Liping Ma hat ihre Mitarbeiter bereits für den Ernstfall vorbereitet. «Sobald in der Schweiz der erste Corona-Fall auftaucht, gehen meine Mitarbeiter nur noch mit Mundschutz nach draussen.» Im Restaurant stehe für das Personal bereits eine Box mit Mundschützen zur Verfügung. «Auch zu Hause haben meine Mitarbeiter einen Vorrat.»

Auch bei Schweizer Restaurantgästen hat das Coronavirus Bedenken ausgelöst. «Eigentlich hatte ich am Samstag grosse Lust auf ein Mittagessen beim Chinesen. Mir verging die Lust dann aber, als mich mein Mann an das Coronavirus erinnerte», sagt eine junge Mutter aus Rheinfelden.

«Kein Massensterben»

Einige Betreiber von chinesischen Restaurants bleiben hingegen ruhig. «Wir wollen alle Menschen gleich behandeln. Die Chinesen können nichts dafür, dass in ihrem Land das Coronavirus ausgebrochen ist», sagt K. Siew, Wirt in einem chinesischen Restaurant im Kanton Graubünden. Zudem sei es die Aufgabe des Staates und nicht der Restaurants, das Virus in Schach zu halten. «Infizierte Personen werden bereits an Flughäfen ausgesiebt.»

Nach Infektionen in Frankreich und einem Verdachtsfall in Österreich befinden sich im Zürcher Triemli-Spital zwei Personen mit Verdacht auf das Coronavirus. Über 50 Menschen starben in China bis am Sonntag bereits am Virus, mehr als 2000 sind laut offiziellen Angaben infiziert.

Schutzmasken fast ausverkauft

Das Virus sorgt in der Schweiz für Nervosität. Laut einem Bericht des TV-Senders «TeleZüri» sind Schutzmasken in der Schweiz zurzeit praktisch ausverkauft. Vor allem bei chinesischen Touristen seien sie gefragt, da diese die Masken mit nach China nehmen wollten.

In der Bahnhof Apotheke in Schaffhausen bezogen in den letzten Tagen einheimische Kunden laut Inhaber Patrick Bolliger «vereinzelt Atemschutzmasken». Er beschwichtigt: «Ich weiss nicht, was diese Leute mit Atemschutzmasken im Schild führen.» Gemäss aktuellem Stand sei das Virus etwas aggressiver als das Grippevirus. «Es gibt zurzeit keinen Grund, ein Massensterben zu befürchten.»

Kontrollen an Flughäfen

Wie das Bundesamt für Gesundheit auf seiner Website schreibt, haben Flughäfen in Singapur, Hongkong, Thailand, Taiwan und anderen Städten im asiatischen Raum Screening-Massnahmen für Passagiere aus Wuhan eingeführt. In den USA wurden die Massnahmen an den Flughäfen von Los Angeles, San Francisco und New York etabliert. Auch in den Flughäfen Fiumicino in Rom und Heathrow in London finden Screenings statt.

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