Aktualisiert 05.05.2020 14:25

Schutzkonzept im Restaurant

«Beizen sollten die Daten nach kurzer Zeit wieder löschen»

Neu müssen Gäste in der Beiz ihren Namen und ihre Telefonnummer angeben. Viele Schweizer verärgert das. Auch Datenschutzexperten sind skeptisch. Die Betriebe glauben aber nicht, dass das zum Problem werden wird.

von
Raphael Knecht, Dominic Benz
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Neue Abstandsregeln sollen die Wiederöffnung der Gastrobetriebe am Montag ermöglichen.

Neue Abstandsregeln sollen die Wiederöffnung der Gastrobetriebe am Montag ermöglichen.

Foto: Keystone
Die Regeln von Gastrosuisse sehen aber auch vor, dass Kunden ihren Namen und ihre Telefonnummer angeben sollen.

Die Regeln von Gastrosuisse sehen aber auch vor, dass Kunden ihren Namen und ihre Telefonnummer angeben sollen.

Für den Datenschutzexperten David Rosenthal ist es legitim, dass man mit den Daten Kontaktketten zurückverfolgen können will. Er mahnt aber: «Die Frage ist, wie gewissenhaft die Betriebe mit den Daten umgehen.»

Für den Datenschutzexperten David Rosenthal ist es legitim, dass man mit den Daten Kontaktketten zurückverfolgen können will. Er mahnt aber: «Die Frage ist, wie gewissenhaft die Betriebe mit den Daten umgehen.»

David Rosenthal

Darum gehts

  • Restaurants und Bars öffnen am 11. Mai unter strengen Auflagen.
  • Dazu gehört, dass Gäste Namen und Telefonnummer angeben müssen.
  • Beizer glauben, dass das kein Problem sein wird, denn die Gäste würden sich in der Krise anpassen.
  • Allerdings könnten die Massnahmen weiterhin wirtschaftliche Probleme verursachen.

Am kommenden Montag dürfen Restaurants und Beizen wieder öffnen. Das allerdings nur unter strengen Auflagen: Mit Ausnahme von Familien mit Kindern dürfen etwa nur vier Personen an einem Tisch sitzen. Auch zwei Meter Abstand zu anderen Gästen oder Trennwände sind Pflicht. Der Arbeitgeberverband Gastrosuisse hat weitere Regeln aufgestellt, darunter, dass Gäste Name und Telefonnummer hinterlegen müssen.

Das kommt bei manchen nicht gut an. So sagt etwa Leser David dazu: «Es würde mir nie im Traum in den Sinn kommen, einer unbekannten Person meine Daten auszuhändigen, und ich hoffe, dass auch andere normal denkende Personen so was nicht machen.» Und Leser Werner findet: «So geht Diktatur. Innerhalb von acht Wochen sämtliche Datenschutzgesetze ersatzlos gestrichen. Seid ihr noch bei Trost?»

Entscheid vom Bund

Restaurants öffnen am 11. Mai

Ende April hat der Bund entschieden, dass Restaurants am 11. Mai wieder öffnen dürfen. Das hatte Gastrosuisse gefordert – der Arbeitgeberverband war bis dahin aber davon ausgegangen, dass es erst im Juni so weit sein werde. Der Verband hat daraufhin ein Sicherheitskonzept ausgearbeitet und dieses dem Staatssekretariat für Wirtschaft vorgelegt. Am Dienstag präsentierte er das Konzept dann der Öffentlichkeit und den Betrieben selbst. Das sind die Massnahmen:

  • Maximal 4 Personen pro Tisch
  • Gäste sollen Hände beim Betreten waschen und desinfizieren können
  • Von jedem Gast werden Vor-, Nachname, Telefonnummer, Datum, Zeit und Tischnummer erfasst (diese Daten werden nach 14 Tagen vollständig vernichtet)
  • Stehplätze sind nicht zugelassen
  • Gästegruppen dürfen sich nicht vermischen
  • Zwischen Gästegruppen gelten 2 Meter Abstand, es sei denn es gibt eine Trennwand
  • Im Service ist ein Abstand von 2 Meter empfohlen
  • Masken sind im Service empfohlen, wenn der Abstand auch nur kurz unterschritten wird

Daten müssen bald gelöscht werden

Für den Datenschutzexperten David Rosenthal ist es legitim, dass man mit den Daten Kontaktketten zurückverfolgen können will. Er mahnt aber: «Die Frage ist, wie gewissenhaft die Betriebe mit den Daten umgehen.» Es sei wichtig, dass Gäste von Anfang an informiert sind, die Daten sicher verschlossen und nicht anders verwendet werden. «Die Betriebe sollten sie nach kurzer Zeit wieder löschen.» Letztlich sei die Angabe von Namen und Telefonnummer aber ein Preis, den der Gast in der jetzigen Situation zahlen müsse.

«Die Leute passen sich an»

Bei den Gastwirten hält man diese Datenerhebung für kein grosses Problem: «Ich glaube nicht, dass die Gäste dadurch abgeschreckt werden. Es ist Corona-Zeit, die Leute passen sich an», sagt Roland Reutimann, Geschäftsführer vom Restaurant Zum alten Schützenhaus in Schaffhausen.

Und Florine Wagner, Geschäftsführerin Restaurant und Bar Loft Five in Zürich, beschwichtigt: Es gehe nur darum, eine Ansteckungskette herstellen zu können. «Wir machen mit den Namen und Telefonnummern nichts, und sie werden auch nicht im Computer gespeichert. Aber ich verstehe natürlich, wenn jemand sagt, es sei ihm nicht wohl bei der Sache.» Sie glaubt aber, dass diejenigen, die wegen dieser Regel nicht kommen, sowieso nicht gekommen wären.

«Diese Daten gibt man seit Jahren an»

Gastroberater Peter Herzog von HC Hospitality Consulting ist sich hier mit den Unternehmern einig: «Bei Onlinereservationen gibt man seit Jahren ebenfalls diese Daten an. Da hat sich bisher auch noch nie jemand beklagt. Allerdings sieht es bei einem Migros- oder Coop-Selbstbedienungsrestaurant anders aus.»

Er bezeichnet allerdings die gesamten Auflagen als «sehr schmerzhaft»: «Unter diesen Bedingungen passiert es sehr schnell, dass ein Betrieb bis zu 50 Prozent weniger Sitzplatzkapazität hat.» Die Rechnung werde daher für viele nicht aufgehen.

«Man räumt einfach das Restaurant halb leer»

Diese Bedenken teilen auch die Betriebe: «Grundsätzlich sind die Massnahmen einfach umsetzbar: Man räumt einfach das Restaurant halb leer. Aber die Frage ist, wie wirtschaftlich das ist», sagt Wagner vom Loft Five. Das Defizit müsse weiter durch Kurzarbeit ausgeglichen werden. Die meisten Betriebe sind aber trotzdem froh, dass man wieder öffnen kann: «Wir freuen uns, arbeiten zu können. Und wir freuen uns auf jeden Gast, der kommt», so Wagner.

Sowohl Wagner als auch Reutimann hätten es trotzdem bevorzugt, wenn man mit der Öffnung noch etwas gewartet hätte. «Länger warten und dafür dann richtig öffnen, wäre für mich seriöser», sagt Reutimann aus Schaffhausen. Paul Beckett, Geschäftsführer vom Nelson Pub in Zürich, sieht es pragmatisch: «Es sind einfach die Regeln und die gilt es jetzt umzusetzen – und dann sehen wir, wie es läuft.» Schliesslich sei noch nie zuvor jemand in dieser Situation gewesen.

Da die neuen Auflagen nur für eine Übergangsfrist gelten, macht sich Gastroexperte Herzog jedoch grössere Sorgen um den Markt: «Viele sind ja noch im Homeoffice und gehen etwa nicht auswärts Mittagessen. Zudem besucht man mit diesen Auflagen nicht mehrmals im Monat in ein Restaurant.» Es werde noch lange dauern, bis Normalität zurückkehre, so Herzog. «Die Gastronomen brauchen einen langen Schnauf, und den haben definitiv nicht alle.»

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841 Kommentare
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Censored

13.05.2020, 16:33

Name: Erich Honecker, Tel.-Nr. (die vom Burghölzli). Tut mir sehr leid, nicht ICH habe mit diesem Schwachsinn begonnen und kann auf dumme Anfragen nur dumme Antworten geben.

Hubikus

08.05.2020, 07:09

Mich stört das nicht. Hab ein stillgelegtes Handy mit einer Prepaid SIM wieder aktiviert - mein Corona-Handy, das keine Anrufe entgegen nimmt und auf stumm geschaltet ist. Problem gelöst

fantaandpizza

08.05.2020, 05:42

Ich gebe gerne die Tel. Nummer und Namen an, wenn ich dafür vorher eine Liste mit Namen und Tel. Nummer aller Mitarbeiter vom Restaurant zusehen bekomme. oder die Daten werden versiegelt in einem Couvert mit Datumsstempel abgegeben und erst bei Verdacht vom Kantonsarzt dann geöffnet. Auch die eigenen Daten schützen zu wollen ist ein Schutz, der auch das eigene Leben retten kann. Gibt ja noch andere Gefahren als das Covid.