Universität St. Gallen: Bekannte Fragen an HSG-Prüfung
Aktualisiert

Universität St. GallenBekannte Fragen an HSG-Prüfung

Einige Studenten der HSG sind sauer: Sie hätten eine Prüfung ablegen müssen und seien dabei auf Fragen einer alten Prüfung der Uni Zürich gestossen. Der Dozent sieht das ein bisschen anders.

von
jeb
Kommentatoren auf Facebook fragen sich, ob die Dozenten plagiieren.

Kommentatoren auf Facebook fragen sich, ob die Dozenten plagiieren.

Kein Anbieter/Screenshot Facebook

Am Dienstag staunten einige Studenten eines Masterstudienganges an der HSG nicht schlecht, als sie die Fragen einer ihrer Prüfungen lasen. Die Fragen beim Teil Völkerrecht der Prüfung nämlich kamen laut einem Studenten einigen mehr als bekannt vor: Sie seien praktisch identisch mit einer früheren Prüfung der Universität Zürich gewesen, mit welcher sich einige Studenten auf ebendiese Prüfung vorbereitet hatten – und auch die Lösungen gekannt hätten.

Einem Master-in-Law-and-Economics-Studenten stösst das sauer auf: «Würden wir Studenten so etwas in einer Seminararbeit machen, würden wir uns sofort mit einem Plagiatsvorwurf konfrontiert sehen. Es ist traurig, dass die HSG nicht fähig ist, eigene Prüfungen zu schreiben und zu faul ist, um sich eigenständig etwas auszudenken», so der 23-jährige zu 20 Minuten.

Auch auf Facebook ist die Aufregung gross: «Unglaublich», schreibt ein User, «plagiieren an der HSG auch die Dozenten?» «Note 1.0!», schreibt ein anderer.

Dozent rechtfertigt sich

Der Dozent, der die Prüfung geschrieben hat, beschwichtigt: «Die Frage habe ich nicht von der Universität Zürich abgeschrieben. Mit dieser habe ich auch gar nichts zu tun», sagt der Dozent für Völker- und Europarecht an der Universität St. Gallen. «Bei der Frage handelt es sich um einen Grundlagenfall des Völkerrechts, den die Studierenden beurteilen mussten. Das ist, wie wenn man Geschichtsstudenten fragt, wie es zum Zweiten Weltkrieg kam», erklärt der Dozent weiter. Es sei darum gegangen, Basiswissen abzufragen.

Dass es sich bei den Prüfungsfragen um kopierte handelt, weist der Dozent weit von sich: «Da es sich um einen Klassiker des Völkerrechts handelt, werden sich die Fragen in zig Prüfungen ähneln.» Studenten, die mit der Zürcher Prüfung gelernt haben, hätten keinen entscheidenden Vorteil gehabt gegenüber anderen Studenten, die sich mit den Klassikern der Rechtsprechung vorbereiten. Er selbst würde sich als Student höchstens ärgern, wenn er solch klassische Fälle des Völkerrechts nicht vor der Prüfung studiert hätte.

Mit dieser Rechtfertigung ist der 23-Jährige nicht zufrieden: «Dass Prüfungsfragen inklusive Lösungen bereits im Internet abrufbar sind, die an der HSG eins zu eins gestellt werden, finde ich der Institution HSG nicht würdig.»

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