Anschlag statt Unfall: Bekennerschrieben als «idiotisch» abgetan

Aktualisiert

Anschlag statt UnfallBekennerschrieben als «idiotisch» abgetan

Die russische Regierung hat ein Bekennerschreiben tschetschenischer Rebellen zu einem angeblichen Anschlag auf das grösste Wasserkraftwerk im Land zurückgewiesen.

Die Behauptung, es handle sich bei dem Unglück vom vergangenen Montag um einen Anschlag, sei «idiotisch», sagte ein Regierungsvertreter am Freitag in Moskau. Die Staatsanwaltschaft erklärte, an dem Unglücksort seien bislang keine Spuren von Sprengstoff gefunden worden.

Auch Experten äusserten ihre Zweifel daran, dass tschetschenische Rebellen zu einem solchen Anschlag in der Lage seien. «Ich habe solche Anlagen selbst besichtigt, und es ist klar, dass solch ein Anschlag zu schwierig für die Rebellen wäre», sagte der Kaukasus- Experte Alexei Malaschenko vom Moskauer Carnegie Zentrum.

Rebellen hatten sich zuvor auf einer Internetseite zu dem angeblichen Attentat bekannt. Es sei ihnen gelungen, in der Maschinenhalle eine Panzergranate mit einem Zeitzünder zu platzieren. Der Anschlag sei Teil einer neuen Strategie von Angriffen auf Ziele der russischen Wirtschaft.

Vermisste werden als tot betrachtet

Regierungschef Wladimir Putin, der am Freitag das Wasserkraftwerk am Staudamm Sajano Schuschenskaja besuchte, sagte, die 49 nach der Katastrophe noch Vermissten müssten als tot betrachtet werden. «Es ist sinnlos vorzugeben, dass das nicht feststeht», sagte Putin.

Damit beliefe sich die Gesamtzahl der Toten auf 75. Bislang sprachen die Behörden von 26 Toten; die übrigen wurden als vermisst bezeichnet. Es gibt laut Katastrophenschutz jedoch kaum noch Chancen, Überlebende zu bergen.

Entschädigung für die Opfer

Putin sicherte den Familien der Opfer eine Entschädigung zu. Die Angehörigen jedes Opfers erhielten je eine Million Rubel (rund 33 400 Franken). Auch die Verletzten sollten unterstützt werden.

Nach derzeitigen Erkenntnissen wurde die Katastrophe vom Montag durch einen technischen Fehler ausgelöst. Nach offiziellen Angaben wurde ein Turbinenraum des Kraftwerks von Wassermassen regelrecht geflutet, rund hundert Menschen gerieten in die Fluten. Die Anlage stammt noch aus Sowjet-Zeiten. (sda)

Vier Polizisten in Grosny getötet

Mehrere Selbstmordattentäter haben in Tschetschenien mindestens vier Polizisten in den Tod gerissen. Vier weitere Polizisten wurden bei dem Doppelanschlag am Freitag in der Hauptstadt Grosny verletzt, wie das Notfallministerium mitteilte. Erst am Montag waren bei einem Selbstmordanschlag auf eine Polizeiwache in der Nachbarrepublik Inguschetien 25 Menschen getötet und mehr als 160 verletzt worden. Es war der schwerste Anschlag im Nordkaukasus seit mehreren Jahren. (ap)

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