Aktualisiert 13.02.2019 08:16

Auto-RatgeberBekifft fahren – was droht dem Wiederholungstäter?

Theo verlor vor einigen Jahren seinen Führerschein, weil er bekifft Auto fuhr. Was passiert, wenn er wieder mal einen Joint geraucht hat und in eine Kontrolle gerät?

von
Olivia Solari, AGVS
13.2.2019
Drogen am Steuer sind schon lange kein Kavaliersdelikt mehr. Im Gegenteil, denn wo das Gesetz in Sachen «Alkohol am Steuer» noch eine Toleranz von 0,5 Promille zulässt, verfolgt der Staat bei «Fahren unter Drogen bzw. Betäubungsmitteln» eine Nulltoleranz-Politik.

Drogen am Steuer sind schon lange kein Kavaliersdelikt mehr. Im Gegenteil, denn wo das Gesetz in Sachen «Alkohol am Steuer» noch eine Toleranz von 0,5 Promille zulässt, verfolgt der Staat bei «Fahren unter Drogen bzw. Betäubungsmitteln» eine Nulltoleranz-Politik.

AGVS

Frage von Theo ans AGVS-Expertenteam:

Vor rund drei Jahren wurde ich beim Umparkieren auf einer Quartierstrasse in fahruntüchtigem Zustand (unter Einfluss von Marihuana) von der Polizei angehalten. Nachdem im Spital Urin- und Bluttests gemacht worden waren, musste ich den Führerschein für sechs Monate abgeben. Meine Frage ist nun: Wenn ich wieder mal einen Joint rauchen würde, der Grenzwert bei der nächsten Kontrolle jedoch tiefer als der erlaubte Wert ist, kann mir der Ausweis dann durch meine Vorgeschichte trotzdem wieder entzogen werden?

Antwort:

Lieber Theo

Das Strassenverkehrsgesetz (SVG) definiert die Fahrtüchtigkeit in Artikel 31, Absatz 2: Wer wegen Alkohol-, Betäubungsmittel- oder Arzneimitteleinfluss oder aus anderen Gründen nicht über die erforderliche körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verfügt, der gilt während dieser Zeit als fahrunfähig und darf kein Fahrzeug führen. Artikel 2 der Verkehrsregelnverordnung (VRV) konkretisiert diese Regelung: Die Fahrunfähigkeit gilt als erwiesen, wenn im Blut des Lenkers die Substanz Tetrahydrocannabinol (THC) nachgewiesen und ein Grenzwert von 1,5 Mikrogramm pro Liter Blut gemessen wird.

Wer also fährt, obwohl er als fahrunfähig gilt, begeht eine schwere Widerhandlung gegen das SVG. Dies führt direkt zum Führerausweisentzug von mindestens drei Monaten, im Wiederholungsfall beträgt die Dauer des Entzugs mindestens zwölf Monate.

In Bezug auf Betäubungsmittel wird eine sogenannte «Nulltoleranz» verfolgt, denn der angesprochene Grenzwert von 1,5 µg/l ist enorm gering. Dass du nach deinem Joint also mit einem Messwert unter dieser Grenze angehalten wirst, ist sehr unwahrscheinlich. Streng genommen würde in diesem Fall auch kein direkter Verstoss gegen die erwähnten Rechtsnormen vorliegen – aber wie gesagt: Dass du nach dem Konsum von THC-haltigem Marihuana unter den 1,5 µg/l bleibst, ist praktisch ausgeschlossen.

Ohnehin solltest du es aus Sicherheitsgründen unterlassen, dich unter Einfluss von Drogen ans Steuer zu setzen. Du setzt damit nicht nur deine, sondern auch die Gesundheit anderer bewusst aufs Spiel. Wirst du also in Zukunft von der Polizei angehalten und zeigst Auffälligkeiten beziehungsweise machst Aussagen, die auf Drogenkonsum hinweisen, so besteht die Möglichkeit, dass die Polizei dir den Führerschein vorsorglich entzieht, bis deine Fahreignung bei einer anerkannten Fachstelle abgeklärt worden ist.

Nach erstmaligem Fahren unter Einfluss von Cannabis wird die Fahreignung üblicherweise abgeklärt, wenn ein THC-Wert von 75 µg/l oder mehr gemessen wurde. Da du deinen Ausweis bereits abgegeben hast, kann bei dir aber auch bei einem tieferen Grenzwert eine solche Abklärung angeordnet werden. Konkrete Zahlen kann ich nicht nennen, da die Umstände jedes Einzelfalls massgebend sind. Wird deine Fahreignung von der zuständigen Stelle abgelehnt, so steht im verkehrsmedizinischen Gutachten, wie lange du eine Cannabisabstinenz vorweisen musst, damit deine Fahreignung wieder befürwortet werden kann.

Übrigens hat das Fahren unter Einfluss von Cannabis auch in Bezug auf deine Versicherung Konsequenzen. Versicherungen reduzieren ihre Leistungen nämlich, wenn ein Unfall durch einen Fahrer verursacht worden ist, der unter Drogeneinfluss stand. Auch entstehen Regressansprüche der Versicherung gemäss Art. 72 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG). Ich würde dir also in jeder Hinsicht davon abraten, wieder bekifft zu fahren.

Gute Fahrt!

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