Bezirksgericht Zürich: Bekiffter Blaufahrer: «Ich bin auch ein Zug»
Aktualisiert

Bezirksgericht ZürichBekiffter Blaufahrer: «Ich bin auch ein Zug»

Das kann passieren, wenn ein Autolenker gleichzeitig Alkohol trinkt und Haschisch raucht. Er fährt nicht mehr auf der Strasse, sondern auf den Zugschienen heim. Und wird nun von der Strafjustiz zur Kasse gebeten.

von
Attila Szenogrady

Gleichzeitiger Konsum von Alkohol und Haschisch kann es in sich haben. Dies zeigt der Fall eines 25-jährigen Berners, der am vergangenen 13. Oktober in der Partymeile von Zürich-West eine lange Nacht durchfeierte. Im Morgengrauen stieg er nach etlichen Joints und Drinks an der Giessereistrasse mit mindestens 1,11 Promillen Alkohol im Blut in seinen Personenwagen der Marke «BMW Z4».

BMW auf Schienen

Fest steht jedenfalls, dass der kaufmännische Angestellte noch eine gewisse Orientierung besass und an der Förrlibuckstrasse in Richtung Bern/Basel fuhr. Allerdings nicht über die Autostrasse, sondern über ein Industriegleis, welches laut der entscheidenden Erkenntnis der Staatsanwaltschaft «eigentlich nicht für den Verkehr mit Motorfahrzeugen bestimmt sei..»

Endstation im Schotterbett

Der Angeklagte war offensichtlich anderer Auffassung und holperte nach dem Motto «ich bin auch ein Zug» ungerührt über die Geleise. Bis sein Vehikel plötzlich im Schotterbett der Schienen stecken blieb. Was den zuständigen Staatsanwalt zum weiteren Vorwurf führte, dass der Lenker hätte wissen müssen, dass sich sein Fahrzeug für eine derartige Fahrt über Geleise auf einem Schotterbett gar nicht eigne.

Deutschen Bekannten vorgeschoben

Der Angeklagte liess sein Fahrzeug zurück, erschien aber wenige Stunden später persönlich auf der Regionalwache Industrie der Stadtpolizei Zürich. Dort spielte der Berner das Unschuldslamm und führte aus, dass nicht er, sondern ein deutscher Bürokaufmann mit seinem Wagen über die Geleise gefahren sei. Ein Märchen, das er auch bei einer zweiten polizeilichen Befragung zu Lasten seines Bekannten zum Besten gab. Was ihm später neben den Verkehrs- und Drogendelikten einen zusätzlichen Vorwurf wegen falscher Anschuldigung einbrachte.

Geldstrafe und Busse

Da der kiffende Blaufahrer ein umfassendes Geständnis ablegte, kam er mit einem blauen Auge davon. Wie das Gericht am Donnerstag mitteilte, hat es den Angeklagten in allen punkten schuldig gesprochen und zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 50 Franken verurteilt. Hinzu kommt eine Busse von 1200 Franken. Sowie die allseits gefürchteten Gerichtskosten von über 2800 Franken.

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