27.09.2018 03:48

Unerhört Leise

Bekommt der neue E-Bus künstlichen Fahrlärm?

Auf leisen Sohlen bewegt sich der erste E-Bus der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) durch die Strassen. Doch die Geräuscharmut könnte auch zur Gefahr werden.

von
sis

Video: Facebook/ Basler Verkehrs-Betriebe

«Kurz nach Mittag ist der erste vollständig batteriebetriebene E-Bus in der Geschichte der BVB in Basel eingetroffen. So cool!», postete der ÖV-Betrieb am Dienstagnachmittag auf seiner Facebook-Seite. Der 12 Meter lange E-Bus soll ab dem 15. Oktober 2018 auf den Linien 33 und 42 innerhalb eines E-Bus-Pilot-Projekts sechs Wochen lang eingesetzt werden.

Die User kommentieren das das neue ökologische Aushängeschild der BVB kontrovers. Neben Aussehen und Umweltfreundlichkeit geht es da auch um die Sicherheit: «Ist der auch leise? Sehe ich als sehr gefährlich an. Die Leute schauen nur noch aufs Handy», lautet ein Kommentar. Tatsächlich wird die Gefahr durch geräuscharme Elektrofahrzeuge seit längerem diskutiert.

«Wir sind uns der Thematik bewusst»

Die BVB bestätigte im Facebook-Post, dass der Bus leise sei. Man sich dieser Thematik bewusst und habe diese in der Planung berücksichtigt.

«Die Aufmerksamkeit gehört dem Strassenverkehr, nicht dem Handy», sagt Sprecher Benjamin Schmid zum Facebook-Kommentar. Seine Kollegin Sonja Körkel ergänzt, dass dies unabhängig davon gelte, ob E-Busse, Trams oder Dieselbusse auf der Strasse verkehrten.

Geräuschgeneratoren werden Pflicht

Marc Kipfer von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) verweist auf das 2017 publizierte Faktenblatt «Geräuscharmut von Elektrofahrzeugen». Die Kurzanalyse kommt zum Schluss, dass noch kein definitiver Nachweis eines erhöhten Unfallrisikos für Elektrofahrzeuge vorliege, das eindeutig auf die geringere Geräuschentwicklung zurückzuführen sei. Es fehle der Nachweis der Kausalität zwischen Unfallgeschehen und Geräusch.

Allerdings entscheiden sich viele Länder für die Ausstattung leiser Elektrofahrzeuge mit einem Geräuschgenerator. So hat neben den USA und Japan auch Europa eine entsprechende Regelung verabschiedet: Diese schreibt vor, dass Elektrofahrzeuge, die ab Juli 2019 eine Typengenehmigung beantragen, mit einem sogenannten Acoustiv Vehicle Alerting System (AVAS) ausgestattet sein müssen, also Geräusche erzeugen sollen.

Sehbehinderte profitieren vom Geräusch

Das bfu hält die neue Regelung für sehr sinnvoll, da gerade Sehbehinderte und Blinde von einem künstlichen Fahrzeuggeräusch stark profitieren würden.

Bei den BVB ist man sich der Problematik ebenfalls bewusst:« Wir werden alle nötigen Massnahmen ergreifen, dass die Fahrzeuge der BVB gesetzeskonform im öffentlichen Verkehr unterwegs sind», verspricht Sprecherin Sonja Körkel.

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