Flüchtlingskrise an EU-Aussengrenze – Belarus beschuldigt Litauen – «Sie werfen tote Körper auf die Grenze»
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Flüchtlingskrise an EU-AussengrenzeBelarus beschuldigt Litauen – «Sie werfen tote Körper auf die Grenze»

Die Lage an der EU-Aussengrenze zu Belarus bleibt angespannt. Während die Migrantinnen und Migranten in prekären Verhältnissen ausharren, decken sich die involvierten Staaten mit Schuldzuweisungen ein.

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Die Situation für die Migrantinnen und Migranten an der EU-Aussengrenze zu Belarus bleibt prekär.

Die Situation für die Migrantinnen und Migranten an der EU-Aussengrenze zu Belarus bleibt prekär.

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Noch immer sollen rund 10’000 Flüchtende ausharren.

Noch immer sollen rund 10’000 Flüchtende ausharren.

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Migrantinnen und Migranten in einer belarussischen Lagerhalle direkt an der polnischen Grenze.

Migrantinnen und Migranten in einer belarussischen Lagerhalle direkt an der polnischen Grenze.

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Darum gehts

  • Rund 10’000 Flüchtende sollen weiterhin in Belarus ausharren. Ihr Ziel: Die EU.

  • Die Nerven liegen blank. Viele Migrantinnen und Migranten brauchen medizinische Hilfe.

  • Belarus beschuldigt Litauen nun, Leichen von Flüchtenden an der Grenze zu deponieren. Litauen dementiert das und wirft Belarus vor, den Tod von Migranten zu inszenieren.

In Belarus halten sich nach Einschätzung des polnischen Grenzschutzes weiterhin rund 10’000 Migrantinnen und Migranten auf, die in die EU gelangen möchten. «Wir wissen nicht, wie viele von ihnen direkt an der Grenze sind, und wie viele in der Tiefe des Landes», sagte eine Sprecherin der Behörde am Dienstag. Direkt an der polnischen Grenzbefestigung gebe es auf belarussischer Seite derzeit keine Zeltlager mehr. Allerdings würden belarussische Sicherheitskräfte regelmässig Flüchtende mit Lastwagen zur Grenze bringen, so der Vorwurf.

Den Angaben zufolge registrierten die Grenzschützerinnen und Grenzschützer innerhalb von 24 Stunden 134 Versuche, die Grenze zu überwinden. Am frühen Dienstagmorgen habe in der Nähe der Ortschaft Szudzialowo eine grössere Gruppe Migranten Steine, Metallstangen und Feuerwerkskörper auf die polnischen Beamten geworfen. Ein weiterer solcher Vorfall ereignete sich in der Nähe der Ortschaft Mielnik.

An der Grenze zwischen Belarus und Polen kam es immer wieder zu Scharmützeln.

20min

Viele Flüchtende brauchen medizinische Hilfe

An der Notunterkunft in einer Logistikhalle in Brusgi direkt an der Grenze zu Polen harren weiter viele Menschen aus. Viele benötigen medizinische Hilfe. Nach Angaben der belarussischen Staatsagentur Belta wurde nun eine kleine Krankenstation eröffnet. Die Notfallversorgung sei dort nun rund um die Uhr gewährleistet.

Die Caritas weitet nach eigenen Angaben ihre Hilfe für im polnisch-belarussischen Grenzgebiet festsitzende Migrantinnen und Migranten aus. Die Zweigstellen der Hilfsorganisation in Belarus und Polen versorgten die Menschen «mit Nahrungsmitteln, warmer Kleidung, Schlafsäcken und Hygieneartikeln», erklärte die Caritas am Dienstag. Der deutsche Caritasverband rief die EU-Staaten und vor allem Deutschland auf, «besonders verletzliche Menschen», die sich dort befänden, aufzunehmen.

Lukaschenko äussert schwere Vorwürfe an Litauen

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hatte die litauischen Behörden am Montag beschuldigt, verstorbene Migranten an der Grenze zwischen den beiden Ländern abzuladen. Grenzschützer hätten die Leichen von zwei Migranten gefunden, die am Wochenende an der Grenze zurückgelassen worden seien, sagte Lukaschenko während eines Treffens mit eigenen hochrangigen Militärs.

Der litauische Grenzschutz wies die Vorwürfe zurück und erklärte, die belarussischen Behörden hätten wiederholt versucht, Schläge oder sogar den Tod von Migranten zu inszenieren und anzuordnen, während sie Litauen für eine solche «unmenschliche Behandlung» verantwortlich machten.

Lukaschenko versuchte hingegen, die Spannungen wegen der Migrantinnen und Migranten als Teil einer Verschwörung des Westens gegen Belarus und Russland darzustellen. «Sie stecken einen toten Körper oder wahrscheinlich einen noch lebenden Menschen in einen Schlafsack und werfen ihn auf die Grenze. Was für eine Abscheulichkeit!», verkündete Lukaschenko und gab an, dass belarussische Grenzschutzbeamte in einem verlassenen Bauernhaus in der Nähe der Grenze zu Litauen weitere stark unterkühlte Migranten gefunden hätten, die kaum noch am Leben gewesen seien.

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(DPA/job)

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