07.09.2020 12:11

Entführung in BelarusAugenzeugin sah, wie Kolesnikowa in Bus gezerrt wurde

Von Maria Kolesnikowa wird seit Montag vermisst. Eine Augenzeugin berichtet, die belarussische Oppositionsführerin sei entführt worden. Lukaschenko-Gegner sprechen von Einschüchterung.

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Gemäss einem Medienbericht ist Maria Kolesnikowa (Mitte) verschwunden.

Gemäss einem Medienbericht ist Maria Kolesnikowa (Mitte) verschwunden.

Keystone
Die 38-Jährige Oppositionelle gehört zu den scharfen Kritikern den aktuellen belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko.

Die 38-Jährige Oppositionelle gehört zu den scharfen Kritikern den aktuellen belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko.

KEYSTONE
Nachdem Lukaschenko am 9. August in einer nach Angaben von internationalen Experten und Oppositionellen gefälschten Wahl wiedergewählt worden war, brachen in Belarus Proteste aus.

Nachdem Lukaschenko am 9. August in einer nach Angaben von internationalen Experten und Oppositionellen gefälschten Wahl wiedergewählt worden war, brachen in Belarus Proteste aus.

Keystone

Darum gehts

  • Kolesnikowa sei von Unbekannten in einen Laster gezerrt und verschleppt worden, sagt eine Augenzeugin.
  • Sie war als letzte von drei Oppositionsführerinnen noch in Belarus verblieben.
  • Derweil gehen die Proteste gegen Machthaber Lukaschenko weiter; gestern Sonntag wurden 633 Demonstrierende verhaftet.

Die belarussische Oppositionsführerin Maria Kolesnikowa ist einem Medienbericht zufolge von Unbekannten verschleppt worden. Sie sei im Zentrum von Minsk von maskierten Männern in einem Kleinlaster weggefahren worden, berichtete die Website Tut.By am Montag unter Berufung auf eine Augenzeugin. «In der Nähe des Nationalen Kunstmuseums sah ich einen parkierten Kleinbus mit dem Schild ‹Kleinbus›. Ich ging vorwärts und hörte, wie ein Handy gefallen ist, drehte mich um und sah dann zivil bekleidete, maskierte Menschen, die Maria in den Bus schoben», so die Zeugin.

Der Nachrichtenagentur Interfax zufolge wies die Polizei eine Beteiligung zurück. Kolesnikowa hielt sich als letzte von drei Oppositionsführerinnen, die sich zur Präsidentenwahl zusammengeschlossen hatten, noch in Belarus auf. Dort nahmen die Sicherheitsbehörden weitere Demonstranten fest, die gegen den Sieg von Amtsinhaber Alexander Lukaschenko protestiert hatten.

Ein Einschüchterungsversuch?

Lukaschenko wird in den kommenden Tagen in Russland erwartet. Verbündete von Kolesnikowa kündigten an, den Bericht über ihre Entführung zu prüfen. Auch einige ihrer Mitarbeiter seien nicht zu erreichen. Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja sprach von einem Versuch, die Opposition einzuschüchtern. Kolesnikowa spielt eine Schlüsselrolle bei den jüngsten Protesten gegen den Ausgang der Wahl vom 9. August. Ihre beiden Mitstreiterinnen haben das Land verlassen: Mitte August reiste Tichanowskaja nach Litauen, ihre Vertraute Olga Kowalkowa Anfang September nach Polen. Die Ausreisen fanden vor dem Hintergrund des Vorgehens der Polizei gegen die Demonstranten vor.

Weitere 633 Festnahmen am Sonntag

So gab das Innenministerium 633 weitere Festnahmen am Sonntag bekannt, als Tausende gegen die Regierung auf die Strasse gegangen waren. EU hat den Ablauf der Wahl und das Vorgehen gegen die Demonstranten kritisiert. Ein EU-Sprecher erklärte, Strafmassnahmen gegen die Verantwortlichen seien in Arbeit. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Reuters von EU-Diplomaten erfahren, dass 31 hochrangige Regierungsvertreter und Behörden mit Sanktionen belegt werden sollen. Eine abschliessende Übereinkunft dürfte am 21. September beim EU-Aussenministertreffen erzielt werden. Lukaschenko selbst soll dabei nicht Ziel der Massnahmen sein.

Dies stünde im Gegensatz zu Schritten, die die baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland – alles EU-Mitglieder – bereits eingeleitet haben. Reuters hatte Anfang September aus US-Kreisen erfahren, dass auch die USA Sanktionen erwägen. Lukaschenko regiert das auch als Weissrussland bekannte Land seit 1994 autoritär. Der wichtigste Verbündete der ehemaligen Sowjetrepublik ist Russland. Das Präsidialamt in Moskau kündigte am Montag an, Lukaschenko werde «in den kommenden Tagen» zu Gesprächen in der russischen Hauptstadt erwartet.

Litauens Aussenminister fordert Freilassung

Litauens Aussenminister Linas Linkevicius hat die Staatsführung in Minsk für das spurlose Verschwinden von Kolesnikowa verantwortlich gemacht und deren sofortige Freilassung gefordert. «Die Entführung von M. Kolesnikowa in der Innenstadt von Minsk ist eine Schande», schrieb Linkevicius auf Twitter. «Anstatt mit dem Volk von Belarus zu sprechen, versucht die scheidende Führung, einen nach dem anderen zynisch zu eliminieren». Dies erinnere an stalinistische Methoden.

(Reuters/DPA/ore)

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18 Kommentare
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Julia

07.09.2020, 14:37

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kerr

07.09.2020, 14:33

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Dr. Klöti

07.09.2020, 14:28

Diese Belarus- Situation erinnert irgendwie and Gaddafi‘s Lybien. Was wird danach wohl auf uns zukommen, wenn der Herr dort „wegdemonstriert“ wurde (CIA lässt grüssen)? Nach Gaddafi wars ja nicht im Ansatz besser. Weder für die Zivilbevölkerung noch für uns wegen der „Flüchtlingsströme“.