Aktualisiert 12.09.2012 18:26

Schikane in ZimbabweBeleidigter Diktator hält Schweizer fest

Ein Schweizer wird in Zimbabwe seit Tagen festgehalten. Grund: Er soll Diktator Robert Mugabe beleidigt haben.

von
L. Hanselmann
Thomas Fischer (links) soll Robert Mugabe, Zimbabwes Präsident, beleidigt haben. (Bilder: zvg/Keystone)

Thomas Fischer (links) soll Robert Mugabe, Zimbabwes Präsident, beleidigt haben. (Bilder: zvg/Keystone)

«Das ist schlimmstes Mittelalter.» Thomas Fischer (66) kann es nicht fassen: Seit Samstag sitzen er und seine Frau Marion in Zimbabwe fest. Die ­Pässe und der Fahrzeugausweis ihres Toyota Landcruisers wurden beschlagnahmt.

Die Probleme begannen bei der Einreise: Die Zöllner hätten sie mit immer neuen Gebühren abgezockt und zwei Stunden lang warten lassen, so Fischer. «Sie spielten nur mit dem ­Handy, sahen fern und lachten.»

«Shitty government»

Irgendwann platzte dem früheren Treuhandexperten und Unternehmensberater aus Altnau TG der Kragen: Er habe ­etwas von einem «shitty government» gesagt, das Ausländer übers Ohr haue. Laut «ZimDaily» steht in der Anklage aber, Fischer habe «Mugabe is shit» gesagt. Polizeisprecher Clemence Mabgweazara bestätigt dies gegenüber 20 Minuten.

In Zimbabwe wird hart bestraft, wer Diktator Robert Mugabe beleidigt (siehe Box). Tagelang wartete Fischer auf den Prozess. Als er die Schweizer Botschaft einschaltete, gings plötzlich schnell: Ein Richter verurteilte ihn innert 30 Minuten zu einer Busse von 100 US-Dollar. Das EDA bestätigt, dass die Schweiz aktiv wurde.

Behörden-Irrsinn dauert an

Gestern hätten die Schweizer endlich ausreisen sollen. Doch der Be­hörden-Irrsinn geht ­weiter: Gegen Abend hiess es, dass sich das Paar auch noch in die Hauptstadt Harare erklären müsse. Die Schweizer Botschaft hat nun einen Anwalt geschickt.

Für Fischer, der auf seinen jahrelangen Reisen noch nie ähnlich schikaniert wurde, ist klar: «In dieses Land setze ich sicher keinen Fuss mehr – wenn ich überhaupt je rauskomme.»

Harte Strafen für Beleidigung

In Zimbabwe ist es gesetzlich verboten, den Präsidenten in irgendeiner Form zu beleidigen. Das EDA warnt deshalb in seinen Reisehinweisen explizit davor, in Zimbabwe schlecht über Robert Mugabe zu reden. Fast täglich wird dort laut Menschenrechtlern jemand wegen Beleidigung verhaftet. Die Strafen sind drastisch: Im Juli wurde ein Südafrikaner zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, weil er einen Mugabe-Cartoon auf seinem Handy hatte. «Zimbabwe ist alles andere als ein Rechtsstaat», sagt Reto Rufer von Amnesty International Schweiz. (hal)

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