Unheilbare Krankheiten: Belgien erlaubt Sterbehilfe für Kinder
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Unheilbare KrankheitenBelgien erlaubt Sterbehilfe für Kinder

Das belgische Parlament hat die aktive Sterbehilfe für unheilbar kranke Kinder und Jugendliche erlaubt.

Kranke belgische Kinder dürfen künftig selbst entscheiden, wann sie ihr Leiden nicht mehr lebenswert finden. Das Parlament weitet die aktive Sterbehilfe aus. Der Schritt ist umstritten.

Das belgische Abgeordnetenhaus hat mit überwältigender Mehrheit für eine Ausweitung des Sterbehilfe-Gesetzes auf Kinder unter 18 Jahren gestimmt. Die Abgeordneten votierten am Donnerstag mit 86 zu 44 Stimmen für die umstrittene Massnahme. Es gab zwölf Enthaltungen. Ein einzelner Gegner des Gesetzes protestierte im Parlament lautstark und rief: «Mörder».

Damit können künftig auch unheilbar kranke Minderjährige auf eigenen Wunsch Hilfe zum Sterben bekommen, sofern sie bereits selbst entscheidungsfähig sind. Ein Psychologe oder ein Psychiater muss bestätigen, dass das Kind sich der Tragweite seiner Entscheidung bewusst ist. Die Eltern müssen ebenfalls zustimmen.

Der Sozialist Hans Bonte sagte, niemand hoffe, dass das Gesetz jemals angewendet werde. Doch auch Minderjährige hätten das Recht, Lebewohl zu sagen ohne das Gesetz zu brechen.

Kritiker befürchten Druck auf kranke Kinder

Laurent Louis, ein unabhängiger Abgeordneter, stimmte gegen die Sterbehilfe für Kinder. Ein Kind müsse bis zum Ende geschützt werden, egal was passiere, sagte er. Die Parlamentarierin Catherine Fonck sagte, das Gesetz habe Lücken, denn es berücksichtige nicht die Möglichkeit, dass die Eltern bei der Entscheidung unterschiedliche Meinungen haben könnten.

Der Senat hatte der Legalisierung der Sterbehilfe auch für Kinder bereits im Dezember zugestimmt. Kritiker befürchten, dass Minderjährige durch die Massnahme überredet oder gedrängt werden könnten, sich töten zu lassen. Zu den Gegnern der Gesetzesänderung zählten Kinderärzte und die katholische Kirche des Landes.

Belgien ist eines der wenigen Länder, in denen Sterbehilfe für Erwachsene bereits legal ist. Bisher galt eine Altersgrenze von 18 Jahren. Der Ausweitung des Gesetzes von 2002 muss nun von König Philippe unterzeichnet werden, damit es in Kraft tritt. Es wird erwartet, dass er der Massnahme zustimmt.

(sda)

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