Aktualisiert 17.01.2015 11:27

Schutz vor Anschlägen

Belgien schickt Soldaten auf die Strassen

Zum Schutz vor Terroranschlägen wird die Polizei in Belgien von Soldaten unterstützt. Im französischen Reims wurde einer der «Charlie Hebdo»-Attentäter beigesetzt.

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Vor einer Synagoge im belgischen Antwerpen haben sich Soldaten postiert.

Vor einer Synagoge im belgischen Antwerpen haben sich Soldaten postiert.

Keystone/AP/Virginia Mayo
In Belgien haben erstmals seit 30 Jahren Soldaten die Polizei verstärkt.

In Belgien haben erstmals seit 30 Jahren Soldaten die Polizei verstärkt.

Keystone/AP/Virginia Mayo
Die Truppen dienen dem Schutz vor Terroranschlägen.

Die Truppen dienen dem Schutz vor Terroranschlägen.

Keystone/AP/Virginia Mayo

In Belgien haben erstmals seit 30 Jahren Soldaten die Polizei verstärkt. Verteidigungsminister Steven Vandeput sagte am Samstag dem Sender VRT, die Truppen könnten zum Schutz vor Terroranschlägen vor bestimmten Botschaftsgebäuden oder Häusern im jüdischen Viertel Antwerpens postiert werden.

Die belgische Polizei hatte am Donnerstag bei einer Schiesserei mit mutmasslichen islamistischen Terroristen zwei Verdächtige erschossen. Danach wurden 15 weitere Personen festgenommen, 13 in Belgien und zwei in Frankreich. Die Gruppe soll kurz davor gestanden haben, grössere Anschläge zu verüben. Belgien hob den Terroralarm auf die zweithöchste Warnstufe.

Said Kouachi beigesetzt

Unterdessen ist der von der Polizei erschossene «Charlie Hebdo«-Attentäter Said Kouachi im nordostfranzösischen Reims beigesetzt worden. Er habe sich den Vorschriften beugen müssen, sagte Bürgermeister Arnaud Robinet am Samstag.

Robinet hatte zunächst angekündigt, er wolle eine Beisetzung Said Kouachis und seines Bruders und Mit-Attentäters Chérif in seiner Stadt mit allen Mitteln verhindern. Der Bürgermeister fürchtete, das Grab könne sich zu einer Art Pilgerstätte für Islamisten entwickeln.

Das Begräbnis fand Freitagnacht unter Polizeischutz und im Beisein von Angehörigen Kouachis statt, wie aus informierten Kreisen verlautete. Said Kouachi wurde in einem anonymen Grab bestattet, der Name des Friedhofs wurde nicht genannt.

Saids Bruder Chérif Kouachi soll nach dem Wunsch seiner Witwe in Gennevilliers im Grossraum Paris beigesetzt werden. Die Witwe hatte sich auch für eine dortige Beisetzung von Said Kouachi eingesetzt, was der Bürgermeister des Ortes jedoch ablehnte. Chérif Kouachi hatte zuletzt in Gennevilliers gelebt. Der Bürgermeister erklärte, er habe deshalb «keine Wahl», als ihn dort bestatten zu lassen. Laut französischem Gesetz können Stadtverwaltungen eine Bestattung nicht verhindern, wenn der Verstorbene zuletzt in dem Ort gelebt hat oder dort gestorben ist.

Zusammenstösse im Niger

Auch in anderen Teilen der Welt hat der Wirbel um die Satirezeitung «Charlie Hebdo» Auswirkungen. Einen Tag nach gewaltsamen Protesten gegen die Mohammed-Karikatur der jüngsten Ausgabe im Niger hat es in dem westafrikanischen Land erneut Zusammenstösse gegeben.

Die Polizei ging am Samstag mit Tränengas gegen Demonstranten in der Hauptstadt Niamey vor, wie AFP-Reporter berichteten. Zu dem von den Behörden untersagten Protest nahe der Grossen Moschee der Stadt versammelten sich mindestens tausend Jugendliche. Einige von ihnen bewarfen die Einsatzkräfte mit Steinen, andere zündeten Autoreifen an. Demonstranten auf Motorrädern skandierten «Allah Akbar» (Gott ist gross).

Bereits am Freitag hatte es in der zweitgrössten Stadt Zinder schwere Ausschreitungen aus Protest gegen die Mohammed-Karikatur in der neuen «Charlie Hebdo«-Ausgabe gegeben. Mindestens vier Menschen wurden getötet und 45 weitere verletzt, als Muslime ein französisches Kulturzentrum und drei Kirchen in Brand steckten.

(sda)

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