Aktualisiert 22.05.2020 07:28

Betreten Verboten

Beliebter Oeschinensee wegen drohendem Felsabbruch teilgesperrt

Lockeres Gestein droht in den Berner Bergsee zu stürzen. Aus diesem Grund haben die Behörden entschieden, das südufer des beliebten Ausflugszieles oberhalb von Kandersteg BE abzuriegeln.

von
Christian Holzer
1 / 10
Er ist ein beliebtes Ausflugsziel und ein Insta-Hotspot: Der Oeschinensee im Berner Oberland.

Er ist ein beliebtes Ausflugsziel und ein Insta-Hotspot: Der Oeschinensee im Berner Oberland.

BOM
Tausende Besucher werden hier ganzjährlich verzeichnet. Nun verkündet die Gemeinde jedoch eine Hiobsbotschaft.

Tausende Besucher werden hier ganzjährlich verzeichnet. Nun verkündet die Gemeinde jedoch eine Hiobsbotschaft.

Foto: Bruno Petroni
Der Spitzer Stein (im Bild) oberhalb des Bergsees droht abzubrechen und einen Felssturz zu veruschen.

Der Spitzer Stein (im Bild) oberhalb des Bergsees droht abzubrechen und einen Felssturz zu veruschen.

BOM

Darum gehts

  • Beim Oeschinensee droht Felsgestein in den See zu stürzen
  • Der Kanton Bern hat hierfür verschiedene Szenarien berechnet und der Gemeinde entsprechende Sicherheitsvorkehrungen empfohlen
  • Aus diesem Grund wird ein Teil des rechten Seeufers für Besucher nun gesperrt

Ausgerechnet während dieser Tage, die viele Ausflügler in die Berge locken, sorgt die Gemeinde Kandersteg mit einer Hiobsbotschaft für Aufsehen. Das beliebte Ausflugsziel Oeschinensee im Berner Oberland wird teilweise für Besucher gesperrt. Der Grund: Beim «Spitzen Stein» drohen grössere Felsmassen den Berg hinunter und in den See zu stürzen, wie die Zeitung «Frutigländer» berichtet.

In einer Beurteilung kommt der Kanton Bern zum Schluss, dass je nach Grösse des Felsabbruchs mit dramatischen Folgen für Mensch und Natur zu rechnen ist. Vier mögliche Szenarien wurden vom Kanton erarbeitet.

  • Sollten mehrere Millionen Kubikmeter Gestein in den See stürzen, rechnet der Kanton mit einer Stauung des Bergsees. Sollte dieser nach Wochen oder Monaten überlaufen, ist mit einer Flutwelle zu rechnen, welche katastrophale Folgen für das Kandertal und die Thunerseeregion haben könnte. Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios schätzt der Kanton als «sehr klein» ein.
  • In Folge starken Regens könnte ein Murgang den Oeschibach hinunterdonnern. Sogenannte Geschiebesammler und Schutzdämme würden ein Teil der Masse zwar zurückhalten, dennoch rechnet der Kanton damit, dass ein Überfliessen des Sees nicht verhindert werden könnte. Die Möglichkeit für dieses Szenario wird als «möglich» eingestuft.
  • Theoretisch wäre es auch möglich, dass Murgänge talwärts bis nach Kandersteg fliessen. Trotz Schutzvorrichtungen würden laut Berechnung mehrere 10 000 Kubikmeter Material bis zu den Häusern gelangen. Das Szenario wird als «wenig wahrscheinlich» eingestuft.
  • Das wahrscheinlichste Szenario sind Hochwasser und Murgänge mit beschränkter Grösser. Der Kanton rechnet in den nächsten zehn Jahren mit zwei solchen Ereignissen. Er geht davon aus, dass wegen Hochwassers nicht alle Sicherheitsmassnahmen ausreichend greifen und Murgänge Auswirkungen bis auf die Dorfstrasse haben könnten.

Beeinträchtigungen im Sommer und Winter

Die Gemeinde hat sich aufgrund der Empfehlung des Kantons nun dazu entschieden, in den gefährlichen Perimetern Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Diese werden sowohl im Sommer als auch im Winter starke Beeinträchtigungen für Besucher bedeuten: Ein Teil des linken Seeufers wird dauerhaft gesperrt. Das betroffene Areal soll in unmittelbarer Zukunft für Besucher klar markiert werden. Weiter werden Zäune am und Absperrbojen im See verlegt. In der Folge werden auch Grillplätze und Sitzbänke verschoben. Es soll jedoch weiterhin erlaub sein, mit den beliebten Ruderbooten über den Bergsee zu gleiten.

Für begeisterte Bergsteiger und Wanderer hat das Sperrgebiet ebenfalls starke Konsequenzen. Der Zugang zur SAC-Fründehütte ist nun nicht mehr über den Normalzustieg möglich. Laut dem Alpen Club wird derzeit aber einen alternativen Aufstieg präpariert, damit die Hütte auch in Zukunft von geübten Bergwanderern besucht werden kann.

Fehler gefunden?Jetzt melden.