Aktualisiert 15.07.2014 16:14

Fleischkartell

Bell-Aktie stürzt ab

Die angedrohte Kartellbusse über 120 Millionen Franken aus Deutschland lässt den Aktienkurs der Coop-Tochter Bell einbrechen. Der Titel stand teilweise fast 6,5 Prozent im Minus.

von
sas

Wegen mutmasslicher Preisabsprachen mit Mitbewerbern hat die Coop-Tochter Bell eine grosse Busse am Hals. Die Firma um CEO Lorenz Wyss steht im Verdacht, gemeinsam mit 21 Fleischherstellern in Deutschland die Preise abgesprochen zu haben, um sie gegenüber dem Detailhandel durchzusetzen. Die deutsche Ablegerin des Schweizer Fleischverarbeiters soll allein rund 100 Millionen Euro (rund 121 Millionen Franken) Bussgeld zahlen. Die Anleger reagierten mit Verkäufen auf die schlechte Nachricht: Der Titel verlor bis Börsenschluss 5,54 Prozent.

Mehrheitsaktionärin der börsenkotierten Firma ist die Basler Coop-Gruppe. Sie besitzt einen Anteil von rund 66 Prozent. Ein weiterer grösserer Aktionär ist der Sarasin-Investmentfonds, der laut dem Bell-Geschäftsbericht einen Anteil von knapp 4 Prozent besitzt. Die Firma beschäftigt 6500 Angestellte, rund 3100 davon ausserhalb der Schweiz.

Bell: «Unverhältnismässige Busse»

In einer Stellungnahme schreibt Bell, der ergangene Bussgeldbescheid von umgerechnet rund 120 Millionen Franken sei sachlich falsch und rechtlich verfehlt. Zudem hält die Firma die Bussgeldhöhe in einer laut eigener Aussage margenschwachen Industrie für gänzlich unverhältnismässig. Die Bell-Gruppe gehört zu den grössten Fleischverarbeitern in Europa und erzielte im letzten Jahr einen Nettoerlös von 2,6 Milliarden Franken. Der Gewinn lag bei 76,6 Millionen Franken.

Bell kündigte an, sich umfassend zu verteidigen und den Bussgeldbescheid vor Gericht angreifen zu wollen. Bis zu einer endgültigen gerichtlichen Klärung dürften aber mehrere Jahre vergehen. Die Ermittlungen sind laut Kartellamt nach einem anonymen Hinweis ins Rollen gekommen. Im Januar 2009 hatten Ermittler 19 Unternehmen durchsucht. Seitdem waren dem Kartellamt zufolge noch einige Firmen hinzugekommen.

Zahnpasta, Rolltreppen, Tierfutter - sehen Sie oben in der Bildstrecke, welche Schweizer Firmen in den vergangenen Jahren noch mit Kartellvorwürfen zu kämpfen hatten.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.