Aktualisiert 18.05.2008 02:28

Bellinzona besiegt St. Gallen in letzter Minute

Die AC Bellinzona hat im Barrage-Hinspiel gegen den FC St. Gallen eine hervorragende Ausgangslage vergeben. Die Tessiner führten im strömenden Regen nach 70 Minuten 2:0, ehe sie den Ausgleich hinnehmen mussten, immerhin aber noch 3:2 gewannen.

Besser hätte die Partie für Bellinzona nicht beginnen können. Der Kameruner Christian Pouga sorgte schon in der 4. Minute für die Führung. Als dann Ifet Taljevic nach einer Stunde per Foulpenalty erhöhte, sahen viele einheimische Fans ihren Klub bereits in der Axpo Super League. Die St. Galler gaben sich aber nicht geschlagen. Innerhalb von fünf Minuten glichen sie das Skore dank Treffern von Murat Ural (71.) und Marcos Gelabert (76.) aus. Das für die «Granata» wichtige 3:2 erzielte Youngster Senad Lulic kurz vor Schluss mit einem sehenswerten Weitschuss.

Bellinzona darf somit weiterhin davon träumen, erstmals seit 1990 wieder der obersten Spielklasse anzugehören. Die Ausgangslage ist jedenfalls günstiger als vor einem Jahr, als man in der Barrage gegen Aarau bereits im Hinspiel (1:2) in arge Rücklage geraten war. Die beiden im Comunale kassierten Tore sind insofern eine Hypothek, als dass St. Gallen am Dienstag im Rückspiel bei der Derniere im Espenmoos ein 1:0 oder 2:1 genügt.

Früher Jubel im Comunale

Das Spiel im Comunale hatte mit einem Paukenschlag begonnen. Der St. Galler Goalie Daniel Lopar konnte einen tückischen Schuss von Francisco Neri nur abprallen lassen, Christian Pouga stand goldrichtig und drückte den Ball über die Linie. Die Aktion war am linken Flügel von Senad Lulic brilliant eingeleitet worden.

Nach der fulminanten Startphase beruhigte sich das Geschehen. Chancen blieben bis zur Pause Mangelware. Den gepflegteren Aufbau zeigte Bellinzona. St. Gallen wirkte in der Angriffsauslösung ideenlos und vor dem gegnerischen Tor ängstlich. Oft ruhten die Hoffnungen auf dem Faktor Zufall. Man merkte dem Team von Krassimir Balakov in mehreren Situationen an, dass es punkto Selbstvertrauen nicht zum Besten steht, nachdem es aus den vergangenen sechs Meisterschaftspartien nur gerade zwei Punkte geholt hatte.

St. Gallen kam mit blauem Auge davon

In der zweiten Hälfte wurde der Zustand des Terrains immer schlechter. Einige Male blieb der Ball sogar in Pfützen hängen. Beide Mannschaften versuchten deshalb über den Kampf zu weiteren Tormöglichkeiten zu kommen. Nach einer Stunde fiel die vermeintliche Vorentscheidung. Marcos Gelabert foulte im Strafraum Ifet Taljevic. Der schlitzohrige Bellinzona-Regisseur übernahm die Verantwortung für den fälligen Penalty gleich selbst und verwandelte souverän.

St. Gallen drückte danach auf den Anschluss. Der eingewechselte Murat Ural und Gelabert behielten tatsächlich die Nerven. Ural überlupfte den aus dem Tor stürmenden Bellinzona-Goalie Lorenzo Bucchi, Gelabert reüssierte nach zwei Paraden von Bucchi im dritten Anlauf. Trotzdem enttäuschte St. Gallen über weite Strecken. Ein Unterschied zum unterklassigen Gegner war nicht auszumachen. Vor dem Ausgleich hätte Neri für Bellinzona gar das 3:1 auf dem Fuss gehabt. Und schliesslich liessen beim Heimteam auch die Kräfte etwas nach.

Auf-/Abstiegsbarrage, Hinspiel

AC Bellinzona - FC St. Gallen 3:2 (1:0)

Comunale. - 7000 Zuschauer. - SR Rogalla.

Tore: 5. Pouga 1:0. 60. Taljeciv (Penalty) 2:0. 70. Ural 2:1. 75. Gelabert 2:2. 89. Lulic 3:2.

Bellinzona: Bucchi; La Rocca, Mangiaratti, Carbone; Miccolis, Moresi, Rivera (72. Wahab), Lulic; Taljevic, Pouga (78. Conti), Neri (84. Raso).

St. Gallen: Lopar; Zellweger, Koubsky, Schneider, Weller; Calla, Gelabert, Muntwiler, Marazzi (76. Ciccone); Ze Vitor (52. Ural), Aguirre (83. Bratic).

Bemerkungen: Bellinzona ohne Grabbi und Andjelkovic (beide verletzt), St. Gallen ohne Garat (gesperrt), Fernandez, Alex, Haas und Longo (alle verletzt). Verwarnungen: 4. Pouga (übertriebener Torjubel), 12. Aguirre, 30. Rivera, 31. Gelabert, 55. Mangiaratti. 71. Miccolis, 74. Ural, 80. Conti, 85. Taljevic (alle Foul).

LIVE-TICKER

90+3 Das Spiel ist aus! Bellinzona schlägt dank einem Tor in den letzen Minuten den FC St. Gallen mit 3:2.

89. Tor für Bellinzona! Mit einem Traumtor aus 25 Metern erzielt Lulic das 3.2 für Bellinzona. Er trifft in die rechte hohe Torecke.

88. St. Gallen verteidigt nun geschickt. Die Ostschweizer sind mit dem Unentschieden sichtlich zufrieden.

86. Taljevic setzt Miccolis ein. Dieser verstolpert den Ball aber und wird auf die Seite abgedrängt. Da hätte er mehr draus machen müssen.

84. Auch Bellinzona wechselt nun. Für den starken Neri kommt Raso.

83. Zweiter Wechsel beim FCSG. Für Aguirre kommt Bratic.

82. Die Ostschweizer nun wie verwandelt. Der Ausgleich wirkt wie beflügelnd. Nach einem Eckball von Callà klärt Bucchi auf der Linie.

79. Bellinzona reagiert sofort und kommt durch Pouga zu einer gefährlichen Gelegenheit.

76. Tor für den FC St. Gallen! Gelabert erzielt den Ausgleich. Nach einem scharfen Flachschuss von Aguirre kann Bucchi den Ball nur abprallen lassen. Gelabert versenkt den Abpraller mit dem zweiten Versuch.

73. Riesenchance für Bellinzona! Neri kommt vom Elfmeterpunkt völlig frei zum Schuss. Unglaublich: Der Brasilianer setzt den Ball am rechten Pfosten vorbei.

70. Tor für den FC St. Gallen! Zellweger läuft durch das ganze Mittelfeld und spielt den Ball in den Sechzehner. Ural steht goldrichtig und lupft den Ball zum 2:1 über Bucchi ins Tessiner Tor.

67. Riesenchance für St. Gallen! Callà flankt den Ball von der rechten Seite zur Mitte. Aguirre setzt sich im Strafraum durch und scheitert erst am guten Bucchi im Tessiner Tor.

65. Bellinzona konzentriert sich nun ganz auf das Konterspiel. Pouga und Neri sind mit ihrer Schnelligkeit brandgefährlich.

63. St. Gallen ist geschockt. Das Team von Trainer Balakov braucht nun ein Auswärtstor, sonst könnte es für das Rückspiel ganz eng werden.

60. Tor für Bellinzona! Taljevic verwandelt sicher. Er schickt Lopar in die falsche Ecke.

59. Elfmeter für Bellinzona! Taljevic wird von Gelabert im St. Galler Strafraum zu Fall gebracht. Schiedsrichter Rogalla zögerte keinen Augenblick.

57. Freistoss für St. Gallen aus aussichtsreicher Position. Weller verpasst den Ausgleich um wenige Zentimeter. Der Ball fliegt am rechten Pfosten vorbei.

55. Erste Möglichkeit für die AC Bellinzona in der zweiten Halbzeit. Neri spielt sich auch mit Hilfe des Platzes durch die St. Galler Abwehr und zieht ab. Sein Schuss prallt an die Brust von Schneider. Lopar kann aber gerade noch reagieren.

52. Erster Wechsel beim FC St. Gallen. Für Zé Vitor kommt Murat Ural.

50. Der Platz ist kaum mehr bespielbar. In den vielen Pfützen bleibt der Ball immer wieder liegen.

48. St. Gallen macht in der zweiten Halbzeit sofort viel Druck und kann Bellinzona in der eigenen Hälfte einschnüren. Am Strafraum wird es aber zu eng.

46. Weiter geht's! St. Gallen ist im Rückstand und muss das wichtige Auswärtstor suchen. Bellinzona kann St. Gallen kommen lassen und sich auf dem schwer bespielbaren Terrain auf Konter konzentrieren.

45.+1 Die erste Halbzeit ist zu Ende! Bellinzona führt nach einem frühen Tor durch Pouga nicht unverdient mit 1:0. St. Gallen macht in der Offensive noch zu wenig.

44. Wieder wird es brenzlig vor Bellinzonas Tor. Nach einer Freistossflanke von Weller bringt Koubsky den Ball ins Zentrum. Kein St. Galler bringt den Ball aber an den zahlreichen Tessiner Verteidigern vorbei.

42. Nach langer Zeit kommt St. Gallen wieder einmal gefährlich vor das Tor von Bellinzona. Eine Flanke von Callà erreicht Koubsky aber nicht.

39. Auf dem Platz passiert nicht mehr allzu viel. Die zahlreichen Fans, die fast alle im Regen stehen, sorgen dennoch für eine gute Stimmung im Tessin.

34. St. Gallen fehlt vor allem in der Defensive die Agressivität. Pouga und Neri sich immer wieder in Szene setzen.

32. Taljevic wird steil geschickt. Lopar eilt aus seinem Kasten, rutscht aber aus. In letzter Sekunde kann er sich den Ball aber noch krallen.

30.Viele kleine Fouls, die auf dem nassen Terrain oft spektakulär aussehen, prägen das Spiel. Insgesamt wird die Partie aber fair geführt.

26. Miccolis versucht es mit einem Distanzschuss. St. Gallens Torhüter Lopar lässt sich aber nicht überlisten.

23. Das Niveau des Spiels ist etwas abgeflacht. St. Gallen beisst sich immer wieder an der gut stehenden Abwehr von Bellinzona fest.

19. Die Ostschweizer haben die Spielkontrolle übernommen. Auf dem ruschtigen Terrain unterlaufen den St. Gallern aber immer wieder unnötige Stockfehler.

15. Callà ist auf der rechten Seite nach einem Fehler von Carbone plötzlich völlig frei. Mangiaratti rutscht auf dem nassen Rasen gerade noch dazwischen.

14. St. Gallen wird etwas stärker und ist meist in Ballbesitz. Bellinzona reagiert bei einer Balleroberung blitzschnell und kontert.

9. Es ist alles drin in diesem Spiel. Es geht hin und her. Bellinzona kombiniert sich immer wieder frech und direkt durch die St. Galler Abwehr.

6. St. Gallen zeigt sich keineswegs geschockt. Verteidiger Carbone lenkt eine Flanke mit dem Kopf beinahe ins eigene Tor.

5. Tor für Bellinzona! Nach einem herrlichen Steilzuspiel steht Neri plötzlich frei vor Lopar, der mit dem Fuss noch retten kann. Pouga verwertet den Abpraller.

3. Bellinzona versteckt sich aber nicht und versucht sofort, das Spieldiktat zu übernehmen. Es ist ein tolles Spiel in der Anfangsphase.

1. Gleich eine Riesenchance für St. Gallen. Aguirre scheitert mit dem Kopf nach einer herrlichen Flanke von Marazzi.

1. Die Partie hat begonnen! Bellinazona spielt um den Aufstieg, St. Gallen kämpft gegen den Abstieg.

- In Kürze geht es los! Die beiden Mannschaften betreten das Stadio Comunale bei strömendem Regen.

20 Minuten Online berichtet ab 17.45 Uhr live vom Spiel Bellinzona - St. Gallen

Vor dem Spiel

Für die St. Galler wäre der Abstieg eine Katastrophe. Auf die kommende Saison hin erfolgt der Umzug vom altehrwürdigen Espenmoos- Stadion (1910 eröffnet) in die AFG-Arena. Der moderne Fussball- Tempel soll rund 20 000 Fans Platz bieten. Die Baukosten belaufen sich auf zirka 340 Millionen Franken. Mit dieser Infrastruktur gehören die Ostschweizer eigentlich in die oberste Liga. Doch der bisherige Saisonverlauf verheisst nichts Gutes.

Horror-Saison für den FCSG

Den St. Gallern war bereits der Start misslungen. Erst schieden sie im UI-Cup gegen Dacia Chisinau (Mol) im Penaltyschiessen aus. Dann gingen die ersten fünf Meisterschaftspartien verloren. Anfang Oktober wurde der zunehmend erfolglose Trainer Rolf Fringer entlassen. Es folgte vor eigenem Publikum das blamable Cup-Out im Derby gegen das unterklassige Gossau. Dann wurde René Weiler sowohl als Interims-Coach als auch als Sportchef abgesetzt. Unter dem neuen Trainer Krassimir Balakov nahm St. Gallen die Rückrunde mit vier Punkten Rückstand auf den rettenden 8. Rang in Angriff. Der Sprung über den Strich wurde schliesslich um mindestens sieben Zähler verpasst. Der letzte Sieg datiert vom 12. April gegen die Young Boys (2:0).

In personeller Hinsicht gab es weitere Turbulenzen. Der erfahrene Stammgoalie und ehemalige Captain Stefano Razzetti musste dem aufstrebenden Daniel Lopar weichen. Die Mittelfeldspieler Jürgen Gjasula und Franco Di Jorio wurden wegen mangelhafter Einstellung gar suspendiert. Zudem hatte im Herbst Geldgeber Edgar Oehler für Unruhe gesorgt, als er öffentlich die Klubführung attackierte.

Bellinzonas Heimstärke

Besser stehen die Vorzeichen für Bellinzona. Die Tessiner haben nach Siegen gegen die Super-League-Teams Sion und Neuchâtel Xamax den Cup-Final erreicht, in dem sie Meister Basel während einer Stunde zumindest ebenbürtig waren. Der Vorstoss ins Endspiel wurde mit der Teilnahme an der nächsten UEFA-Cup-Qualifikation belohnt. Den direkten Aufstieg in die Super League verpasste die «Granata» wegen einer kleinen Krise nach dem verlorenen Cup-Final. Die Heimbilanz ist trotzdem überragend. In dieser Saison resultierten im Comunale-Stadion aus 20 Partien in Meisterschaft und Cup 18 Siege und 2 Unentschieden.

ACB-Präsident Manuele Morelli ist zuversichtlich für die Barrage: «Wir sind fähig für ein grosses Resultat. Es herrscht viel Enthusiasmus. Im Cup haben wir gezeigt, dass wir mit oberklassigen Gegnern mithalten können. Und der Druck für Favorit St. Gallen ist unglaublich gross.» Morelli glaubt, dass seine Mannschaft aus der letztjährigen Barrage-Pleite gegen Aarau (Gesamtskore 2:5) gelernt hat. «Damals fehlte uns die Erfahrung. Aarau spielte cleverer und effizienter.»

«Silenzio stampa» in St. Gallen

Bei einem allfälligen Aufstieg hätte Bellinzona aber ein Stadionproblem zu lösen. Das Comunale genügt derzeit nicht den Anforderungen der Swiss Football League. Morelli sagt: «Wir würden alles daran setzen, um in Bellinzona spielen zu können. Vielleicht wären ja die Renovationsarbeiten bis Mitte Juli abgeschlossen. Für uns ist auch die Alternative Lugano nach wie vor ein Thema.» Ein Umzug in den 250 Kilometer entfernten Basler St.-Jakob-Park kommt wohl eher nicht in Frage. Denn klar ist gemäss Morelli: Wenn die AC Bellinzona die neue ASL-Saison in einem fremden Stadion beginnt, muss sie das Heimrecht während der ganzen Hinrunde dort wahrnehmen.

Weniger auskunftsfreudig war man in St. Gallen. «Silenzio stampa» hiess das Motto. Nur VR-Präsident Dieter Fröhlich stand Red und Antwort. Seine Parole lautet: «Die bisherige Meisterschaft haben wir abgehakt. Jetzt beginnt es wieder bei Null. Wir wollen zusätzliche Kräfte freisetzen. In der Defensive sind wir in den vergangenen Monaten stabiler geworden. An den Abstieg verschwenden wir keine Gedanken.»

Zellweger ist übrig geblieben

St. Gallen muss heute auf den verletzten Stürmer Adrian Fernandez (Knöchelbruch), den gesperrten Defensivmann Juan Pablo Garat sowie auf die rekonvaleszenten Alex Tachie Mensah, Bernt Haas und Dominique Longo verzichten. Bei Bellinzona dürften die angeschlagenen Corrado Grabbi (ex Juventus Turin, Blackburn Rovers) und Marko Andjelkovic fehlen.

Die AC Bellinzona gehörte letztmals 1990 der höchsten Schweizer Spielklasse an. Seit 2002 und der Zwangsrelegation des FC Lugano ist der Kanton Tessin nicht mehr in der Nationalliga A vertreten. Der FC St. Gallen war letztmals in der Saison 1993/94 B-klassig. Im Jahr 2000 feierten die Ostschweizer ihren zweiten Meistertitel. Von den Helden ist nur Marc Zellweger übrig geblieben. Im Kader figurierte damals temporär auch Francisco Neri. Er kam aber nur gerade zu zwei Einsätzen. Der brasilianische Stürmer geht heute für die AC Bellinzona auf Torejagd. Zur Horror-Saison der St. Galler würde es passen, wenn ausgerechnet Neri den Abstieg besiegeln würde.

(pre/si)

Die letzten Barrage-Spiele:

2007 Bellinzona - AARAU 2:5 (1:2,1:3)

2006 SION - Xamax 3:0 (0:0,3:0)

2005 SCHAFFHAUSEN - Vaduz 2:1 (1:1,1:0)

2004 XAMAX - Vaduz 3:2 (2:0,1:2)

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