«Schändliche Kapitulation» - Ben & Jerry’s provoziert Israel mit Verkaufsstopp
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«Schändliche Kapitulation»Ben & Jerry’s provoziert Israel mit Verkaufsstopp

Das US-Unternehmen bietet seine Glacés nicht mehr in israelisch besetzten Gebieten an. Die Verkäufe seien nicht mehr mit den Werten von Ben & Jerry’s vereinbar. Israel kritisiert den Schritt scharf.

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Glacé von Ben & Jerry’s soll es im Westjordanland und in Ostjerusalem nicht mehr geben. 

Glacé von Ben & Jerry’s soll es im Westjordanland und in Ostjerusalem nicht mehr geben.

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Das US-Unternehmen stellt seinen Verkauf in israelisch besetzten Gebieten ein.

Das US-Unternehmen stellt seinen Verkauf in israelisch besetzten Gebieten ein.

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Eine Verkaufstätigkeit in diesen Gebieten sei mit seinen Werten nicht vereinbar, teilte das Unternehmen am Montag mit.

Eine Verkaufstätigkeit in diesen Gebieten sei mit seinen Werten nicht vereinbar, teilte das Unternehmen am Montag mit.

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Darum gehts

  • Der Glacé-Hersteller Ben & Jerry’s legt sich mit Israel an.

  • Das Unternehmen boykottiert die vom Land besetzen Gebiete.

  • Im Westjordanland und in Ostjerusalem werden daher keine Glacés der US-Firma mehr verkauft.

  • Israel wirft dem Unternehmen die Kapitulation «vor Antisemitismus» vor.

Der amerikanische Glacé-Hersteller Ben & Jerry’s stellt seinen Verkauf in israelisch besetzten Gebieten im Westjordanland und Ostjerusalem ein. Das in Montpelier im US-Staat Vermont ansässige Unternehmen, das zum Unilever-Konzern gehört, teilte am Montag mit, eine Verkaufstätigkeit in israelisch besetzten Gebieten sei mit seinen Werten nicht vereinbar. Es erkenne damit die «von unseren Fans und zuverlässigen Partnern geteilten Bedenken» an.

Das wurde nicht weiter erläutert. Im Juni hatte eine Gruppe «Vermonter für Gerechtigkeit in Palästina» Ben & Jerry’s aufgefordert, die «Komplizenschaft mit der israelischen Besatzung und Verstössen gegen palästinensische Menschenrechte» zu beenden.

Lizenzen nicht erneuert

Die Lizenz für den israelischen Partner, der die Eiscreme für Israel und die Region herstelle, werde nach dem Ende des Jahres nicht erneuert, erklärte das Unternehmen. In Israel solle sie aber in einem neuen Arrangement weiter angeboten werden. Weitere Updates dazu sollen möglichst bald folgen.

Die Dachorganisation jüdischer Siedler, der Jescha-Rat, erklärte, es gebe «keine Notwendigkeit, Produkte von Firmen zu kaufen, die Hunderttausende israelische Bürger wegen des Ortes boykottieren, an dem zu wohnen sie sich entschieden haben».

Kapitulation «vor Antisemitismus»

Der israelische Aussenminister Jair Lapid sprach von einer «schändlichen Kapitulation» Ben & Jerry’s «vor Antisemitismus, BDS und allem Schlechten im antiisraelischen und antijüdischen Diskurs».

BDS - Boykott, Desinvestition und Sanktionen – ist eine palästinensisch geführte Bewegung gegen die israelische Siedlungspolitik in besetzten, nicht zu Israel gehörenden Gebieten. Sie vergleicht sich mit der Bewegung, die im 20. Jahrhundert gegen das Apartheidsystem in Südafrika kämpfte. Sie begrüsste die Entscheidung von Ben & Jerry’s.

Eine arabische Abgeordnete im israelischen Parlament, Aida Tuma-Sliman, sprach bei Twitter von einer «angemessenen und moralischen» Entscheidung.

Langer Konflikt

Um das Westjordanland und Ostjerusalem gibt seit Jahrzehnten einen Konflikt. So hat Israel 1967 die Gebiete im Sechstagekrieg erobert. Die israelische Bevölkerung nimmt das Westjordanland als Siedlungsgebiet in Anspruch und erachtet Ostjerusalem als Teil der Hauptstadt Jerusalem. Die Palästinenser hingegen sehen in Ostjerusalem die Hauptstadt eines künftigen Staates Palästina.

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(AP)

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