Schul-Experiment Basisstufe: Benachteiligte können nur schwer aufholen
Aktualisiert

Schul-Experiment BasisstufeBenachteiligte können nur schwer aufholen

Sprach- und Mathematikdefizite von Kindern aus sozial benachteiligten Familien werden bis Ende der zweiten Klasse nicht aufgeholt. Auch nicht, wenn die Kinder in Leistungsgruppen statt in Jahrgangsklassen unterrichtet werden.

Das ist eines der Ergebnisse in Zwischenberichten zu Schulversuchen mit Basis- und Grundstufen. Bei diesen werden Kindergarten-Kinder zweier Jahrgänge gemeinsam mit Schulanfängern unterrichtet. Basisstufen dauern bis Ende des ersten, Grundstufen bis Ende des zweiten Schuljahres.

Die Differenzierung erfolgt dabei entsprechend der Leistungsfähigkeit der Kinder. Die Klassen werden immer gemeinsam von einer Kindergarten- und einer Primarlehrkraft unterrichtet.

Schulversuche bis 2010

Entsprechende Versuche gibt es seit dem Schuljahr 2004/2005 in rund 160 Klassen in zehn Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein. Die Versuche laufen noch bis 2010. Erst danach wollen die Konferenzen der Erziehungs- und Bildungsdirektoren Empfehlungen zu den neuen Unterrichtsformen abgeben.

Die Zwischenberichte hat am Donnerstag die Erziehungsdirektoren- Konferenz Ost (EDK-Ost) in Absprache mit der EDK Nordwestschweiz und der Bildungsdirektorenkonferenz Zentralschweiz veröffentlicht.

Wissenschaftliche Begleitung

Die Basis-/Grundstufen-Versuche werden vom Institut für Bildungsevaluation der Uni Zürich und der Pädagogischen Hochschule St. Gallen wissenschaftlich begleitet. Für die Begleitstudien wurden rund 1000 Kinder dreimal getestet und befragt.

Dreimal befragt wurden auch Eltern und Lehrkräfte. Dabei wurden auch herkömmliche Kindergarten- sowie Primarklassen einbezogen, um vergleichen zu können.

Bessere Mathematik-Kenntnisse

Die Zürcher Forschenden kommen in ihrem Zwischenbericht zum Schluss, dass die Basis-/ Grundstufenkinder in den ersten beiden Jahren deutlich besser Lesen und Schreiben lernten als Kindergartenkinder. Ende des ersten Schuljahres war der Vorsprung aber weitgehend wieder geschwunden.

Anders sieht es bei der Mathematik aus: Der Vorsprung der Basis-/ Grundstufenkinder vergrösserte sich hier bis zum Ende der ersten Klasse noch. Keine Unterschiede konnten die Forschenden ausmachen, wenn es um die sozialen Kompetenzen der Kinder, deren Wohlbefinden, ihre Selbsteinschätzung oder ihre Anerkennung unter Gleichaltrigen ging.

Soziale Benachteiligung

Auch die neuen Schulformen bieten aber keine Lösung, wenn es ums Aufholen von sprachlichen sowie mathematischen Rückständen geht, die bereits bei Schul- beziehungsweise Kindergartenbeginn bestanden. Die Differenzen zu Kindern aus sozioökonomisch bevorzugten Familien blieben gleich gross. (sda)

Angepasste Lehrmittel fehlen

Die neuen Unterrichtsformen machten Sonder- und Einführungsklassen weitgehend überflüssig, halten die Begelitstudien zur den Basis- und Grundstufenversuchen fest. Sie seien aber für die Lehrpersonen sehr arbeitsaufwendig.

Im Zürcher Zwischenbericht wird auch die Frage aufgeworfen, ob der schrumpfende Lernvorsprung der Grund-/Basisstufen-Kinder gegenüber «normalen» Erstklässlern nicht vielleicht auch mit der Erwartungshaltung der Lehrkräfte zusammenhänge.

Lehrplan, Lehrmittel und Erwartungen seien weitgehend auf die Ziele des ersten Schuljahres ausgerichtet. Das sollte bei der Planung des Übergangs der Basis-/Grundstufe in die Primarschule einbezogen werden.

Schulversuche mit Basis-/Grundstufen gibt es in den Kantonen AG, AR, BE, FR, GL, LU, NW, SG, TG und ZH sowie im Fürstentum Liechtenstein.

(SDA)

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