Aktualisiert 06.02.2008 12:12

Benaglio: «Eine logische Wahl»

Köbi Kuhn hat entschieden: Seine Nummer 1 im Tor heisst Diego Benaglio. In den Schweizer Zeitungen wird der Entscheid überwiegend positiv kommentiert. Ganz verstummt sind die warnenden Stimmen jedoch nicht.

Die meisten Blätter haben einen Kommentar zu Kuhns Entscheid gedruckt. Die Titel sprechen für sich: «Eine logische Wahl», schreibt die «Tribune de Genève». «Gut und logisch», titelt die «Berner Zeitung». Und die «Aargauer Zeitung» findet «Er ist der Richtige». Mit seiner Persönlichkeit und mit seinen fussballerischen Qualitäten habe Benaglio die Anlagen, eine Führungsfigur im Schweizer Nationalteam zu werden, schreibt die AZ weiter.

Ohne falsche Zurückhaltung äussert sich wie gewohnt der «Blick»: Köbi Kuhn sei ein «fast schon genialer Befreiungsschlag» gelungen. Kuhn habe immer an den gleichen Spielern festgehalten, die ihn schon in der U21 nie enttäuscht hatten. «Jetzt ist Schluss damit.» Das «St. Galler Tagblatt» behauptet, dass der Nationalcoach seinen Entscheid bereits vor einiger Zeit gefällt habe: «Denn bereits Ende 2007 stand für Köbi Kuhn fest, dass er den Faktor Zukunft bei der Torhüterwahl höher gewichten würde als alles andere.»

Die «Südostschweiz» fragt sich, ob der eher scheu und introvertiert wirkende Benaglio wirklich reif für den Schritt auf die ganz grosse Bühne sei, kommt aber zum Schluss: «Trotz der Defizite in Sachen Ausstrahlung und Erfahrung spricht wenig dagegen.» Deutlich zurückhaltender gibt sich auch die «Zürichsee Zeitung» angesichts des Drucks, der auf dem jungen Benaglio laste: «Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob die Achillesferse im Schweizer Team vom Chef richtig behandelt wurde.»

Mit wenig Enthusiasmus äussert sich auch die «Basler Zeitung»: «Der Entscheid ist nicht richtig, der Entscheid ist nicht falsch. Er ist überraschend. Und er ist vor allem mutig.» Mit Pascal Zuberbühler verzichte der Trainer freiwillig auf die Erfahrung von 50 Länderspielen. «Das ist gefährlich, denn bei einem Turnier im eigenen Land ist besonders viel Nervenstärke und Erfahrung gefragt.» Auch bei der «Thurgauer Zeitung» aus seinem Heimatkanton kann «Zubi» auf Sympathien zählen. Nicht umsonst sei der Frauenfelder «der erfolgreichste Schweizer Torhüter aller Zeiten». Doch die Vergangenheit zähle halt «im Heute gar nichts mehr».

Einen Kontrapunkt zur grossen Masse der Zeitungen setzt – wieder einmal - die «Neue Zürcher Zeitung». Sie mokiert sich über den Medienrummel: «Mitten im närrischen Fasnachtstreiben wird die kardinale Torhüterfrage zum nationalen Thema stilisiert.» Als ob es von weitreichender Bedeutung wäre, sich jetzt und heute auf einen von drei Keepern festzulegen, «die mit Fliegenfangen fast besser vertraut sind denn mit Ballhalten», schreibt die NZZ mit (eingestandenem) polemischem Unterton.

(pbl)

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