Aktualisiert 06.02.2008 15:05

Benaglio: «Sch... die Wand an, ist der gut»

Die neue Nummer eins im Schweizer Tor steht heute in England vor der ersten Bewährungsprobe. Läuft es wie in Wolfsburg, kann nichts schief gehen: Dort sind die Fans schon jetzt völlig aus dem Häuschen - sie widmeten Diego Benaglio einen Videoclip.

Diego Benaglio hat in Wolfsburg eingeschlagen wie eine Bombe. Nach zwei Siegen und einem gehaltenen Penalty sind einige Fans bereits aus dem Häuschen. «Scheiss die Wand an, ist der gut», schreibt ein Fan auf YouTube. Dort wurde die neue Nummer eins im Schweizer Tor von den VFL-Fans bereits auf einem eigens zusammen geschnittenen Video verewigt. Es zeigt Benaglios beste Szenen, dauert 2 Minuten 39 Sekunden – und das nach gerade mal zwei Spielen. «Top Keeper, den wir da jetzt haben! Was der gegen Schalke gehalten hat … unfassbar! Mit dem werden wir noch viel Freude haben.»

Keine Frage: Benaglio ist in der Bundesliga angekommen. Das zeichnete sich nicht unbedingt ab, als der heute 24-Jährige als Knirps den Tennisschläger schwang. Weil er seine Beinarbeit verbessern sollte, schickten ihn seine Eltern in den lokalen Fussballklub. Beim FC Spreitenbach stand Benaglio mit acht Jahren als E-Junior erstmals ins Tor. Er blieb drin.

Er kann bei Barcelona oder Real Madrid spielen

Von da an ging es stetig aufwärts. Mit 15-Jahren spielte Benaglio beim FC Baden. Dort wurde er vom damaligen Torhütertrainer der Grasshoppers, Milan Sarovic, entdeckt - als Benaglio in einem Spiel einen Ball zwischen den Beinen passieren liess. «Trotzdem war mir sofort klar, dass er ein Grosser wird», sagte Sarovic später. Er holte «den bescheidenen Jungen, der weiss was er will» zu GC. Angetan von Benaglios Können waren sie zuletzt auch in Portugal. «Diego ist jung, und er hat alles, was ein Goalie braucht. Er kann eines Tages bei Barcelona oder Real Madrid spielen», lobte ihn sein Goalietrainer bei CD Nacional Madeira, wo Benaglio von 2005 bis zu seinem Wechsel in die VW-Stadt spielte.

Überragender Mann in der Amateurliga

In Portugal spielte der Zürcher unter Ausschluss der (Schweizer) Öffentlichkeit. Nun ist er in die Bundesliga und mitten ins Rampenlicht gehechtet. Dass er sich bereits in früheren Jahren (2002-2005) beim VFB Stuttgart versuchte, wo er erstmals mit seinem jetzigen Trainer Felix Magath zusammenarbeitete, hat den Wechsel zu Wolfsburg sicherlich begünstigt. Sein Talent wurde aber schon damals erkannt. Eberhard Trautner, Torwarttrainer beim VFB Stuttgart, sagte über ihn: «Er war der überragende Mann in der Amateurliga».

Die Benaglio(Becker)-Faust

Dass Benaglio als ruhig und bedachtsam gilt, wurde ihm verschiedentlich schon als Schwäche vorgeworfen. Die Fans des VFL Wolfsburg freilich sehen das ganz anders. «Man merkt richtig, wie sicher die Abwehr geworden ist. Wenn man so einen Torhüter hat, der so viel Ruhe und Stabilität zeigt, tritt man als Abwehr ganz anders auf», schreibt einer im Forum des VFL Wolfsburg. Und ein anderes Markenzeichen mausert sich bei den Wolfsburgern bereits nach seinen ersten beiden Spielen zu Kultstatus: «Was mir sehr gefällt ist seine Benaglio(Becker)-Faust nach einer gelungenen Aktion.»

Benaglio ist in der Bundesliga angekommen. Bleiben seine Leistungen auf dem Niveau der vergangenen Wochen, muss sich die Schweiz heute Abend gegen England keine Sorgen machen. Trainer Felix Magath sagte nach der Nomination von Benaglio zum Torhüter Nummer eins in der Schweiz: «Jetzt muss er seine Leistung bestätigen. Aber wenn er so hält wie hier, braucht man sich keine Gedanken zu machen.»

Marius Egger, 20minuten.ch

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