Benedikt in Brasilien gelandet
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Benedikt in Brasilien gelandet

Zum Auftakt seiner ersten Reise nach Südamerika hat Papst Benedikt XVI. den Widerstand der Kirche gegen Abtreibungen bekräftigt.

Nach der Ankunft in Brasilien sagte Benedikt, die Bischöfe wollten sich weiterhin für den Respekt des Lebens «vom Moment der Empfängnis bis zum natürlichen Tod» einsetzen. Schon auf dem Flug nach Sao Paulo hatte sich der Papst zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in der mexikanischen Hauptstadt Mexiko-Stadt geäussert.

Auf die Frage eines Reporters, ob er damit einverstanden sei, Abgeordnete in Mexiko-Stadt, die für die Gesetzesänderung gestimmt hatten, zu exkommunizieren, antwortete Benedikt: «Ja. Die Exkommunikation war nicht willkürlich. Sie ist Teil des Kirchenrechts.» Allerdings wurden die Abgeordneten nicht offiziell aus der Kirche ausgeschlossen und Papstsprecher Federico Lombardi sagte, der Pontifex habe nicht die Absicht, das zu tun. Die Politiker, die für die Abtreibung gestimmt hätten, hätten sich selbst vom Sakrament der Heiligen Kommunion ausgeschlossen.

Die Legalisierung von Abtreibungen war nicht eines der Streitthemen, das den Papst in Brasilien erwartete. Ein weiteres war die Abwanderung zahlreicher Katholiken in der Region in protestantisch-evangelikale Freikirchen, die der Papst als seine grösste Sorge bezeichnete. Die katholische Kirche hat in Lateinamerika in den vergangenen Jahren Millionen Gläubige verloren. Dennoch zeige die Verbreitung des Protestantismus, dass die Menschen nach Gott dürsteten, erklärte Benedikt in einer Pressekonferenz an Bord seines Flugzeuges. Bei der bevorstehenden Generalkonferenz der lateinamerikanischen und karibischen Bischöfe im Wallfahrtsort Aparecida werde er eine Strategie vorstellen, die auf diese Herausforderung eingehe, sagte der Papst. «Wir müssen dynamischer werden.»

Es ist die erste Südamerika-Reise seiner Amtszeit. Benedikt feiert in Brasilien zwei Messen unter freiem Himmel, zu denen mehr als eine Million Gläubige erwartet werden. Bereits am Mittwoch erwarteten tausende Gläubige den Papst und versammelten sich im strömenden Regen in der Umgebung des Klosters, in dem er wohnt.

Zur Heiligsprechung des Franziskaner-Mönchs Antonio Galvao wird der Papst am Freitag auf dem Flughafen von Sao Paulo vor rund einer Million Menschen sprechen. Weitere 350.000 Gläubige werden zur zweiten Messe am Sonntag in Aparecida erwartet. Ausserdem auf dem Programm stehen ein Treffen mit dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva und Gespräche mit Vertretern verschiedener Religionsgruppen. Ein Sprecher Lula da Silvas sagte, der Präsident beabsichtige nicht, umstrittene Themen wie Abtreibung oder die von der Regierung praktizierte Verteilung von Kondomen zur Aids-Bekämpfung anzuschneiden. (dapd)

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