Benedikts XVI. «tiefe Scham»
Aktualisiert

Benedikts XVI. «tiefe Scham»

Papst Benedikt XVI. hat seinen USA-Besuch mit einem Bekenntnis «tiefer Scham» über die Sexskandale in der katholischen Kirche eröffnet.

«Es ist ein grosses Leid für die Kirche in den Vereinigten Staaten, für die Kirche überhaupt und für mich persönlich, dass dies passieren konnte», sagte Benedikt bei der Ankunft auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews auf Englisch.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche sagte, es werde alles getan, um einen Missbrauch von Kindern durch Geistliche in Zukunft auszuschliessen. Die katholische Kirche der USA hat seit 1950 zwei Milliarden Dollar (1,26 Milliarden Euro) an Schadensersatz wegen Missbrauchsfällen gezahlt, zumeist in den vergangenen sechs Jahren. Allein im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Kirche 691 neue Fälle bekannt.

Benedikt bekräftigte, dass pädophil veranlagte Männer kein Priesteramt bekleiden könnten. «Ich will in diesem Moment nicht über Homosexualität sprechen, aber über Pädophilie, was eine andere Sache ist», sagte der Papst. «Wir werden Pädophile auf jeden Fall vom Heiligen Dienst ausschliessen. Es ist wichtiger, gute Priester zu haben als viele Priester. Wir werden alles tun, um diese Wunde zu heilen.»

Grosser Bahnhof im Weissen Haus

Papst Benedikt XVI. ist anschliessend von Präsident George W. Bush im Weissen Haus empfangen worden. Beide bezeichneten dabei Glaube und Religion als Grundlage für politisches Handeln.

«Eine Demokratie ohne Werte kann ihre eigene Seele verlieren», meinte der Papst, der am Mittwoch seinen 81. Geburtstag feierte. Zugleich rief er die USA auf, friedliche Konfliktlösung durch «internationale Demokratie» in der Welt zu unterstützen.

Mit Blick auf den islamischen Extremismus meinte Gastgeber Bush, gerade in Zeiten des Terrorismus im Namen Gottes «brauchen wir Ihre Botschaft, dass Gott Liebe bedeutet.»

Geburtstagsständchen

Rund 10 000 Gäste waren zur farbenprächtigen Zeremonie vor dem Weissen Haus gekommen, dem grössten Ereignis dieser Art seit Amtsantritt Bushs vor acht Jahren.

Zu Ehren des Jubilars wurden 21 Salutschüsse abgefeuert, die Künstlerin Kethleen Battle sang das «Vaterunser». In einer spontanen Geste überraschten die Gäste den Papst mit einem «Happy Birthday».

«Geburtstage werden normalerweise mit engen Freunden gefeiert», sagte Bush. «Umso bewegter und geehrter ist unsere Nation, dass Sie diesen besonderen Tag bei uns verbringen».

Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche zeigte sich sichtlich bewegt, erwähnte aber seinen Geburtstag in seiner Rede mit keinem Wort.

Irak-Krieg nicht erwähnt

Anschliessend zogen sich Bush und der Papst zu einem vertraulichen Gespräch ins Oval Office zurück. Unklar war, ob der Papst dabei seine Ablehnung des Irak-Kriegs und der Todesstrafe zur Sprache brachte. Das höchste US-Gericht hatte ausgerechnet am Tag des Papstbesuches die Giftspritze bei Hinrichtungen für zulässig erklärt.

In seiner Begrüssungsrede vor dem Weissen Haus erwähnte der Papst den Irak-Krieg nicht namentlich. Er forderte die USA auf, die «geduldigen Bemühungen der internationalen Diplomatie zur Lösung von Konflikten und zur Förderung von Fortschritt zu unterstützen».

Zugleich kündigte der Papst an, in seiner Rede vor der UNO am Freitag in New York das Thema Menschenrechte in den Mittelpunkt zu stellen. In Washington stand aber zunächst noch unter anderem ein Treffen mit den US-Bischöfen auf der Besuchsprogramm des Papstes.

Es war erst der zweite Besuch eines Papstes im Weissen Haus. Zuletzt war Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. 1979 von Präsident Jimmy Carter empfangen worden.

(dapd)

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