Aktualisiert 21.03.2011 14:39

Bürgerkrieg in LibyenBengasi rüstet sich für die letzte Schlacht

In Libyen toben heftige Kämpfe um Adschdabija und Misrata. Die Rebellen in Bengasi bereiten sich auf den Kampf vor. Die Armee forderte sie auf, sich zu ergeben.

Libysche Regierungstruppen haben am Donnerstag erneut die bisher von Aufständischen gehaltene Stadt Adschdabija angegriffen. Augenzeugen zufolge wurde die Stadt von drei Seiten belagert, zudem seien über mehrere Stunden Angriffe aus der Luft erfolgt.

Nach Angaben von Ärzten sind bei den seit Dienstag anhaltenden Kämpfen mindestens 30 Menschen getötet worden. Die libysche Opposition bat die internationale Gemeinschaft um Hilfe. Angesichts der jüngsten Entwicklungen erhöhten auch die USA den Druck auf die UN und forderten ein militärisches Eingreifen.

Nachschub für Truppen

Die im Osten des Landes gelegene Stadt Adschdabija ist die letzte Bastion der Aufständischen entlang der Strasse nach Bengasi. Fernsehbilder zeigten Spuren heftiger Kämpfe entlang wichtiger Zufahrtsstrassen. Die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi wurden unterdessen umfangreich mit Nachschub versorgt. Lastwagenkolonnen brachten neue Munition, Raketen und sonstige Vorräte. Einige der Luftangriffe wurden aber offenbar von den Rebellen ausgeführt, die nach eigenen Angaben ebenfalls über drei Flugzeuge verfügen.

Ein Sprecher der Regimegegner, Mustafa Gheriani, erklärte am Donnerstag, die Regierungstruppen würden in der Rebellen-Hochburg Bengasi auf noch grösseren Widerstand stossen. Die Stadt sei «bis an die Zähne bewaffnet». Die Opposition hoffe auf eine rasche Bewilligung einer Flugverbotszone durch den UN-Sicherheitsrat. «Wenn nicht, werden wir uns auf uns selbst verlassen und tun, was wir können», sagte Gheriani.

Angriff auf Flughafen Bengasi

Eine versuchte Bombardierung des Flughafens von Bengasi durch die Luftwaffe Gaddafis war Gheriani zufolge nicht erfolgreich. Nach Angaben eines Bewohners von Bengasi meldeten sich zahlreiche junge Männer in der Stadt in Erwartung eines bevorstehenden Grossangriffs freiwillig zu einem militärischen Grundtraining.

Das Internationale Rote Kreuz begann wegen der verschlechterten Sicherheitssituation am Donnerstag mit dem Rückzug aus Bengasi. Alle Einrichtungen würden Richtung Osten nach Tobruk verlagert, wo Opfer des Konflikts weiter behandelt würden, sagte der Libyen-Koordinator des Roten Kreuzes, Simon Brooks. Mitarbeiter des libyschen Roten Halbmondes seien weiterhin in der Stadt aktiv.

Misrata weiter umkämpft

Die Opposition hat ihre strategischen Positionen gegen Angriffe der Truppen von Gaddafi behauptet. In der belagerten Stadt Misurata, 210 Kilometer östlich von Tripolis, konnten die Verteidiger massive Artillerie- und Panzerattacken abwehren.

Spitalärzte berichteten am Donnerstagmittag dem arabischen Fernsehsender Al-Dschasira, sie hätten 80 getötete Pro-Gaddafi-Soldaten gezählt. Aus anderen Quellen konnte dies allerdings nicht bestätigt werden.

Ultimatum gestellt

Der Machthaber erschien in einem Bericht des libyschen Fernsehens. Offenbar traf er junge Leute aus Misrata. «Ab heute Abend werdet ihr an den Waffen trainiert, und morgen werdet ihr an der Schlacht teilnehmen», sagte Gaddafi. Er rief seine Zuhörer auf, die Stadt nicht «einer Handvoll Verrückter» zu überlassen.

Die libysche Armee setzte den Rebellen unterdessen erneut ein Ultimatum: Die Armee setze ihre Einsätze ab Sonntag aus, um den Rebellen Zeit zu geben, sich zu ergeben, meldete die libysche Nachrichtenagentur Jana. Sie könnten mit einer Amnestie rechnen, wenn sie die Waffen niederlegten.

Libyer fliehen aus dem Land

Wegen der Kämpfe in Libyen stieg erstmals auch die Zahl der libyschen Flüchtlinge stark an, wie EU-Krisenreaktionskommissarin Kristalina Georgieva am Donnerstag mitteilte. Nachdem bislang fast ausschliesslich Arbeitsmigranten oder Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Staaten Libyen verlassen hätten, versuchten in den letzten 24 Stunden immer mehr libysche Familie über die Grenzen nach Ägypten oder Tunesien zu gelangen.

«Es handelt sich um Frauen, Kinder, Ältere, die sich in Sicherheit bringen wollen», sagte die EU-Kommissarin. Die Bedingungen an den Grenzen hätten sich verschlechtert, und es gebe keine ausreichenden Kapazitäten, um Arbeitsmigranten in ihre Heimat zu bringen. Unter den 6.000 Flüchtlingen, die in den vergangenen Tagen das Land verlassen hätten, seien 700 Libyer gewesen, sagte Georgieva. (dapd)

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