VW e-Up: Bengel unter Strom
Aktualisiert

VW e-UpBengel unter Strom

Herzig war der VW Up ja schon immer, doch mit seinem neuen, druckvollen Elektromotor wird er richtig frech. Leider gilt das auch in Bezug auf den Preis.

von
Nina Vetterli-Treml

Es hat lange gedauert, bis die Wolfsburger ihren ersten Stromer zur Welt brachten. Und sie schienen weniger motiviert als die Bayern, die ihren BMW i3 von Anfang an als Elektro-Wunschkind geplant hatten: Statt einem neuen Modell gabs bei VW einfach ein bestehendes mit neuem Antrieb und «e» vor dem Schriftzug.

Doch der e-Up wirkt dadurch nicht etwa verschupft. Süss, wie der Kleine am Ladekabel nuckelt. Wie er per Smartphone-App wissen lässt, wann er voll ist. Und mit einem frechen Pieps signalisiert, dass er loswill – gerne ins Getümmel, denn er ist ein Stadtkind und die Strasse sein Spielplatz. Beim Fangis an der Ampel gewinnt er dank spontan abrufbaren 210 Nm Drehmoment fast immer. Beim Spurwechsel sowieso: Zack, der 3,5-Meter-Knirps schiesst so flink in freie Lücken, dass die Leute nicht wissen, ob sie den Mittelfinger oder Daumen zeigen sollen.

Dabei hat er ein gutes Herz: ein 82 PS starkes und vor allem reines. Er ist weitaus nicht so vorlaut wie seine knatternden Benzin-Brüder und erfordert wegen des Eingang-Getriebes auch keine feste Schalt-Hand. Alles wirkt durchdacht – von den platzsparend im Unterboden platzierten Akkus über das stromsparende LED-Tagfahrlicht bis zur mehrstufig regulierbaren Rekuperation beim Ausrollenlassen.

Und doch kann der kleine Viertürer nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Elektroantrieb noch in den Kinderschuhen steckt: Wenn der Spass hoch und der Innenraum warm sein sollen, schmelzen die 160 Kilometer gern auf 90. Und wenn mans eilig hat, ist das stundenlange Strom-Nuckeln dann doch nicht mehr so süss.

Wer ihn adoptieren will, braucht also eine gute Planung. Und Geld: Die Serienausstattung mag gut und die Konkurrenz unter dem Strich nicht viel günstiger sein, aber 32'700 Franken sind dann doch recht viel für ein Auto, das es ohne «e» schon ab 13'550 Franken gibt.

VW E-Up

Modell: 5-türiger Kleinwagen mit 4 Plätzen.

Motor: E-Maschine mit 82 PS (60 kW)

Fahrleistungen: 0-100 km/h in 12,4 s. Höchstgeschwindigkeit 130 km/h.

Verbrauch: 11,7 kWh/100 km, 0 g CO2/km.

Preis: ab Fr. 32'700 .

Marktstart: ab sofort.

Infos: www.volkswagen.ch

Alltag

Die Antriebstechnik schränkt weder den Komfort noch Platz merklich ein. Für Kurzstrecken-Fahrer ohne Reichweiten-Angst ist der e-Up ein prima Alltagsauto.

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Geld

Anders als bei vielen Konkurrenten ist nebst der guten Ausstattung auch die Batterie im Preis inbegriffen. Trotzdem sind 32'700 Franken zu viel für so ein kleines Auto.

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Sexappeal

Der unprätentiöse Look wird den einen gefallen, die anderen wiederum stören. Renault Zoe, BMW i3, Nissan Leaf und Co. bieten mehr Show fürs teure Geld.

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Spass

Der E-Motor arbeitet leiser, harmonischer und druckvoller als die 3-Zylinder im Up-Programm. Eigentlich ist er der perfekte Antrieb für den wendigen Flitzer.

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Umwelt

In der Gesamtbilanz mag ein Elektroauto wie der e-Up dann doch nicht so umweltfreundlich sein, aber zumindest lokal stösst es keine Emissionen aus.

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Gesamt

VW hat die typischen E-Auto-Probleme bezüglich Preis, Reichweite und Ladezeiten nicht überwunden. Aber mit dem e-Up einen soliden kleinen Stromer gebaut.

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«In puncto Antriebskomfort und Fahrspass ist der e-Up der bessere Up. Die Nachteile des elektrischen Fahrens kann er damit leider nicht wettmachen.»

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