2 Polizistinnen erschossen: Benjamin H. (36) hat sich im Gefängnis radikalisiert
Aktualisiert

2 Polizistinnen erschossenBenjamin H. (36) hat sich im Gefängnis radikalisiert

Eine Schiesserei in Lüttich forderte vier Todesopfer: Der Täter stach auf zwei Polizistinnen ein und erschoss sie mit ihren Dienstwaffen. Er war auf Hafturlaub.

von
gux/sil
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Szenen des tödlichen Angriffs in Lüttich: Ein Mann, der Benjamin H. sein soll, läuft mit erhobenen Armen die Strasse entlang.

Szenen des tödlichen Angriffs in Lüttich: Ein Mann, der Benjamin H. sein soll, läuft mit erhobenen Armen die Strasse entlang.

AP
Zuvor hatte er zwei Polizistinnen von hinten mit einem Messer angegriffen, ihnen die Dienstwaffe entwendet und sie sowie einen jungen Autofahrer erschossen.

Zuvor hatte er zwei Polizistinnen von hinten mit einem Messer angegriffen, ihnen die Dienstwaffe entwendet und sie sowie einen jungen Autofahrer erschossen.

Beim Schusswechsel mit der Polizei wurde Benjamin H. erschossen.

Beim Schusswechsel mit der Polizei wurde Benjamin H. erschossen.

Im belgischen Lüttich ist es am Dienstag gegen 10.30 Uhr zu einem tödlichen Zwischenfall gekommen: Ein Mann erschoss vor einem Café zwei Polizistinnen und einen jungen Mann, wie das staatliche Fernsehen RTBF berichtet.

Geiselnahme in Belgien

(Video: Tamedia/Twitter)

(Quelle: Tamedia/Twitter)

Wie Staatsanwalt Philippe Dulieu an einer Pressekonferenz mitteilte, habe Benjamin Herman die beiden Polizistinnen von hinten mit einem Messer angegriffen. Anschliessend habe der 36-Jährige sich eine Dienstwaffe gegriffen und die beiden Frauen damit erschossen. «Dann eröffnete er das Feuer auf ein geparktes Auto und tötete einen 22-jährigen Mann auf dem Beifahrersitz», sagte Dulieu.

Angreifer nahm Geisel in Schule

Benjamin H. flüchtete als dann in eine Schule, wo er eine Angestellte kurzzeitig als Geisel nahm. Als eine Spezialeinheit der Polizei anrückte, «verliess er das Gebäude eröffnete das Feuer auf die Beamten und verletzte einige von ihnen, bevor er erschossen wurde», sagte Dulieu. Die Geisel wurde nicht verletzt.

Nach der Attacke auf Polizisten verdichten sich die Hinweise auf ein islamistisches Tatmotiv. Der Name des Täters habe wegen seiner Kontakte zu Islamisten auf einer Überwachungsliste der Polizei gestanden, verlautete aus Ermittlerkreisen. Es werde vermutet, dass sich Benjamin H. im Gefängnis radikalisiert habe. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen des «Verdachts auf eine terroristische Straftat» ein.

Benjamin H. war auf zweitägigem Hafturlaub

Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um ein gezieltes Attentat auf Polizisten handelte. «Offenkundig war es das Ziel des Attentäters, die Polizei zu attackieren», sagte Lüttichs Polizeichef Christian Beaupere. Vier Beamte seien bei dem Angriff verletzt worden. Einer von ihnen habe eine Verletzung der Oberschenkelarterie erlitten, er schwebe aber nicht mehr in Lebensgefahr.

Weiter berichtet der belgische TV-Sender RTBF, Benjamin H. sei derzeit auf einem zweitägigen Hafturlaub. Am Dienstag hätte er zurück ins Gefängnis gehen müssen. Grund für den Hafturlaub sei die Vorbereitung für seine geplante Freilassung im Jahr 2020.

Täter sass seit 2003 in Haft

Benjamin H. war wegen Raubüberfällen, Gewalttaten und Drogenhandels verurteilt. Er sass seit 2003 in Haft und befand sich auf Freigang. Den Angaben zufolge beging er bereits am Montagabend in Südbelgien einen Mord. Die Staatsanwaltschaft bestätigte eine Verbindung zwischen den beiden Taten zunächst nicht. Laut Belgiens Justizminister Koen Geens hatte der Täter in der Vergangenheit etwa zwanzig Mal Freigang erhalten, ohne dass es zu Zwischenfällen kam.

Die Schüler des Gymnasiums, wo es zur Geiselnahme gekommen war, seien in Sicherheit, so der TV-Sender RTBF. Sie werden psychologisch betreut. Die Schule bleibt bis und mit Mittwoch geschlossen.

Ein Anwohner filmte den Einsatz der Spezialeinheit und stellte das Video auf Facebook:

Auch andere Lütticher twitterten vom Schusswechsel:

(gux/sil/sda/afp)

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