Aktualisiert 19.10.2006 14:26

BenQ: 1950 Stellen werden gestrichen

Bei dem insolventen deutschen Handy-Hersteller BenQ Mobile verlieren fast zwei Drittel der 3 000 Mitarbeiter ihre Jobs. Der BenQ-Insolvenzverwalter Martin Prager verkündete den Abbau auf einer Belegschaftsversammlung des Unternehmens.

In den Bereichen Fertigung und Verwaltung sollen sogar drei Viertel aller Arbeitsplätze wegfallen. Lediglich der Bereich Forschung und Entwicklung werde von dem Stellenabbau weitgehend geschont. Hier würden über 500 von 700 Jobs erhalten.

Ein radikaler Umbau der ehemaligen Siemens-Handy-Sparte sei die einzige Chance, zumindest rund 1.150 Arbeitsplätze zu retten, betonte Prager. Betroffen von dem Stellenabbau ist vor allem der Produktionsstandort Kamp-Lintfort, wo 1.100 von 1.800 Arbeitsplätzen wegfallen, am Unternehmenssitz in München werden rund 850 von 1.300 Jobs gestrichen. Den Betroffenen sollen Beschäftigungs- und Qualifizierungsmassnahmen angeboten werden.

Sie brauchen den Angaben zufolge bereits kommende Woche nicht mehr an ihrem Arbeitsplatz zu erscheinen, erhalten aber wie der verbleibende Rest der Belegschaft bis Jahresende in gleicher Höhe Insolvenzausfallgeld.

Prager machte indirekt auch das frühere Siemens-Management für die Pleite mitverantwortlich. BenQ sei von seinen Altlasten, dem Restrukturierungsaufwand und seiner komplexen Konzernstruktur erdrückt worden, erklärte der Insolvenzverwalter. «In dieser Hinsicht ist den BenQ-Mitarbeitern nichts vorzuwerfen», betonte auch Benq-Deutschland-Chef Clemens Joos. «Im Gegenteil sie haben einen sehr guten Job gemacht.»

Das neue Geschäftsmodell, mit dem zumindest ein gutes Drittel des Unternehmens gerettet werden soll, sieht eine Konzentration auf die Entwicklung und das Design von Handys für Auftraggeber mit Fremdmarken vor, wie Prager in München erklärte. «Nach drei Wochen intensiver Prüfung ist klar, dass dies die einzige Chance ist, das Unternehmen als Ganzes zu erhalten», sagte der Insolvenzverwalter. Die jetzigen Einschnitte seien hart, aber man werde überlebenswichtige Funktionen für das Unternehmen erhalten können. Der Insolvenzverwalter will den Handy-Hersteller bis zum Jahresende wieder in die Nähe schwarzer Zahlen bringen, um Investoren zur Rettung des Unternehmens zu finden.

Der taiwanische Mutterkonzern BenQ, der die Handysparte vor einem Jahr von Siemens samt mehrerer hundert Millionen Euro Mitgift übernommen hatte, stoppte Ende September überraschend die Zahlungen an die deutsche Niederlassung. Die hochdefizitäre deutsche BenQ Mobile musste noch am folgenden Tag Insolvenz wegen Zahlungsunfähigkeit beantragen. (dapd)

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