2,4 Tonnen schwer und deutlich über 400 PS stark ist dieser Bentley Turbo S von 1995. Und fährt sanft wie eine Katze.
Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
26.09.2020 10:00

Bentley Turbo S – selten und sanft

Vor 25 Jahre legte Bentley alle Zurückhaltung ab und implantierte F1-Technik in den Bentley Turbo R. Damit beschleunigte der 2,4-Tonner fast wie ein Supersportwagen jener Zeit. Gleichzeitig bot er die Bequemlichkeit eines Clubsalons.

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Bruno von Rotz
26.9.2020

Im März 1982 feierte der Bentley Mulsanne Turbo am Genfer Autosalon seine Premiere. Normalerweise gaben Bentley und Rolls-Royce die Motorleistung damals mit «ausreichend» an. Dank Turboaufladung waren es nun «ausreichend plus 50 Prozent» oder im Prinzip mehr als ausreichend. Der Mulsanne war zu diesem Zeitpunkt als Grundmodell schon zwei Jahre auf dem Markt, wurde aber in immer wieder neuen Versionen (und unter anderen Namen) bis 1998 gebaut.

Klassisches Heckdesign mit grossen Leuchten und kantigem Abschluss.

Klassisches Heckdesign mit grossen Leuchten und kantigem Abschluss.

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Passt bestens vor die Oper, ein Schloss oder auch ein Riegelhaus.

Passt bestens vor die Oper, ein Schloss oder auch ein Riegelhaus.

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Über CHF 300’000 legte an, wer 1995 einen Bentley Turbo S vor sein Häuschen stellen wollte.

Über CHF 300’000 legte an, wer 1995 einen Bentley Turbo S vor sein Häuschen stellen wollte.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com

Mehr Leistung und kürzerer Name

Bereits im März 1985 trat der Bentley Turbo R die Nachfolge des Mulsanne Turbo an. Wieder wurde die Premiere am Genfer Autosalon gefeiert. Das «R» stand für «Roadholding», also Strassenlage. Tatsächlich hatte man dem Bentley ein verbessertes Fahrwerk und fette Reifen der Dimension 275/55 VR 55 sowie einen grossen Frontspoiler spendiert. Das Preisschild lautete auf CHF 219’500.

Über die Jahre stieg die Motorleistung dank Einspritzung und anderen Verbesserungen an. Doch es ging noch mehr. Im Oktober 1994 zündete Bentley anlässlich der British International Motor Show in Birmingham die letzte Leistungsstufe, genannt Turbo S. Zwischen dem ebenfalls brandneuen TVR Cerbera, dem Caterham 21 oder dem auf dem Lotus-Stand glänzenden Bugatti EB110 mag der Turbo S nicht aufgefallen sein, aber unter dem Blech hatte er einiges zu bieten.

Während man nämlich inzwischen dem normalen V8 Turbo 360 PS attestierte, sollten es beim Turbo S 430 PS sein, und dies bei unverändertem Leergewicht. 800 Nm Drehmoment wurden genannt und es lag bereits bei 2000 bis 2200 Umdrehungen an. Ein neu konzipiertes Ansaugsystem in Verbindung mit einem Wasser-Luft-Intercooler sowie einem von der F1-Technik inspirierten Motormanagement und ein höherer Ladedruck von nun 0,56 bar wurden als Quelle für die Mehrleistung genannt. Als Fahrleistungen wurden weniger als 6 Sekunden für den Spurt von 0 bis 100 km/h versprochen, als Spitzengeschwindigkeit 250 km/h (limitiert).

CHF 319’800 wurden als Neupreis für den nur limitiert angebotenen Turbo S genannt. Etwas 60 Stück wurden in den Jahren 1994/1995 gebaut.

Sanfte Gewalt

Es ist immer ein besonderes Gefühl, sich in einen Bentley Turbo zu setzen. Trotz seiner schieren Grösse (5,4 m x 1,95 m x 1,49 m) und des doch erheblichen Gewichts von 2,4 Tonnen wirkt der Bentley dank seiner grossen Fensterflächen und der gut dosierten Servounterstützung handlich. Natürlich fühlt man das Gewicht, aber es lässt den Wagen trotz der Niederquerschnittsreifen sanft abrollen. Alles wirkt majestätisch und edel. Gestartet wird der Motor per Zündschlüssel links vom Lenkrad, für die Bedienung des Vierstufen-Automatikgetriebes wird ein konventioneller Schalthebel auf der Mittelkonsole genutzt. Mit fast unterirdischen Drehzahlen setzt sich der Wagen in Bewegung. Vom Turbo spürt man kaum etwas, aber Kraft ist immer genug vorhanden. Beschleunigung ohne Hektik ist angesagt. Dank hoher Sitzposition hat man die Situation gut im Griff, das hochwertige Fahrwerk mit rundum einzeln aufgehängten Rädern wird man kaum je herausfordern, warum sollte man auch. Meistens will man aber gar nicht schnell sein, sondern mit leise säuselndem V8 genüsslich durch die Landschaft gondeln, die Füsse im hochflorigen Wilson-Teppich abgestützt, das feine Leder der Sitze fühlend, die eleganten Armaturen auf wertvoller Holzarbeit betrachtend. Die Emily auf der Kühlerhaube fehlt einem dabei nicht, schliesslich bevorzugt man Understatement. Ein Gentleman schweigt und geniesst …

Weitere Informationen, viele Bilder und ein Tonmuster gibt es auf www.zwischengas.com.

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16 Kommentare
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Martial2

27.09.2020, 12:44

Rolls Royce & Bentley die schönsten, elegantesten und nobelsten Wagen der Welt. Very British!

Rolf

27.09.2020, 10:37

Liebe Verfasser Die Kühlerfigur des Bentley war das Flying B, die Emily ziert normalerweise den Kühler eines Rolls Royce.

S. Berger

27.09.2020, 09:35

430 PS war damals eine Menge Holz. Hut ab!