Euro-Kurs: Benzinpreis schnellt sofort nach oben
Aktualisiert

Euro-KursBenzinpreis schnellt sofort nach oben

Immer wenn der Franken stieg, erklärte die Benzinbranche, dass das keinen Einfluss auf den Benzinpreis habe. Sobald er fällt, ist alles anders.

von
Philipp Dreyer

Weil die Schweizer Nationalbank ein Wechselkursziel von 1.20 Franken pro Euro festgelegt hat, ist auch der Dollar teurer geworden. Das spürten bereits die Autofahrer an der Zapfsäule. Der Liter Bleifrei bei Avia in Zürich kostete zum Beispiel 1.70 Franken. Das sind drei Rappen mehr als tags zuvor.

«Die Dollarnotierungen sind im Fahrwasser des Euros gestiegen», lässt Avia-Sprecher Patrick Staubli verlauten. Soll heissen: Weil Öl in Dollar gehandelt wird, ist nun auch das Benzin teurer. Schon öfter hatten Automobilisten das Nachsehen, als Tankstellenbetreiber mit Währungsschwankungen argumentierten: Bei der Frankenstärke etwa erklärten die Benzingesellschaften, dass sie ihre grossen Vorräte zu hohen Preisen eingekauft hätten und darum die Preise nicht senken könnten.

«Das ist völlig absurd», meint Niklaus Boss, Geschäftsführer der Erdöl-Vereinigung. «Wegen der ständigen und unvorhergesehenen Änderungen an den Treibstoffbörsen kauft kein Händler zu viel Ware ein.» Das Risiko sei viel zu hoch, um zu spekulieren. «Steigt der Dollar auf 1.20 Franken, ist es durchaus möglich, dass der Benzinpreis über zwei Franken pro Liter steigen wird», warnt er. BP-Sprecherin Isabelle Thommen relativiert: «Das ist rein spekulativ, da der Erdölmarkt sehr volatil ist.» BP habe dieses Jahr bereits elf Preissenkungen und ebenso viele Erhöhungen vorgenommen.

SNB-Entscheid wirft hohe Wellen

Der historische Entscheid der Schweizerischen Nationalbank, den Euro nicht unter 1.20 Franken sinken zu lassen, hat international hohe Wellen geworfen. Die «Financial Times» sprach von einem kühnen Schritt, der hohe Risiken berge. Die Nationalbank spiele mit der Massnahme ihren letzten grossen Trumpf aus, um die Frankenstärke zu brechen, schreibt das Blatt in seiner gestrigen Ausgabe. Die «Financial Times» zitiert Analysten, die befürchten, dass die Massnahmen der SNB den globalen Währungskrieg intensivieren und damit das internationale Finanzsystem weiter destabilisieren könnte. Der Eurokurs lag gestern Abend bei 1.2102 Franken.

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