Aktualisiert 11.01.2012 19:34

«Fürchterliche Szenen»Beobachter der Arabischen Liga gibt entsetzt auf

Anwar Malek, Beobachter in Syrien für die Arabische Liga, hat das Land wieder verlassen. «Ich habe Horrorszenen gesehen», sagt er.

Ein Mitglied der Beobachtermission der Arabischen Liga in Syrien hat aus Protest gegen die anhaltende Gewalt des Regimes seinen Rücktritt eingereicht. Der Beobachter erhob schwere Vorwürfe gegen den syrischen Präsidenten Baschar al- Assad.

«Was ich gesehen habe, war ein humanitäres Desaster», sagte der aus Algerien stammende Beobachter Anwar Malik am Mittwoch im Fernsehsender Al-Dschasira. «Das Regime verübt nicht ein Kriegsverbrechen, sondern eine ganze Reihe von Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung.»

Malik räumte unumwunden das Scheitern der Arabischen Liga ein: «Der Einsatz war eine Farce, und die Beobachter sind an der Nase herumgeführt worden.»

Dem Regime geholfen

Er sei Zeuge fürchterlicher Szenen geworden und habe diese nicht verhindern können - im Gegenteil: Durch seine Tätigkeit habe er es Assads Regime sogar erleichtert, das Töten fortzusetzen. «Ich hatte das Gefühl, dass meine Arbeit dem Regime dient», sagte Malik.

Les soldats syriens cachent les corps

Malik kritisierte auch den Leiter des Beobachterteams, den sudanesischen General Mohammed Ahmed Mustafa al-Dabi. Die Eignung Al- Dabis war bereits von Menschenrechtsgruppen wegen dessen Rolle beim Konflikt in Darfur in Frage gestellt worden.

Blutiger Montag in Syrien

Assad siegessicher

Oberst Akram Mohammed Hussein, Bürochef al-Dabis, sagte auf Anfrage, Anwar Malik habe aus gesundheitlichen Gründen um seine Entlassung gebeten.

Interview de Bachar Al-Assad

Die Arabische Liga hatte die Beobachter im Dezember nach Syrien geschickt, um die Umsetzung des ausgehandelten Friedensplans zu überwachen, darunter den vom Regime versprochenen Abzug der Armee aus den Städten und die Freilassung der politischen Gefangenen.

Überraschend tauchte Assad am Mittwoch in Damaskus an einer Kundgebung von Anhängern auf und bekräftigte seine harte Haltung gegen Kritiker. «Wir werden ohne Zweifel siegen», sagte der Präsident in Begleitung seiner Frau Asma und ihrer beiden Kinder.

Waffenlieferungen gestoppt

Russland und der Iran liefern offenbar trotz des vom Westen verhängten Waffenembargos weiter Militärmaterial an das syrische Regime. In zwei voneinander unabhängigen Aktionen unterbanden die Türkei und Zypern Waffen- und Munitionslieferungen an Syrien.

Türkische Zöllner stoppten am Mittwoch laut Regierungsangaben vier iranische Lastwagen wegen Verdachts auf eine Lieferung von Militärmaterial nach Syrien. Die Fahrzeuge und deren Ladung werden nach Behördenangaben in Ankara von Experten untersucht.

Vor der Küste Zyperns wurde ein Schiff gestoppt, das Munition aus Russland nach Syrien bringen sollte. Der zyprische Regierungssprecher Stefanos Stefanou sagte im Radio, das Schiff habe nach einer gründlichen Prüfung die Erlaubnis zur Weiterfahrt erhalten. «Sein Ziel wird ein anderer Hafen sein - nicht Syrien», sagte Stefanou.

Französischer Journalist getötet

Nach Angaben syrischer Regimegegner wurden am Mittwoch 13 Menschen von Sicherheitskräften getötet. Erstmals seit dem Beginn des Aufstands vor zehn Monaten wurde in Syrien ein ausländischer Journalist getötet: Ein französischer Korrespondent des Fernsehsenders France 2 starb in Homs, wie der Sender am Mittwoch mitteilte.

Der Journalist Gilles Jacquier sei zum Zeitpunkt seines Todes auf einer von der syrischen Regierung genehmigten Reportagereise durch das Land gewesen. Laut einem weiteren Journalisten, der mit derselben Gruppe unterwegs war, wurde sie von mehreren Granaten getroffen.

Dabei sei auch ein freier niederländischer Journalist verletzt worden, teilte eine Sprecherin des niederländischen Aussenministeriums mit. Bis zu sechs Syrer seien ebenfalls dem Beschuss zum Opfer gefallen, berichteten Aktivisten. Frankreichs Aussenminister Alain Juppé verurteilte die Tat und verlangte eine Aufklärung der Todesumstände.

Seit Beginn der regierungskritischen Proteste vor Mitte März sind nach UNO-Angaben mehr als 5000 Menschen getötet worden. (sda)

Französischer Journalist getötet

Erstmals seit dem Beginn des Aufstands vor zehn Monaten ist in Syrien ein ausländischer Journalist getötet worden. Wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete, kam der französische Reporter am Mittwoch in der Stadt Homs ums Leben, als eine Granate nahe einer Gruppe von Journalisten einschlug.

Nach Angaben von Aktivisten wurden dabei auch sechs Syrer getötet und mehrere Menschen verletzt. Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, mehrere Granaten seien zwischen den beiden Stadtvierteln Akrama und al-Nusha eingeschlagen, als sich dort die Journalisten-Gruppe aufgehalten habe.

Nach Angaben des Fernsehsenders France 2 handelte es sich bei dem Getöteten um seinen erfahrenen Kriegsreporter Gilles Jacquier, der unter anderem im Irak, in Afghanistan und im Kosovo im Einsatz war. Laut dem AFP-Fotografen wurden bei dem Vorfall mehrere Journalisten verletzt, darunter ein Reporter aus Belgien.

Die Journalisten-Gruppe befand sich im Rahmen einer von den Behörden genehmigten Reise in Homs. (sda)

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