Aktualisiert 03.12.2019 15:05

Krankenkassen

Berater fälschen Verträge, um Provisionen zu kriegen

Eine Vermittlerfirma soll Kunden mit gefälschten Unterschriften bei einer Krankenkasse ab- und bei einer anderen angemeldet haben.

von
ehs/rab
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Leserin A. D.* (28) staunte nicht schlecht, als sie Post von ihrer neuen Krankenkasse, der Groupe Mutuel, erhielt. Denn dort hatte sie sich gar nie angemeldet.

Leserin A. D.* (28) staunte nicht schlecht, als sie Post von ihrer neuen Krankenkasse, der Groupe Mutuel, erhielt. Denn dort hatte sie sich gar nie angemeldet.

Keystone/Christian Beutler
Das hatte jemand anderes für sie getan – mit gefälschten Unterschriften. Selbst die Kündigung bei ihrer alten Krankenkasse, der CSS, war mit gefälschten Unterschriften eingereicht worden.

Das hatte jemand anderes für sie getan – mit gefälschten Unterschriften. Selbst die Kündigung bei ihrer alten Krankenkasse, der CSS, war mit gefälschten Unterschriften eingereicht worden.

Keystone/Christian Beutler
D. wurde Opfer einer betrügerischen Vermittlerfirma. Bei der Groupe Mutuel sind mehrere solche Fälle bekannt. Man habe festgestellt, dass die Firma «die erforderlichen Qualitätsanforderungen nicht erfüllt», so Sprecher Serkan Isik.

D. wurde Opfer einer betrügerischen Vermittlerfirma. Bei der Groupe Mutuel sind mehrere solche Fälle bekannt. Man habe festgestellt, dass die Firma «die erforderlichen Qualitätsanforderungen nicht erfüllt», so Sprecher Serkan Isik.

Keystone/Laurent Gillieron

Leserin A. D.* (28) staunte, als sie Post von ihrer neuen Krankenkasse, der Groupe Mutuel, erhielt. Denn dort hatte sie sich gar nie angemeldet. Das hatte jemand anderes für sie getan – mit gefälschten Unterschriften. Selbst die Kündigung bei ihrer alten Krankenkasse, der CSS, war mit gefälschten Unterschriften eingereicht worden.

Christina Wettstein, Mediensprecherin der CSS-Versicherung, sagt, das Kündigungsschreiben sei der Agentur Kloten von einem unbekannten Absender zugesandt worden. Es sei aber unvollständig gewesen, weil die Adresse fehlerhaft gewesen sei und ein Familienmitglied gefehlt habe. «Wir haben der Kundin empfohlen, Strafanzeige gegen unbekannt zu erstatten», so Wettstein.

Fälle von Unterschriftenfälschung

Leserin D. ist nicht allein. Sie wurde Opfer einer betrügerischen Vermittlerfirma. Ziel der Firma dürfte sein, Provisionen für abgeschlossene Verträge zu kassieren. Bei der Groupe Mutuel sind mehrere solche Fälle bekannt. Man habe festgestellt, dass das betroffene Unternehmen «die erforderlichen Qualitätsanforderungen nicht erfüllt», so Sprecher Serkan Isik. «Es gab Fälle von Unterschriftenfälschung. Daher haben wir den Zusammenarbeitsvertrag per September aufgelöst und ein Strafverfahren eingeleitet.» Weshalb A. D* nicht bereits zu diesem Zeitpunkt kontaktiert wurde und der Fall erst Ende November auf ihre Initiative hin aufgedeckt wurde, ist unklar.

Sollten weitere Kunden der Groupe Mutuel vermuten, Opfer dieses Vermittlers geworden zu sein, bittet die Versicherung jetzt darum, dass sich diese bei ihr melden. «Wir sind natürlich bereit, Betroffene von ihren Verträgen freizustellen, wenn der Vermittler fehlbar gehandelt hat», so Isik.

«Entschuldigen uns in aller Form»

Die Groupe Mutuel wolle «schnell die besten Lösungen für Kunden finden, die von solch illegalen Machenschaften betroffen sind». In diesem Fall seien sowohl Privatpersonen als auch Krankenkassen durch einen «betrügerischen und skrupellosen Vermittler» zu Schaden gekommen. «Wir entschuldigen uns bei den betroffenen Kunden in aller Form.»

Betrügerisch zustande gekommene Kündigungen oder Vertragsabschlüsse seien ungültig, so Isik. Auch CSS-Sprecherin Wettstein sagt, bei Urkundenfälschung sei die Kündigung nichtig und die versicherte Person verfüge weiterhin über die volle Deckung beim ursprünglichen Versicherer.

Kommt die Protokollpflicht?

Für D. ist das ein schwacher Trost. «Damit die Urkundenfälschung bewiesen ist, muss ich Anzeige erstatten und die Ermittlungen abwarten. Das kostet Zeit und ist mühsam», sagt sie. «Nicht jeder Betroffene will oder kann das auf sich nehmen.» Immerhin habe sich die Groupe Mutuel bereit erklärt, die Verträge aufzulösen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Versicherungsvermittler in die negativen Schlagzeilen geraten. Santésuisse, der Verband der Krankenversicherer, ist deshalb mit der Geduld am Ende. «Es braucht zusätzliche Kriterien für die Akquisition, so dass Kaltakquisen künftig deutlich erschwert werden», sagt Sprecher Manuel Ackermann. «Dazu gehört etwa die Pflicht für Vermittler, Gespräche zu protokollieren.»

Die Branche habe unlängst konkrete Empfehlungen an die Politik abgegeben. «Wir zählen darauf, dass die Politik unsere Vorschläge unterstützt», so Ackermann. Urkundenfälschungen würden dadurch erschwert. «Ganz ausschliessen kann man kriminelle Energie leider auch in Zukunft nicht.»

*Name der Redaktion bekannt

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