Auf Stellensuche: Beratung für entlassene Manager boomt
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Auf StellensucheBeratung für entlassene Manager boomt

2012 hatten sich rund 5000 entlassene Kader bei der Stellensuche beraten lassen und Outplacement-Angebote in Anspruch genommen. Im Jahr davor waren es noch 40 Prozent weniger.

Selbst für Manager ist der Weg zurück in den Arbeitsmarkt nach einer Entlassung zuweilen steinig. Immer mehr arbeitslose Kader lassen sich bei der Stellensuche deshalb unter die Arme greifen und nehmen sogenannte Outplacement-Angebote in Anspruch.

Beim Outplacement lassen sich hochqualifizierte Arbeitskräfte von darauf spezialisierten Unternehmen bei der Suche nach einer neuen Stelle oder auch bei einer Neuorientierung begleiten. Der Schweizer Branchenverband der Outplacement-Unternehmen ACF weist für das vergangenen Jahr eine markant höhere Nachfrage nach solchen Angeboten aus.

Outplacement-Angebot als Zückerchen

2012 hätten rund 5000 entlassene Kader vom Outplacement Gebrauch gemacht, sagte ACF-Präsident Pascal-Laurent Favre gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Plus von über 40 Prozent.

Favre führt die Zunahme unter anderem auf den Umstand zurück, dass vermehrt Kaderangestellte im Zuge von Restrukturierungen vor die Türe gestellt würden. Weil diese Mitarbeiter nichts falsch gemacht hätten, würden die Firmen deren Entlassung mit einem Outplacement-Angebot «versüssen» - in der Hoffnung, dass dadurch keine bitteren Gefühle zurückbleiben.

Daneben wurde die Nachfrage nach Outplacement-Angeboten im letzten Jahr gemäss Favre durch «zwei, drei grössere Sozialpläne» befeuert. So gaben etwa die Grossbanken Credit Suisse und UBS einen Stellenabbau bekannt. Gemäss dem Karriereberatungsunternehmens Grass & Partner, das Kaderleuten Starthilfen anbietet, kam 2012 rund jeder Dritte Outplacement-Kandidat aus dem Bankensektor.

Längere Wartezeit

In den meisten Fällen sind es die Unternehmen, welche die Begleitung der von ihnen entlassenen Kader nachfragen und dafür aufkommen. Nur in rund 15 Prozent aller Fälle machen arbeitslose Manager von sich aus vom Angebot Gebrauch und zahlen es auch selbst.

Das dürfte unter anderem auf die Kosten zurückzuführen sein: Eine dreimonatige Outplacement-Beratung kostet gemäss Favre zwischen 15'000 bis 25'000 Franken, wobei der Preis mit dem Alter und Spezialisierungsgrad des Kaders steigt.

Gefragt ist Geduld

Während die Geduld der Unternehmen abnimmt, müssen sich die arbeitslosen Manager genau darin üben. Die durchschnittliche Stellensuchzeit hat sich gemäss dem Branchenverband ACF im vergangenen Jahr von 7,4 auf 7,9 Monate verlängert.

Favre führt dies nur bedingt auf die Zahl der offenen Kaderstellen auf dem Arbeitsmarkt zurück. Vielmehr würden die Unternehmen die potenziellen Kandidaten immer mehr auf Herz und Nieren prüfen. Zwischen dem ersten Interview und einer allfälligen Anstellung verstreiche bedeutend mehr Zeit als noch vor ein paar Jahren.

Auch für tiefere Kader

Während die Unternehmen in der Vergangenheit in erster Linie ausgeschiedenen Topkadern ein Outplacement offerierten, kommen gemäss Favre heute vermehrt auch tiefere Kaderangestellte in den Genuss einer professionellen Hilfestellung bei der Jobsuche. Der ACF-Präsident spricht von einer «Demokratisierung» des Angebots.

Diesen Befund unterstreichen die Zahlen des Karriereberatungsunternehmens Grass & Partner für das vergangene Jahr. Beim Outplacement von Führungskräften stieg der Anteil der unteren Kader von 7 auf 9 Prozent.

Der Anteil von Geschäftsleitungsmitgliedern und oberen Kadern ist unterdessen rückläufig. Sie stellen zusammen aber immer noch mehr als die Hälfte der Outplacement-Kandidaten.

Wieder mehr ältere Kader

Gemäss den Zahlen des Zuger Beratungsunternehmens liessen sich im vergangenen Jahr zudem wieder vermehrt Kader im Alter zwischen 50 bis 54 Jahren beraten. In den Vorjahren war deren Anteil stetig gesunken, während zunehmend Kader im Alter zwischen 40 und 50 Jahren auf das Angebot zurückgriffen.

Pascal-Laurent Favre vom Branchenverband ACF stellt sich auf den Standpunkt, dass auch für Kader konsequentes, lebenslanges Lernen immer wichtiger werde, um angesichts der ständigen Veränderungen und Anpassungen auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können. (sda)

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